Bioinformatik-Professor Andreas Keller und Zoodirektor Richard Francke (Foto: Oliver Dietze / Saar Uni)

Mit Zootieren gegen Krebs und Alzheimer

  21.07.2019 | 08:50 Uhr

Bei der Früherkennung von Krankheiten werden Computer immer wichtiger. Doch Maschinen allein reichen nicht: Wissenschaftler der Saar-Uni setzen zusätzlich auf das Blut von Zootieren.

Moderne Technik zur Früherkennung von Krankheiten: Spätestens seit der Entschlüsselung des menschlichen Genoms ist das eine verbreitete Hoffnung. Humangenetiker und Bioinformatiker setzen dabei auf Computerprogramme, die durch das Aufspüren bestimmter Muster, sogenannter Biomarker, frühzeitig Hinweise auf Tumore oder Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson geben sollen.

Lernprogramm für KI

Dabei werden allerdings riesige Informationsmengen erzeugt – pro Patient bis zu 20 Millionen Datenpunkte. Das kann selbst Computer überfordern. „Der Künstlichen Intelligenz fällt es schwer zu lernen, welche Biomarker-Muster echt sind und welche nur scheinbar auf das jeweilige Krankheitsbild passen“, erklärt Andreas Keller, Bioinformatik-Professor an der Universität des Saarlandes.

Um ihr diese Unterscheidung beizubringen, ist Keller mit dem Humangenetiker Eckart Meese neue Wege gegangen: Die Forscher haben sich mit dem Saarbrücker und dem Neunkircher Zoo in Verbindung gesetzt, um statt menschliches Blut das von Zootieren zu analysieren. Denn aus dem Blut von Nasenbären, Nilflughunden, Zwergseidenäffchen und Humboldt-Pinguinen lassen sich wertvolle Informationen auch über menschliche Krankheiten gewinnen, so die Hypothese der Wissenschaftler.

„Wenn ein Biomarker evolutionär konserviert ist, also auch in anderen Spezies in ähnlicher Form und Funktion vorkommt, ist es sehr viel wahrscheinlicher, dass es sich um einen belastbaren Biomarker handelt“, erläutert Keller. Aus diesem Grund haben die Forscher Reste von Blutproben analysiert, die den Tieren sowieso entnommen wurden.

Computermodell soll präziser werden

Insgesamt haben die Wissenschaftler 21 Proben von 19 Tierarten analysiert. „Die neuen Erkenntnisse fließen jetzt in unsere Computermodelle ein und werden uns helfen, künftig noch präziser die richtigen Biomarker zu identifizieren“, erklärt Keller. Ihre Ergebnisse haben die Saarbrücker Forscher im Fachjournal „Nucleic Acids Research“ veröffentlicht.

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