Fußball-Schiedsrichter (Foto: dpa/Julian Stratenschulte)

Vorerst kein Schiedsrichter-Streik

  30.08.2019 | 13:08 Uhr

Die saarländischen Fußballschiedsrichter werden offenbar doch nicht am Wochenende streiken. Wie der saarländische Fußballverband mitteilte, ist Anfang der Woche ein Treffen geplant, bei dem über das Thema Gewaltausbrüche gegen Unparteiische diskutiert werden soll.

Der Fall hatte für Aufsehen gesorgt: Am Samstag, 24. August, wurde nach einem C-Jugendspiel in Merzig-Brotdorf der Schiedsrichter krankenhausreif geschlagen. Der mutmaßliche Täter soll Vater eines Kindes aus der Gastmannschaft sein.

"Für die paar Kröten sollen wir uns noch schlagen lassen"
Audio [SR 3, Interview: Nadine Thielen / Oliver Thome, 30.08.2019, Länge: 03:10 Min.]
"Für die paar Kröten sollen wir uns noch schlagen lassen"

Der Geschäftsführer des saarländischen Fußballverbandes Andreas Schwinn hatte diese Gewalttat als "absolute Ausnahme" heruntergespielt - und damit einen Sturm der Entrüstung bei den Unparteiischen ausgelöst. Sie berichten, dass besonders bei unterklassigen Spielen und im Nordwestsaarland körperliche Attacken schon öfter vorgekommen seien.

"Das kümmert die einen Scheißdreck"

Schiedsrichter aus dem Kreis Westsaar haben bereits damit gedroht, ein Wochenende lang zu streiken. Einer davon ist Oliver Thome. Er ist entrüstet ob der Aussagen von Andreas Schwinn. "Das ist eine bodenlose Frechheit, so etwas zu behaupten. Er weiß genau, wie viele Schläge Schiedsrichter bekommen und wie viele Strafanzeigen gelaufen sind in den letzten Jahren. Auch ich wurde geschlagen."

Aber getan wurde nichts, sagte Thome im SR3-Interview. "Da sitzen Leute im Verband, die sitzen am Wochenende beim 1. FC Saarbrücken oder bei der SV Elversberg auf den Haupttribünen und schlagen sich die Mägen voll, während die Schiedsrichter in den A-Klassen geschlagen werden. Das kümmert die einen Scheißdreck", sagte Thome.

Vorerst kein Schiri-Streik

SFV-Präsident Adrian Zöhler bemühte sich im SR-Interview, die Wogen zu glätten: Der Vorfall von Weiskirchen sei "in dieser Form kein Einzelfall" gewesen, gab Zöhler zu. Das Problem der Gewaltattacken gegen Unparteiische sei in den unteren Ligen sogar in ganz Deutschland zu beobachten. Trotzdem werde der Spielbetrieb am kommenden Wochenende aufrecht erhalten werden.

Am Montag, 2. September, sollen bei einem Treffen der "Schiedsrichterbehörde" und ihrer Gremien über Lösungen gesprochen werden, versprach Zöhler. Er selbst wolle sich für bessere Schulungsmaßnahmen zur Früherkennung und zum Auftreten der Unparteiischen auf dem Platz einsetzen.

Der Verband verfüge aber nicht über genügend Personal, um jedem Schiedsrichter in den unteren Ligen eine Begleitperson zum Schutz an die Seite zu stellen. "Brauchen wir allerdings auch nicht", sagte Zöhler, "denn hier sind auch unsere Vereine gefordert". Die gastgebenden Vereine seien aufgrund der regulären Durchführungsbestimmungen der Spielordnung, Paragraf 46, ohnehin für die Sicherheit der Referees verantwortlich, betonte Zöhler.

Hintergrund:

Ein Thema der Sendung "Bilanz am Mittag" auf SR 2 und der "Region am Mittag" auf SR 3 vom 30.08.2019.

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