Der Hauptangeklagte im Verhandlungssaal des Landgerichts Kaiserslautern. (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Pool | Uwe Anspach)

Schmauchspuren nicht klar der Tat zuzuordnen

  05.07.2022 | 16:31 Uhr

Beim sechsten Prozesstag um die mutmaßlichen Polizistenmorde nahe Kusel ging es um Tatwaffen, Schmauch- sowie DNA-Spuren. Laut einem Gutachten müssen festgestellte Schmauchspuren an den Händen des Hauptangeklagten nicht zwingend mit der Tat zusammenhängen.

Mit der Auswertung der gesicherten Spuren hat sich das Landgericht Kaiserslautern am sechsten Tag des Kuseler Mordprozesses befasst. Wie ein Sachverständiger beim Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz vor dem Gericht erklärte, lassen sich festgestellte Schmauchspuren an den Händen des 39-jährigen Hauptangeklagten nicht zwingend mit der Tat in Verbindung bringen. Es könnte auch zu entsprechenden Anhaftungen gekommen sein, weil in unmittelbarer Nähe Schüsse abgegeben worden seien.

Bei Festnahme an Hände gekommen

Laut dem Sachverständigen könnte der Angeklagte auch Kontakt mit "beschmauchten Gegenständen" gehabt haben. Demnach könne nicht ausgeschlossen werden, dass Teile der Partikel bei der Festnahme des Mannes an die Hände kamen.

Das gleich gelte für den Nebenangeklagten, der ebenfalls Schmauchspuren an den Händen hatte, die auch "nicht zwingend tatrelevant" seien. "Bei beiden Angeklagten ist es nicht möglich zu differenzieren, wo der Schmauch herkommt", so der Sachverständige.

Video [aktueller bericht, 05.07.2022, Länge: 2:18 Min.]
Polizistenmord in Kusel: Schmauchspuren nicht klar zuzuordnen

"Kommen nicht weiter"

"Wir sind uns einig, dass wir mit Schmauchspuren und DNA nicht weiterkommen", urteilte Oberstaatsanwalt Stefan Orthen gegen Ende des Prozesstages. Das sah die Verteidigung des Hauptangeklagten genauso ‒ und forderte den Nebenangeklagten auf, sich doch vor Gericht einzulassen.

Dem 33 Jahre alten Komplizen Florian V. wirft die Anklagebehörde versuchte Strafvereitelung vor. Er soll beim Spurenverwischen geholfen haben. V.s Verteidiger gab am ersten Prozesstag eine Erklärung ab, dass er sich nicht über seine Aussage bei der Polizei hinaus äußern werde.

Am vierten Prozesstag schilderte eine Ermittlerin die Vernehmung des Komplizen nach der Tat. Dieser hätte damals ausgesagt, dass sein Komplize, der Hauptangeklagte, bei der nächtlichen Fahrzeugkontrolle gesagt habe: "Wie, Jagdwilderei?". Dann habe "es auch schon geknallt", zitierte die Beamtin den Mann. Die Polizistin sei "von der Wucht umgerissen worden".

Trotz Gutachten viele offene Fragen

Eine Expertin für DNA-Spuren vom LKA berichtete von zahlreichen Spuren an Tatfahrzeug, Tatort oder an der Kleidung der Opfer. Ganz still war es, als sie von Blut und Gewebespuren der getöteten Polizistin vor allem an der Beifahrerseite des Fahrzeugs berichtete.

Was ihre Feststellung, dass im Lauf der Schrotflinte DNA des Nebenangeklagten gefunden wurde, zu bedeuten habe, konnte sie nicht sagen. Theoretisch sei es möglich, dass sie beim Reinigen der Waffe dorthin kam.

Am Dienstagvormittag hatte ein Sachverständiger für Schusswaffen vom LKA die Tatwaffen präsentiert und in einem Gutachten berichtet, dass die am Tatort gefundenen Patronenhülsen den Tatwaffen zuzuordnen sind. Wo wer bei der Tat gestanden habe, könne er nicht sagen, sagte er. Gut möglich sei es seiner Einschätzung nach aber, dass eine Person alleine die zahlreichen Schüsse abgegeben habe. Nachladen ungefähr alle zehn Sekunden reiche "locker".

Video [aktueller bericht am Sonntag, 03.07.2022, Länge: 2:13 Min.]
Angeklagter sagt im Polizistenmord-Prozess aus

In einem weiteren Gutachten untersuchte ein Experte die zerfetzte Kleidung der getöteten Polizisten. Aufgrund der Beschädigungen ging er davon aus, dass die Schussabgabe auf die Polizistin aus einer Entfernung von weniger als fünf Metern erfolgte. Bei ihrem männlichen Kollegen sollen Schüsse aus der Schrotflinte aus mehr als fünf Metern Entfernung abgegeben worden sein, sagte er.

S. spricht über Jagdleidenschaft

Am Montag hatte sich der Hauptangeklagte Andreas S., dem zweifacher Mord aus Habgier vorgeworfen wird, als passionierter Jäger gegeben. Er habe sich selbst als "Alphatier" gesehen, das auf alles geschossen habe, "was rumläuft".

Dass er am 31. Januar auch auf die beiden jungen Polizisten geschossen und diese dabei getötet haben soll, bestreitet S. seit dem Prozessauftakt am 21. Juni. Stattdessen hatte er den Mitangeklagten beschuldigt und ihm vorgeworfen, dass er die Polizistin mit einem Schuss getötet habe. Gleichzeitig hatte S. von Notwehr gesprochen.

Für den Prozess sind bis September 14 Verhandlungstermine vorgesehen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 05.07.2022 berichtet.

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