SAARTHEMA EXTRA zum Coronavirus (Foto: SR)

Experten beantworten Ihre Fragen zu Corona

  13.03.2020 | 10:20 Uhr

Betriebe, Familien, Arztpraxen: Die Covid-19-Pandemie betrifft mittlerweile alle Bereiche. In der Sondersendung "Saarthema extra – Corona in SaarLorLux" haben SR-Nutzer Fragen gestellt. Experten haben sie beantwortet.

Wie lange sind Corona-Patienten ansteckend? Was müssen die Familienmitglieder beachten, wenn Mutter, Vater oder Kinder in Quarantäne kommen? Was wird aus der nächsten Urlaubsreise? Zahlreiche Fragen haben den SR erreicht. In der Sondersendung "Saarthema extra – Corona in SaarLorLux" haben Experten eine Auswahl Ihrer Fragen beantwortet. Hier gibt es die Sendung noch einmal zum Anschauen und Fragen und Antworten zum Nachlesen.


SAARTHEMA extra - Corona in SaarLorLux
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 12.03.2020, Länge: 44:25 Min.]
SAARTHEMA extra - Corona in SaarLorLux




Wie wird das Virus übertragen?

Dr. Jürgen Rissland, Virologe Uniklinikum Homburg:

Das Virus wird über Tröpfcheninfektion übertragen. Damit kann sich der Erreger sehr schnell von einer Person auf eine andere übertragen.


Ist das Virus ansteckend, bevor Symptome da sind?

Dr. Thomas Lamberty, Gesundheitsministerium:

Es besteht die Möglichkeit andere anzustecken, bevor man selbst Symptome verspürt. Am höchsten ist die Ansteckungsgefahr aber, wenn Symptome da sind, weil sich das Virus dann bereits im Körper vermehrt hat.


Im Falle einer Infektion: Wie lange dauert es, bis man nicht mehr ansteckend ist?

Dr. Thomas Lamberty, Gesundheitsministerium:

Die Krankheit dauert etwa zwei bis drei Wochen. Wenn dann keine Symptome mehr da sind, ist auch die Infektionsgefahr vorbei.


Warum wird man trotz Fieber nur getestet, wenn man im Risikogebiet war oder Kontakt mit einem Infizierten hatte?

Gunter Hauptmann, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung im Saarland:

Wir testen im Saarland immer noch ausschließlich mit dem Ziel, um Patienten herauszufinden, die dann isoliert werden können. Wir machen keine Massentestungen, wir können uns das auch gar nicht leisten, alle Saarländer zu testen. Und es wäre auch unverhältnismäßig. Es müssen schon feste Kriterien dabei sein, damit es Sinn macht, jemanden zu testen. Hinzu kommt, dass wir im Saarland die Fälle, die wir kennen, noch alle auf die Risikokonstellation zurückführen können. Das heißt wir wissen, wo sich die Leute infiziert haben.


Wie gefährlich ist das Virus für Schwangere? Welche Vorsichtsmaßnahmen könnte und sollte eine schwangere Frau treffen?

Dr. Jürgen Rissland, Virologe Uniklinikum Homburg:

Nach derzeitigem Stand besteht bei Schwangeren keine besondere Gefahr für einen schweren Krankheitsverlauf. Nach bisherigen Kenntnissen der Wissenschaft überträgt sich das Virus auch nicht auf das ungeborene Leben, deshalb können Schwangere ihr normales Leben weiterführen. Wenn die Entbindung ansteht, sollte darauf geachtet werden, dass die Klinik die üblichen Schutzmaßnahmen einhält.


Wie sollte man sich verhalten, wenn eine geplante Operation im Krankenhaus bevorsteht?

Laut einem Beschluss von Bundesregierung und Länderregierungen vom späten Donnerstagabend sollen Krankenhäuser alle planbaren Operationen, Aufnahmen und Eingriffe verschieben. Dies soll, soweit medizinisch vertretbar, ab Montag für unbestimmte Zeit gelten. Ziel ist es, die Kliniken für mögliche Coronapatienten freizuhalten.


Ist die Lebensmittelversorgung gesichert, wenn noch mehr Leute in Quarantäne kommen?

