Schießerei in Klarenthal, Polizeieinsatz (Foto: BeckerBredel)

Polizist nach Schießerei aus Klinik entlassen

Thomas Gerber / Onlinefassung: Axel Wagner   07.06.2022 | 17:21 Uhr

Der bei einer Schießerei am Freitag in Klarenthal schwer verletzte Polizeibeamte ist auf dem Weg der Besserung. Landespolizeipräsidium und Fachaufsicht untersuchen den Einsatz derweil auf mögliche Defizite, können aber bis jetzt keine Fehler feststellen. Ein Restrisiko bestehe aber immer.

Wie die Polizei mitteilt, konnte der Beamte, der am Freitag bei einer Schießerei in Saarbrücken-Klarenthal schwer verletzt wurde, inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen werden. Er war von einer Kugel im Oberkörperbereich getroffen worden.

Konkrete Fragen noch ungeklärt

In einer ersten Einschätzung kommt das Landespolizeipräsidium (LPP) zu dem Ergebnis, dass der Einsatz bis zur Eskalation der Lage wie geplant verlaufen sei und demnach keine Fehler gemacht worden seien. Bei komplexen Einsätzen dieser Art sei ein Restrisiko nicht auszuschließen, und das sei in diesem Fall auch eingetreten.

Das LPP wies auf SR-Anfrage allerdings zugleich darauf hin, dass eine „Einsatznachbereitung und fachaufsichtliche Bewertung der Gesamtlage“ noch ausstünden. Konkrete Fragen, wie etwa die, warum dem Täter nach der zunächst erfolgten Verkehrskontrolle offenbar keine Handschellen angelegt worden waren, wollte das Landespolizeipräsidium auf SR-Anfrage zunächst nicht beantworten.

Im Haus verschanzt

Am Freitag war ein 67 Jahre alter Rechtsanwalt in Saarbrücken zunächst mit seinem Fahrzeug angehalten worden, weil gegen ihn ein Durchsuchungsbeschluss des Verwaltungsgerichts vorlag. Ihm sollten rund 20 Waffen entzogen werden, da ihm die Waffenbehörde die notwendige Zuverlässigkeit abgesprochen hatte.

Nachdem sich der Mann bei der Verkehrskontrolle zunächst noch kooperativ gezeigt und den Beamten einen Revolver aus dem Handschuhfach ausgehändigt hatte, eröffnete er wenig später in seinem Haus in Klarenthal plötzlich das Feuer auf die Beamten. Danach verschanzte er sich dort und gab mehrere Schüsse nach draußen ab. Nach mehrstündiger Belagerung fanden Sondereinsatzkräfte den 67-Jährigen tot auf. Er hatte zunächst seinen Hund und dann sich selbst erschossen.

Verwaltungsgericht: Gefahr für die Allgemeinheit

In seinem Durchsuchungsbeschluss war das Verwaltungsgericht bereits davon ausgegangen, dass von dem Juristen eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht. Es lägen Tatsachen vor, die „die Annahme einer missbräuchlichen Verwendung von Waffen rechtfertigten“.

Grundlage für diese Befürchtung war eine sogenannte „Gefährdungsbeurteilung“ durch das LPP. Zudem handele es sich bei dem Juristen um „eine Person, die zu jähzornigem, unbeherrschtem Verhalten bis hin zur Gewaltanwendung neige“.

In Schriftsätzen habe er sich selbst als „einen der besten Kampfschützen Europas“ bezeichnet. Zudem habe er im Streit um die Herausgabe seiner Waffen auf den russischen Überfall auf die Ukraine verwiesen und erklärt, sich „nicht waffenlos einem Aggressor zu ergeben“.

Zahlreiche Strafverfahren anhängig

Wie die Staatsanwaltschaft unterdessen erklärte, waren gegen den Rechtsanwalt von 1995 bis 2022 zahlreiche Strafverfahren anhängig. Im vergangenen September war er wegen illegalen Waffenbesitzes zu einer Geldstrafe von 3600 Euro verurteilt worden. Im April musste er eine weitere Geldstrafe von 3000 Euro wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zahlen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 07.06.2022 berichtet.

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