Ein junger Mann raucht in einer Bar eine Wasserpfeife.  (Foto: dpa/Paul Zinken)

"Vergleichbar mit rund 100 Zigaretten"

Kai Forst   22.12.2019 | 08:30 Uhr

Fast jeder dritte Jugendliche hat schon einmal Wasserpfeife geraucht, Tendenz steigend. Viele glauben: Das Rauchen des aromatisieren, süßlichen Tabaks sei unbedenklich. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die saarländische Ärztekammer schlägt Alarm.

Granatapfel, Honigmelone, Kirsche, oder Litschi: Die Geschmacksrichtungen der Tabaksorten in den zahlreichen Shisha-Bars erinnern eher an gut sortierte Früchteläden – und suggerieren der Hauptzielgruppe der jungen Erwachsenen damit eine gewisse Harmlosigkeit. Die weitreichende Meinung: Shisha-Rauchen ist unbedenklicher als das Rauchen von Zigaretten.

Ärztekammer warnt vor Shishas
Audio [SR.de, (c) SR/Kai Forst, 22.12.2019, Länge: 00:35 Min.]
Ärztekammer warnt vor Shishas

Diesem Irrglauben widerspricht die saarländische Ärztekammer und warnt mit Blick auf die drastisch gestiegene Zahl von Shisha-Bars vor den gesundheitlichen Risiken. „Über den Rauch von Wasserpfeifen werden teilweise sogar größere Mengen an Schadstoffen aufgenommen als über filterlose Zigaretten. Das gilt insbesondere für Nikotin, aber auch für Teer und Kohlenmonoxid, sowie für die Giftstoffe Arsen, Chrom und Nickel“, sagte Kammerpräsident Josef Mischo dem SR. Insgesamt enthalte Wasserpfeifenrauch mehr als 80 schädliche Substanzen - darunter 27, die krebserzeugend sind oder im Verdacht stehen, Krebs zu erzeugen.

"Wasserpfeifenrauchen verursacht schwere Krankheiten"

SR-Umfrage bei den Städten
Zahl der Shisha-Bars stark gestiegen

„Eine Shisha-Sitzung ist vergleichbar mit dem Konsum von rund 100 Zigaretten. Daher ist die Wahrscheinlichkeit einer Suchtentwicklung bei häufigem Konsum höher“, so Mischo. Perfide sei, dass die unterschiedlichen Geschmacksrichtungen den eigentlichen Tabakgeschmack überdeckten. Außerdem werde durch die geringere Temperatur der Wasserpfeife das Rauchen zusätzlich erleichtert, da tiefer inhaliert werden kann. Genau das mache das Shisha-Rauchen für Jugendliche attraktiv, erklärte Mischo.

„Tatsächlich verursacht Wasserpfeifenrauchen jedoch etliche schwere Krankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen und schwere chronische Atemwegserkrankungen wie die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD).“ Auch das Passivrauchen dürfe nicht außer Acht gelassen werden: Sowohl durch den ausgeatmeten Rauch, der noch schädlicher ist als der von Zigaretten, als auch durch das vorhandene Kohlenmonoxid der glimmenden Kohle werde die Raumluft massiv belastet. „Das bedeutet somit nicht nur für den Raucher selbst, sondern auch für im Raum anwesende Nichtraucher eine Gesundheitsgefahr“, sagte der Kammerpräsident.

Über dieses Thema berichteten die SR-Hörfunknachrichten am 22.12.2019.

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