Frau mit Babybauch (Foto: dpa / picture alliance / Felix Heyder)

Schwanger in Corona-Zeiten

Sandra Schick   26.04.2020 | 09:19 Uhr

Die Corona-Pandemie erfüllt viele Frauen, die jetzt schwanger sind, mit besonderen Sorgen. Wie riskant ist das Coronavirus für mein Baby und mich? Wie sicher ist mein Arbeitsplatz? Darf der Vater bei der Geburt dabei sein? SR.de versucht die wichtigsten Fragen zu klären.

Die hier zusammengetragenen Informationen beruhen auf den Angaben des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, der saarländischen Arbeitskammer, dem Berufsverband der Frauenärzte, der Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie einer Umfrage von SR.de unter den saarländischen Geburtskliniken.


Geburt und Krankenhaus


Hinweis: Die hier beschriebenen Regelungen stellen den derzeitigen Status quo dar. Einige Krankenhäuser gaben in unserer Umfrage an, dass sie ihre Regelungen an die aktuelle Pandemie-Situation anpassen wollen. Änderungen an den Regelungen sind also prinzipiell jederzeit möglich.

Darf der Vater bei der Geburt dabei sein?

Nach Angaben der saarländischen Krankenhausgesellschaft haben sich die Geburtskliniken im Saarland größtenteils auf ein einheitliches Vorgehen im Hinblick auf Geburten abgestimmt. Demnach darf aktuell in allen Kliniken der Vater oder eine andere Begleitperson bei der Geburt im Kreißsaal anwesend sein. Nach der Geburt darf derjenige für maximal zwei Stunden im Kreißsaal dabei bleiben. Diese Regelung gilt allerdings nur bei einer normalen Entbindung. Voraussetzung dafür ist, dass die Person zusichert, dass sie keine Symptome einer Corona-Infektion hat und auch keinen Kontakt mit positiv getesteten Personen hatte.

Was ist bei einem Kaiserschnitt?

Zu einem geplanten oder ungeplanten Kaiserschnitt gibt es keine einheitlichen Regelungen in den saarländischen Kliniken. Die meisten Kliniken erlauben derzeit generell keine Begleitperson bei einem Kaiserschnitt. Einige Krankenhäuser entscheiden das im Einzelfall und nur eine saarländische Klinik (das Caritasklinikum St. Theresia in Saarbrücken) gab in unserer Umfrage an, dass auch weiterhin die Begleitperson beim Kaiserschnitt dabei sein kann, sofern es der Zustand von Mutter und Kind erlaubt.

Darf man Besuch bekommen?

Besuche auf der Wöchnerinnen-Station – von Vätern oder anderen Personen – sind derzeit nicht erlaubt. Das heißt nach der Geburt bleiben Mutter und Baby bis zum Tag ihrer Entlassung alleine im Krankenhaus. Inzwischen bieten aber wieder einzelne Krankenhäuser die Möglichkeit an, dass der Vater zusammen mit Mutter und Kind in einem Familienzimmer in der Klinik bleiben kann. Allerdings ist es dem Vater dann strikt untersagt, das Familienzimmer während des Aufenthalts zu verlassen.


Schwanger am Arbeitsplatz


Nach dem Mutterschutzgesetz ist es Aufgabe und Verantwortung des Arbeitgebers "eine unverantwortbare Gefährdung von schwangeren oder stillenden Frauen und ihrer Kinder auszuschließen". Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) hat im April das Informationspapier "Mutterschutz und SARS-COV-2" herausgegeben. Es enthält wichtige Informationen für Arbeitgeber und Schwangere.

Das BAFzA kommt darin zu dem Ergebnis, dass "die Auswirkungen einer SARS-CoV-2-Infektion auf Schwangere derzeit noch nicht zuverlässig bewertet werden können" und mahnt daher zur Vorsicht. Die wissenschaftliche Erkenntnislage sei "noch lückenhaft". "Vor dem Hintergrund ist ein erhöhtes Infektionsrisiko mit SARS-CoV-2 am Arbeits- oder Ausbildungsplatz aus präventiven Gründen als unverantwortbare Gefährdung einzustufen."

Wann kommt ein Beschäftigungsverbot in Betracht?