Dr. Thomas Lamberty, Gesundheitsministerium:

Natürlich kann auch Personal aus dem Lebensmittelbereich erkranken. Aber auch in dieser Branche haben die Unternehmen schon seit Langem Vorkehrungen getroffen und Pandemiepläne und Krisenpläne geschrieben.


Gibt es Aussichten, dass es bald ein Medikament gibt, das gegen Covid-19 hilft?

Dr. Jürgen Rissland, Virologe Uniklinikum Homburg:

Es gibt derzeit Medikamente, die Teil klinischer Forschung sind. Diese sind aber noch nicht zugelassen und deshalb nicht frei verfügbar.



Wie wird die Pflege in Altersheimen, Pflegeheimen oder Behinderteneinrichtungen gesichert?

Dr. Thomas Lamberty, Gesundheitsministerium:

Die Landesregierung hat sehr früh mit den Pflegeheimen Kontakt aufgenommen und daran erinnert, die Pläne aus der Influenza-Pandemie des Jahres 2009 zu überarbeiten und auf die Corona-Situation einzustellen. Derzeit setzt man alles daran, das Virus aus dem Pflegebereich raus zu halten. Wenn es aber zu einer Situation kommen sollte, in der das Pflegepersonal selbst von der Erkrankung betroffen wäre, dann müsste man über andere Wege Personal freisetzen, etwa bei Hilfsorganisationen, das dann in den Pflegeheimen tätig werden könnte.


Sollten die Grenzen nach Frankreich geschlossen werden?

Dr. Thomas Lamberty, Gesundheitsministerium:

Es muss sich immer die Frage der Verhältnismäßigkeit von einzelnen Maßnahmen stellen. Im angrenzenden Frankreich leben viele Beschäftigte, die hierzulande im Gesundheitsbereich arbeiten. Diese würden im Falle einer Grenzschließung dem hiesigen Gesundheitssystem entzogen. Man muss wohlüberlegt hinschauen und Maßnahmen abwägen.



Wenn ein Schulkind wegen Schließung der Einrichtung in Quarantäne kommt, was passiert mit den Geschwisterkindern und den berufstätigen Eltern?

Oliver Suhr, Bildungsministerium:

Angehörige haben die Empfehlung des Ministeriums, auf freiwilliger Basis zuhause zu bleiben. Das sind die Vorgaben der Gesundheitsbehörden. Natürlich gibt es immer die Möglichkeit einer Ketteninfektion. Aber es gibt keinen Grund zur Panik. Es geht ja nicht um Kontakt mit Infizierten, sondern mit Menschen, die möglicherweise Kontakt mit Infizierten hatten.


Wann werden Schulen und Kitas geschlossen?

Ab Montag werden im Saarland alle Schulen und Kindertagesstätten geschlossen sein. Diese Regelung gelte bis nach den regulären Osterferien, teilte die Landesregierung mit. Eine Notversorgung der Betreuung für Familien werde sichergestellt. Weitere Details sollen am Freitagmittag bekanntgegeben werden.


Frankreich schließt ab Montag alle Schulen. Gibt es solche Überlegungen auch im Saarland?

Oliver Suhr, Bildungsministerium:

Das Bildungsministerium diskutiert diese Möglichkeiten. Solche Maßnahmen sind nicht auszuschließen. Aber wir würden die Schulen gerne solange wie möglich offen halten.

Dr. Jürgen Rissland, Virologe Uniklinikum Homburg:

Man muss wissen, dass Frankreich einen Schritt weiter ist. Die haben mehr Fälle und Infektionsketten, wo nicht mehr klar ist, wer hat sich wo angesteckt. Daher hat das Robert-Koch-Institut die Region Grand Est auch als Risikogebiet eingestuft. Bei uns im Saarland haben wir Einzelfälle, wo wir genau recherchieren können, wer hat sich wo angesteckt. Daher können wir aus meiner Sicht derzeit von solch drastischen Maßnahmen absehen. Wenn sich etwas an der Situation ändert, muss man das natürlich neu bewerten.


Bekomme ich eine Strafe, wenn ich mein Kind nicht in die Schule schicke, aus Angst vor Ansteckung?

