Eine FFP2-Maske auf einer Bank (Foto: picture alliance/dpa | Nicolas Armer)

Experten gehen von dritter Welle im April aus

  27.02.2021 | 10:36 Uhr

Immer mehr Experten gehen von einer möglichen dritten Corona-Welle aus. Neben dem Saarbrücker Pharmazie-Professor Thorsten Lehr warnte auch der Homburger Virologe Jürgen Rissland im SR am Samstagmorgen: Momentan stehe man an der Schwelle zum exponentiellen Wachstum.

Im Saarland liegt der Sieben-Tage-Inzidenz-Wert derzeit bei 71,4. Er steigt seit einer Woche stärker als im Bund. Der Homburger Virologe Jürgen Rissland sagte im SR, zudem liege die Reproduktionszahl wieder um die Zahl 1. "Das bedeutet, wir stehen an der Schwelle zum exponentiellen Wachstum."

Dritte Welle vor der Tür

Zudem schreite die Verbreitung der Mutanten fort. Inzwischen hätten die Mutanten unter den positiven Coronatests einen Anteil von rund 30 Prozent. All diese Faktoren seien zusammen betrachtet keine gute Ausgangsbasis für die kommenden Wochen. "Möglicherweise steht die dritte Welle vor der Tür", warnt Rissland.

Nach Berechnungen des Saarbrücker Pharmazie-Professors Thorsten Lehr wird die dritte Welle ähnlich stark ausfallen wie die zweite. Lehr sagte, er rechne in der ersten Aprilhälfte mit Sieben-Tage-Inzidenzen um 200. Eine Ursache sei der Vormarsch der britischen Corona-Variante. "Auch wenn die Lockerungen moderat sind, werden sie sich auswirken." Lehr geht davon aus, dass es nach dem 7. März rund 20 Prozent mehr Kontakte gebe. Die Kombination aus Lockerungen und der Mutante werde zu einem relativ starken Anstieg führen. 

Den Anstieg der Zahlen ausbremsen könne man möglicherweise "über gezielte Schnelltests, die großflächig eingesetzt werden, um infektiöse Mitbürger aus dem Verkehr zu ziehen". Lehr bezweifelt aber, dass die Umsetzung "rechtzeitig für eine Lockerung" gelinge.

Erste positive Effekte der Impfungen erkennbar

Gleichzeitig gibt es aber positive Erkenntnisse bezüglich der Impfungen, berichtet Virologe Rissland. Man sehe bereits jetzt einen Abfall der Todeszahlen und der Neuerkrankungen in der Altersgruppe der Über-80-Jährigen. "Das ist ein wichtiger Indikator dafür, dass das Impfgeschehen gegriffen hat. Gerade in den Gemeinschaftseinrichtungen, den Alten- und Pflegeeinrichtungen geht das Geschehen zurück", so Rissland. Anfang Februar haben man in der Altersgruppe der über 80-Jährigen noch eine Inzidenz von über 200 gehabt. "Jetzt liegen wir in der Größenordnung von 70."

Bis sich Impfungen aber auf das gesamte Infektionsgeschehen auswirken könnten, wird es noch dauern. Thorsten Lehr rechnet damit, dass es erste Effekte der Impfungen "bei einem optimistischen Szenario" im Juni geben könnte - wenn man bis dahin 30 Prozent der Bevölkerung geimpft habe.

Über dieses Thema hat SR 3 Saarlandwelle am 27.02.2021 berichtet.

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