Arbeitgeber können in der Corona-Pandemie generell vermehrt Beschäftigungsverbote aussprechen. Grundlage hierfür ist die sogenannte "Gefährdungsbeurteilung". Das heißt: Der Arbeitgeber muss die Schwangere so beschäftigen und ihren Arbeitsplatz so einrichten, dass sie und ihr Kind vor Gefahren für Leben und Gesundheit ausreichend geschützt sind. Kommt der Arbeitgeber zu dem Ergebnis, dass ein Einsatz am derzeitigen Arbeitsplatz unmöglich ist, kann er der Schwangeren einen anderen Arbeitsplatz zuweisen. Ist dies nicht möglich, erfolgt ein Beschäftigungsverbot.

Was muss der Arbeitgeber tun, um Schwangere zu schützen?

Für die Gefährdungsbeurteilung muss der Arbeitgeber nach Angaben des BAFzA die Dynamik der Infektionslage berücksichtigen. Demnach "muss bei wechselnden oder zahlreichen Kontakten davon ausgegangen werden, dass die Schwangere an entsprechenden Arbeitsplätzen Kontakt zu infektiösen Personen haben kann." Das könne im Einzelfall zu einer "unverantwortbaren Gefährdung für schwangere Frauen führen, wenn:

  • Kontakt zu ständig wechselnden Personen bzw. einer wechselnden Kundschaft besteht (z.B. im Gesundheitswesen, im Verkauf) oder
  • regelmäßig Kontakt zu einer größeren Zahl an Ansprechpersonen, auch betriebsintern, (z.B. in der Kindernotbetreuung, in einem Großraumbüro) besteht.

Bei der Auswahl geeigneter Schutzmaßnahmen sollte geprüft werden,

  • ob ein Mindestabstand von 1,50 Meter im Kontakt zu anderen Personen sichergestellt werden kann,
  • ob andere notwendige Schutzvorkehrungen getroffen werden können,
  • ob die Schwangere an einem Einzelarbeitsplatz ohne Infektionsgefährdung beschäftigt werden kann oder ob sie von zu Hause arbeiten kann."

Könnten Schutzmaßnahmen nicht in ausreichender Weise ergriffen werden, ist ein Beschäftigungsverbot auszusprechen, so das BAFzA.

Muss ich als Schwangere auch weiterarbeiten, wenn ich mir Sorgen um meine Gesundheit mache?

Auch als Schwangere ist man weiterhin zur Arbeitsleistung verpflichtet, wenn die Gefährdungsbeurteilung durch den Arbeitgeber durchgeführt wurde und zu dem Ergebnis kam, dass ein Einsatz an dem bisherigen Arbeitsplatz weiterhin möglich ist, sagt die saarländische Arbeitskammer. Hierbei sei zu beachten, dass die erforderlichen Hygienemaßnahmen und die Abstandsregelungen durch den Arbeitgeber sichergestellt werden müssen.

Fühlt sich die Schwangere trotzdem unsicher, kann sie ihren Frauenarzt zu Rate ziehen. Nach Angaben des Berufsverbandes der Frauenärzte kann der Arzt beispielsweise ein vorläufiges Beschäftigungsverbot aussprechen, wenn aus ärztlicher Sicht ernstzunehmende Anhaltspunkte dafür bestehen, dass vom Arbeitsplatz Gefahren für Leben oder Gesundheit von Mutter oder Kind ausgehen können, etwa weil eine fachkundige Überprüfung des Arbeitsplatzes nicht stattgefunden hat. Dieses vorläufige Beschäftigungsverbot kann dann bis zur endgültigen Klärung des Sachverhalts durch einen Arzt ausgesprochen werden.

Darüber hinaus besteht noch die Möglichkeit eines ärztlichen Beschäftigungsverbotes. Das kommt immer dann in Betracht, wenn der betriebliche Gesundheitsschutz nicht ausreicht und eine Gefährdung der Gesundheit der Frau oder des Kindes aufgrund von individuellen Faktoren bei Fortdauer der Beschäftigung besteht. Die Beurteilung, ob eine Gefährdung besteht, obliegt dem Arzt. Es genügt die bloße Möglichkeit, dass ein Schaden für Mutter oder Kind eintreten könnte, wenn die Frau weiter arbeitet.

Was gilt an Arbeitsplätzen mit Maskenpflicht?

