Eine junge Frau lässt sich von einer älteren Dame mehrere hundert Euro an einer Haustür geben. (Foto: picture alliance / Matthias Balk | Matthias Balk)

Betrügerische Schockanrufe immer dreister

  17.08.2022 | 11:10 Uhr

Betrügerische Anrufe, besonders bei älteren Menschen, sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Jetzt hat es einen weiteren Fall in Ensdorf gegeben. Die Dreistigkeit der Anrufer nimmt dabei immer weiter zu.

Die Maschen sind eigentlich altbekannt: Betrüger rufen an, vorzugsweise bei tatsächlich oder dem Namen nach vermeintlich älteren Menschen, und geben vor, der Sohn, die Tochter oder der Enkel hätten einen Unfall verursacht oder eine Straftat begangen. Mal ist der vermeintliche „Enkel“ am Apparat, mal ein falscher „Polizist“ oder „Staatsanwalt“. Gefordert werden Geld oder Wertsachen, die abgeholt werden oder zu einem bestimmten Ort gebracht werden sollen.

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Dreist und unverschämt

Neu ist, dass die Anrufer immer stärkeren psychischen Druck aufbauen. „Es ist einfach diese Unverschämtheit und Dreistigkeit“, sagte Mike Caspers von der Polizeiinspektion Saarlouis zu einem Fall aus Ensdorf, über den die Gemeindeverwaltung am Mittwoch informiert hat. „Diese psychische Belastungen, denen die Leute ausgesetzt sind, das ist das Fatale.“

Am Dienstag ging bei einer älteren Frau aus dem Ort ein Anruf ein. Am Telefon war – vermeintlich – ein Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft. Die Tochter habe bei einem Verkehrsunfall einen Menschen schwer verletzt und befinde sich in psychologischer Behandlung. Zwischendurch war eine weinerliche Stimme zu hören, die – so beschrieb es die Frau gegenüber der Polizei – zumindest der ihrer Tochter ähnlich klang.

Taxifahrer brachte Frau zur Polizei

Der Telefonbetrüger bat die Frau, nach Saarlouis zu kommen, um Nachteile für die Tochter zu vermeiden. Wie die Polizei auf SR-Anfrage mitteilte, forderte er zwischen 25.000 und 30.000 Euro. Die Frau machte sich daraufhin völlig aufgelöst auf den Weg zur Bank. Ihr Glück: Die Bankfiliale war geschlossen.

Sie rief sich ein Taxi. Der Fahrer erkannte den Zustand der 88-Jährigen, und als sie ihm alles erzählt hatte, brachte er sie am Dienstagmittag zur Polizei. Dort erstattete sie Anzeige.

Warnung auch vor WhatsApp

Eine besondere Häufung solcher Fälle in den letzten Tagen und Wochen kann das Landespolizeipräsidium nach den Worten von Pressesprecher Stephan Laßotta derzeit nicht erkennen. Solche Anrufe kämen häufig in Wellen vor. Am Dienstag habe man landesweit 20 Fälle registriert.

Laßotta warnt in diesem Zusammenhang auch vor einer weiteren Masche von Betrügern: Per WhatsApp wird den Menschen von einem Verwandten oder Bekannten vermeintlich eine neue Handynummer übermittelt. Ist die dann im Telefonbuch gespeichert, wird um Geld gebeten.

Allerdings sieht Laßotta auch die meisten Senioren inzwischen gut sensibilisiert für das Problem. Über 90 Prozent solcher Betrugsversuche blieben erfolglos.

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