Ein Erwachsener vergleicht den Fußbabdruck eines Sauriers mit der Größe seiner Hand. (Foto: dpa)

Auf den Spuren von Sauriern im Saarland

Daniel Dresen   12.10.2020 | 08:09 Uhr

In der Pfalz haben Wanderer zufällig den Hunderte Millionen Jahre alten Fußabdruck eines Sauriers entdeckt. Auch im Saarland können Fans der Urzeittiere mit sehr viel Glück in der freien Natur auf Fossilien stoßen. Ausgrabungen sind jedoch ohne Genehmigung verboten.

In einem Wald bei Eschbach stießen Wanderer vor wenigen Monaten auf den Fußabdruck eines Pareiasauriers. Die bis zu 600 Kilogramm schweren und bis zu drei Meter langen Saurier tapsten vor etwa 270 bis 252 Millionen Jahren behäbig durch die heutige Pfalz.

So soll der Pareiasaurier ausgesehen haben. (Foto: Frederik Spindler, Dinosaurier Museum Altmühltal)
So soll der Pareiasaurier ausgesehen haben.

Der Zufallsfund im Landkreis Südliche Weinstraße, keine 100 Kilometer von der saarländischen Landesgrenze entfernt, ist deutschlandweit etwas Besonderes. Denn bislang seien nur in Italien, Russland und Marokko Pareiasaurier-Fährten gefunden worden, so Sebastian Voigt, Leiter des Urweltmuseums Geoskop/Burg Lichtenberg im Kreis Kusel. Voigt hat den rund 22 Zentimeter großen Fußabdruck untersucht.

Keine T-Rex-Spuren im Saarland

Doch wie wahrscheinlich ist es im Saarland, auf Saurier-Fossilien zu stoßen? Überbleibsel von Ursauriern, zu denen auch der Pareiasaurier zählt, können Saarländer in den Gesteinen von Steinkohlenzeit (Karbon) und Rotliegend-Zeit (Perm) finden, verrät Voigt.

Zudem können die Schichten des Erdmittelalters wie Buntsandstein und Muschelkalk im Saarland Fossilien sogenannter früher Dinosaurier enthalten. Spuren von film- und literaturbekannten Dinos wie dem Tyrannosaurus Rex oder dem Stegosaurus suchen Laien jedoch im Saarland vergeblich: Die Schichten des Kreide- und des Jurazeitalters sind hier wegen Erosion nicht mehr vorhanden.

Meeressaurier bei Saarbrücken

In der geowissenschaftlichen Sammlung des Saarlandes sind jedoch mehrere Knochenfunde verschiedener Saurier aus dem Trias vertreten. Wirbel und Rippen der Meeressaurier, Pistosaurus und Nothosaurus, wurden im Raum Saarbrücken/Fechingen gefunden. "Ähnliche Funde gibt es auch aus einem alten Steinbruch in der Nähe von Oberfelsberg bei Saarlouis", sagt Experte Edgar Müller vom Zentrum für Biodokumentation in Landsweiler-Reden.

Das Trittsiegel des Pareiasauriers im Größenvergleich zu einer Hand einer Dreijährigen. (Foto: Urweltmuseum GEOSKOP / Burg Lichtenberg (Pfalz))
Das Trittsiegel des Pareiasauriers im Größenvergleich zu einer Hand einer Dreijährigen.

Zudem sind Spuren von Ursauriern aus dem Karbon sowie von kleinen Reptilien aus dem Buntsandstein in Britten entdeckt worden. Auch an der Decke der Schlossberghöhlen in Homburg sollen im Buntsandstein versteinerte Fährten eines vermeintlichen Mini-Sauriers verewigt sein.

Bodenschätze gehören den Ländern

Entdeckungslustige erkennen Saurierspuren in der Natur am besten bei ganz flach einfallendem Licht, sagt Sebastian Voigt. "Erst dann tritt das sehr geringe Relief der Trittsiegel deutlich in Erscheinung", so der Museumsleiter. Neben Trittsiegeln, den Abdrücken von Händen und Füßen, sowie Fährten, also ganzen Schrittfolgen, können Saurier-Fans auch Knochen und Zähne finden, die an Form und Glanz meist schnell erkennbar sind.

Die Bodendenkmalschutzgesetze der Bundesländer untersagen jedoch das Ausgraben von Fossilien ohne Genehmigung. Fossilien von wissenschaftlicher Bedeutung werden mit Entdeckung automatisch Eigentum der Länder. "Trotz dieser Gesetze darf man mit offenen Augen durch die Landschaft gehen, sollte sich jedoch bewusst sein, dass jeder Fund von großer Bedeutung sein kann und der Wissenschaft und Allgemeinheit zugänglich gemacht werden sollte", so Voigt.

Funde in Luxemburg und Lothringen

Die dem Saarland nächstgelegenen Fundgebiete mit Saurierknochen befinden sich in der Eifel, in Luxemburg und in Lothringen. In Oberbettingen nördlich von Gerolstein wurde Anfang des 20. Jahrhunderts der "Eifelosaurus triadicus" entdeckt. Der Eifelosaurus war ein bis zu ein Meter langer Pflanzenfresser, der in der mittleren Buntsandsteinzeit vor circa 235 Millionen Jahren lebte.

Im Mai 2018 stießen in Rümelingen im Süden Luxemburgs zwei Amateur-Paläontologen auf den Knochen eines Scelidosaurus. Der Pflanzenfresser existierte vor 200 Millionen Jahren im mittleren Jura, war 270 Kilogramm schwer und wurde bis zu vier Meter lang.

Bei Nancy gibt es außerdem Fundstellen des Plateosaurus, der im Obertrias vor 216 bis 199 Millionen Jahren weite Teile der Erde bevölkerte. Die pflanzenfressende Dinosauriergattung konnte bis zu vier Tonnen wiegen und bis zu zehn Meter lang werden.

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