Bei der Maskenpflicht muss von Seiten des Arbeitgebers durch die Gefährdungsbeurteilung sichergestellt werden, dass werdende Mütter keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch das Tragen der Masken haben. Dies gilt besonders, da Schwangere ein vermindertes Lungenvolumen haben. Bestimmte Schutzmasken wie z.B. FFP3-Masken sind nach Angaben des BAFzA für Schwangere nicht dauerhaft geeignet. Auch das Tragen sogenannter Alltagsmasken ist mit einem gewissen Atemwiderstand verbunden. Daher sollte darauf geachtet werden, dass die durchgehende Tragedauer eine Stunde nicht übersteigt und dann eine Pause gemacht wird.


Auswirkungen des Coronavirus auf Schwangere und Babys


Wie gefährdet sind Schwangere durch SARS-COV-2?

Nach Angaben des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) kann derzeit noch nicht zuverlässig eingeschätzt werden, ob Schwangere aufgrund der physiologischen Veränderungen in der Schwangerschaft eine erhöhte Wahrscheinlichkeit haben, durch SARS-CoV-2 zu erkranken, und inwieweit bei Erkrankungen mit schweren Verläufen zu rechnen ist, zum Beispiel auf Grund des verringerten Lungenvolumens in der Schwangerschaft.

Auch die Auswirkungen einer SARS-CoV-2-Infektion auf Schwangere könne derzeit noch nicht zuverlässig bewertet werden, weil die "wissenschaftliche Erkenntnislage noch lückenhaft" sei.

Noch sei beispielsweise ungeklärt, ...

  • ob Schwangere gegebenenfalls ein erhöhtes Risiko haben sich anzustecken
  • ob sich die Übertragung des Erregers auf das Kind endgültig ausschließen lässt bzw.
  • was die zu befürchtenden Folgen einer solchen Übertragung für das Kind wären.

Bislang vorliegende Erkenntnisse aus China geben nach Angaben der Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) immerhin Anlass zu vorsichtigem Optimismus: Es gebe keine Berichte darüber, dass Frauen, bei denen im dritten Schwangerschaftsabschnitt eine Coronavirus-Infektion diagnostiziert wurde, das Virus im Mutterleib an ihre Babys weitergegeben haben. Allerdings sei die Datenbasis sehr gering (nur 20 Fälle) und es seien alle Infektionen im letzten Schwangerschaftsdrittel erfolgt. Daher sei die Aussagekraft sehr begrenzt.

Hat es Auswirkungen auf die Geburt, wenn die Schwangere eine Corona-Infektion hat oder hatte?

Nach Angaben der Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) kann im Fall, dass eine dringende Entbindung erforderlich ist, ein Kaiserschnitt die bessere Wahl sein. Insbesondere wenn die Atmung der Schwangeren eingeschränkt ist. Von einer Verwendung von Lachgas werde abgeraten, da es die Aerosolisierung und Ausbreitung des Virus erhöhen kann.

Kann eine Frau mit Corona-Infektion ihr Baby stillen?

Nach Einschätzung der Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass das Virus über die Muttermilch übertragen werden kann. Daher wird davon ausgegangen, dass die anerkannten Vorteile des Stillens die potenziellen Risiken einer Übertragung des Coronavirus überwiegen.

Infizierte Mütter oder Verdachtsfälle sollten beim Stillen jedoch durch Hygienemaßnahmen wie gründliches Händewaschen vor und nach dem Kontakt mit dem Kind und durch das Tragen eines Mundschutzes das Risiko für eine Übertragung des Virus durch Tröpfcheninfektion vermindern.

Allerdings weist die DGGG darauf hin, dass diese Empfehlung unter Vorbehalt erfolgt. Wenn sich das Wissen über das neue Virus weiterentwickelt, könne es auch hierzu neue Erkenntnisse geben.

Video:

Schwangerschaft in Zeiten des Coronavirus (13.04.2020)
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 13.04.2020, Länge: 02:35 Min.]
Schwangerschaft in Zeiten des Coronavirus (13.04.2020)
Auch werdende Eltern werden durch das Coronavirus vor neue Herausforderungen gestellt. Kurse für Schwangere finden nur noch online statt. Besonders Hebammen sind aktuell gefragt, um den werdenden Eltern mit Rat zur Seite zu stehen.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja