Symbolbild: Homeoffice (Foto: SR / Kathrin Paul)

Homeoffice  – Zwischen Laptop, Nudeln und Kindergeschrei

Kathrin Paul   23.03.2020 | 11:03 Uhr

Das Coronavirus stellt unser aller Leben völlig auf den Kopf. Ich arbeite als Journalistin bei SR.de, bin verheiratet und habe eine dreijährige Tochter. Seit die Schulen und Kindergärten geschlossen sind, arbeite auch ich von zuhause aus – mein Körper sitzt also bei meiner Familie, mein Kopf ist aber auf dem Halberg.

Pünktlich um 7.30 Uhr bin ich an meinem Laptop, checke Mails und Videos, kümmere mich um Online-Seiten und was sonst noch alles Besonderes anfällt in Zeiten von Corona. Ich mache die gleiche Arbeit wie jeden Tag, aber es fühlt sich anders an. Denn ich arbeite nicht in meinem Büro, sondern in unserem Wohnzimmer. Neben mir meine Tochter, die gerade beim Frühstück ist und mir gegenüber mein Mann, der sich angeregt mit ihr über die zu harte Brotkruste unterhält.

Ja, ich sitze mitten unter meinen Liebsten, aber ich muss eigentlich eine Mail schreiben und auch noch ein wichtiges Telefonat führen. Das verschiebe ich dann etwas nach hinten und erledige derweil Dinge, die ich auch gut hinbekomme, während Frida und ihr Papa am Plappern sind.

"Wieso musst du so viel arbeiten?"

Das schöne Wetter zieht meine bessere Hälfte und meine Tochter in den Garten, der dank Corona mal richtig auf Vordermann gebracht wird. Ich bekomme in dieser Zeit sehr viel weggearbeitet und kann meine Telefonate in Ruhe führen. Leider hat Frida irgendwann keine Lust mehr, draußen zu spielen und leistet mir Gesellschaft.

Meiner Tochter fällt es schwer, zu verstehen, dass ich nicht ständig verfügbar bin, obwohl ich ja da bin. Sie will mit mir basteln oder einfach nur kuscheln. „Wann bist du denn fertig?“ oder „Wieso musst du so viel arbeiten?“ sind schwierig zu beantworten. Achso, hungrig ist sie ja auch noch. Irgendwo zwischen „ich will kuscheln“ und „ich will etwas essen“ setze ich sie dann mal vor den Fernseher. Ich muss schnell noch etwas fertig machen, danach koche ich schnell ein paar Nudeln mit Soße, denn inzwischen muss auch ihr Papa etwas für seine Arbeit erledigen.

Da und irgendwie doch nicht

Während die Nudeln vor sich hinkochen, begleite ich meine Tochter auf die Toilette, beantworte schnell noch eine Mail und decke den Tisch. Puh, nach dem Essen macht sie hoffentlich ihren verdienten Mittagsschlaf. Dann klingelt das Telefon. Meine Kollegin ist dran und hat eine Frage. Frida kennt sie mittlerweile schon und begrüßt sie auch.

Homeoffice ist ein Spagat, meinem Kind noch gerecht zu werden und meine Arbeit gewissenhaft und sorgfältig zu erledigen. Oft macht mich das verrückt, weil ich so viele Sachen im Kopf habe, an die ich denken muss, aber man merkt auch, dass man in schwierigen Situation vieles schaffen kann. Und immerhin ist es mir möglich, meine Arbeit in Zeiten von Corona wenigstens von zuhause aus zu erledigen.

"Ist heute Kindergarten?"

Was mir zum normalen Arbeitsalltag außerdem fehlt, ist die direkte Ansprache zu meinen Kollegen, schnell mal eine Tür weiter, um kurz etwas zu klären. Und dann irgendwie doch die himmlische „Ruhe“ des Großraumbüros ohne das Piepsen der Waschmaschine und das Gedrängel nach „komm wir spielen was Mama“.

Abends sitze ich endlich auf der Couch, Zeit zum Durchschnaufen, und irgendwie hab ich heute dann doch alles geschafft. Frida liegt im Bett und meine Arbeit ist zumindest für heute getan. Morgen geht es dann wieder weiter. Ich werde an meinem Laptop sitzen und die tägliche Frage meiner Tochter, ob heute Sonntag sei oder sie in den Kindergarten dürfe, beantworten mit: „Nein mein Schatz, auch heute ist kein Kindergarten, aber Mama und Papa sind mit dir zuhause.“

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