Eine Ärztin führt die Schuleingangsuntersuchnung durch. (Foto: dpa/Markus Scholz)

Neuer Einschulungstest im Saarland

Sandra Schick   18.01.2020 | 08:30 Uhr

Vor der Einschulung eines Kindes steht die Schuleingangsuntersuchung. Im Saarland wird dabei in diesem Jahr erstmals ein neues Verfahren zum Einsatz kommen. Die Umstellung war notwendig geworden, weil der alte Test in großen Teilen schon bekannt war und Eltern und Kindergärten ihn mit den Kindern zuvor geübt hatten.

Saarland hat neuen Einschulungstest
Audio [SR 3, (c) SR, 18.01.2020, Länge: 00:57 Min.]
Saarland hat neuen Einschulungstest

Rund 3200 Kinder aus dem Regionalverband Saarbrücken werden in diesem und im nächsten Jahr ihre Schuleingangsuntersuchung nach dem neuen SOPESS-Verfahren absolvieren. Die ersten Tests werden voraussichtlich ab Ende Februar durchgeführt. Der Regionalverband testet das neue Verfahren in einer Pilotphase. Ab 2022 soll es dann voraussichtlich saarlandweit gelten.

Aber warum ein neues Verfahren? Zum einen, weil der alte Test zur Ermittlung der Schulreife in die Jahre gekommen war und nicht mehr den aktuellen Erkenntnissen und Anforderungen entspricht, sagt Ulrike Schiedermaier, die Leiterin des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes im Saarbrücker Gesundheitsamt. „Die bisherigen Schuleingangstests sind schon so bekannt und verbreitet, dass Eltern und Kindergärten sie meist gezielt mit den Kindern geübt haben.“

Was ist SOPESS?

SOPESS steht für „Sozialpädiatrisches Entwicklungsscreening für die Schuleingangsuntersuchung“. Das Verfahren wird bereits in rund der Hälfte aller deutschen Bundesländer angewandt. Der Test wurde in der Entwicklungsphase an 12.000 Kindern durchgeführt. Er ermöglicht, jedes Kind nach objektiven Kriterien in "unauffällig", "grenzwertig" und "auffällig" einzustufen.

Auch bei der Vorsorgeuntersuchung der Kinderärzte, genannt „U9“, seien ähnliche Aufgaben gestellt worden. „Das führt aber dazu, dass die Aussagekraft der Schuleingangsuntersuchung nicht mehr gegeben ist.“ Ziel der Untersuchung sei es, dass die Kinder spontan zeigen, was sie können. Es solle nichts gezielt einstudiert sein.

Man beobachte häufig, dass Eltern einen gewissen Druck vor der Schuleingangsuntersuchung hätten. Sie haben Angst, das eigene Kind könne durchfallen, berichtet Schiedermaier. "Dabei müssen die Eltern eigentlich gar keine Angst haben. Man kann in dem Test ja nicht durchfallen. Die Kinder werden dank Inklusion ja sowieso eingeschult." Der Test diene lediglich dazu, dass Eltern und Schulen sowie Kindergärten Hinweise bekämen, in welchen Bereichen das Kind bis zur Einschulung und danach noch Förderbedarf hat.

Was wird getestet?

Neben einer ärztlichen Untersuchung und einem Seh- und Hörtest werden bei der neuen Schuleingangsuntersuchung insgesamt zwölf Untertests durchgeführt. Getestet werden Auge-Hand-Koordination, selektive Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit, Zahlen- und Mengenvorwissen, visuelle Wahrnehmung und Schlussfolgern, Sprechen und Sprache, Fein- und Grobmotorik und Körperkoordination.

Im Rahmen von SOPESS wird auch gezielt die Mediennutzung der Kinder abgefragt, sagt Ulrike Schiedermaier. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre habe gezeigt, dass Schulkinder häufig Konzentrationsprobleme hätten. Dies könne auf gesteigerten Medienkonsum zurückgeführt werden, etwa wenn das Kind täglich viel Fernsehen schaue oder vor einem Tablet oder Smartphone sitze.

Was können Eltern tun, um Kinder für Schule fit zu machen?

Auch wenn Eltern keine gezielten Aufgaben für den Einschulungstest üben sollten, so können sie doch eine Menge tun, um ihr Kind fit für die Schule zu machen, erklärt Ulrike Schiedermaier. "Eltern sollten Kinder in den Alltag integrieren, sie in die Aufgaben des täglichen Lebens mit einbinden. Dabei lernen und trainieren sie ganz spielerisch die notwendigen Fähigkeiten."

Hier einige Beispiele:

  • Zusammen im Supermarkt einkaufen. Das Kind kann mehrere Produkte gezielt suchen und bringen. Das fördert die selektive Aufmerksamkeit, Konzentration unter Ablenkung und auditive Wahrnehmung

  • Zusammen Kochen oder Backen oder den Tisch für das Essen decken. Das ist gut für das Mengen- und Zahlenvorwissen.

  • Vorlesen und vorgelesene Geschichten nacherzählen lassen. Das Kind trainiert seine Ausdrucksfähigkeit und Sprachkompetenz.

  • Malen und Abmalen. Trainiert die Auge-Hand-Koordination

"Insgesamt sollte man viel mit den Kindern unternehmen, viel Zeit aktiv mit ihnen verbringen statt sie vor den Fernseher oder das Tablet zu setzen", so Schiedemaier.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 18.01.2020 berichtet.

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