Oliver Suhr, Bildungsministerium:

Nein, man bekommt keine Strafe. Es wäre aber gut, wenn man besorgt ist, dann erstmal mit der Schule Kontakt aufzunehmen und alles abzuklären. Für Fragen zum Corona-Virus bietet das Land ja auch eine Hotline an. (0681-501-4422, Anm. der Red.)


Sollte man Aktivitäten der Kinder einschränken? Zum Beispiel was Geburtstage, Training im Sportverein oder Jugendtreffs angeht?

Gunter Hauptmann, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung im Saarland:

Ich würde empfehlen, die Aktivitäten einzuschränken. Man weiß ja nicht, welchen Umgang die Kinder miteinander haben. Wenn mehrere Kinder zusammen sind, sollte man ihnen auf jeden Fall sagen, dass sie etwas Abstand voneinander halten sollen und sich regelmäßig die Hände waschen sollen.



Wie sieht es aus mit Lohnfortzahlung, wenn ich in Quarantäne muss?

Caroline Gebhardt, Rechtsanwältin:

Der Arbeitgeber muss Lohn zahlen. Er kann dann später eine Erstattung verlangen, das ist im Infektionsschutzgesetz so geregelt. Falls der Arbeitgeber nicht zahlt, kann man selbst die Erstattung beantragen, bei der zuständigen Behörde. Im Saarland ist das Ministerium für Soziales zuständig.


Ich wohne in Frankreich, arbeite aber in Deutschland. Wie soll ich mich verhalten?

Caroline Gebhardt, Rechtsanwältin:

Aus rechtlicher Sicht gibt es da keine Regeln. Ich würde raten, den Arbeitgeber anzusprechen. Der muss entscheiden: Möchte ich die Arbeitsleistung in Anspruch nehmen, oder ist mir das Infektionsrisiko zu hoch? Das sollte man im Gespräch klären.


Wie können sich Leute schützen, etwa Verkäuferinnen, die bei der Arbeit viel Kontakt zu anderen Leuten haben?

Dr. Thomas Lamberty, Gesundheitsministerium:

Ich denke, als Arbeitnehmerin kann man sich schon ein Stück weit schützen, indem man möglichst Abstand hält. Aber eigentlich liegt der Schutzgedanke auf der anderen Seite, man ist auf verantwortungsvolle Kundschaft angewiesen. Die muss die Hygiene-Regeln einhalten und damit so weit wie möglich verhindern, dass man sich untereinander anstecken kann.



Wir haben in Frankreich Urlaub gebucht und mit Anzahlung reserviert. Wenn wir nicht fahren können, bekommen wir unser Geld zurück?

Caroline Gebhardt, Rechtsanwältin:

Wurde die Urlaubsreise als Pauschalreise gebucht – also beispielsweise im Paket die Anreise und die Übernachtungen – können Betroffene Geld zurückbekommen, sofern das Auswärtigen Amt eine Reisewarnung ausgesprochen hat. Hat man beispielsweise ein Hotel separat gebucht, dann kommt es auf die individuellen Stornobedingungen des Hotels an.  


Bekommt man bei der Bahn für Fahrkarten, die normalerweise nicht stornierbar sind, Geld zurück?

Caroline Gebhard, Rechtsanwältin:

Wenn man der Bahn nachweist, dass man wegen Corona nicht fahren kann, dann ist die Bahn im Moment bereit, Tickets im Fernverkehr kostenfrei zu stornieren. Das gilt zum Beispiel wenn eine Veranstaltung wie etwa ein Konzert storniert wurde, oder man in ein Risikogebiet reisen wollte.


Ich habe in Lothringen ein Häuschen an einem See. Darf ich als gesunder Senior im Alter von 74 Jahren meine Freizeit dort verbringen?

Dr. Thomas Lamberty, Gesundheitsministerium:

Da trifft die Bewertung des Robert Koch Instituts: Die Region ist als Risikogebiet eingestuft. Das bedeutet, wenn er dort Urlaub macht, und danach ins Saarland fährt, kommt er aus einem Risikogebiet. Dann gilt: Er sollte 14 Tage zuhause bleiben und soziale Kontakte meiden, ob er Symptome hat oder nicht. Mit diesen Einschränkungen muss er dann rechnen. Ansonsten ist es schwer zu beurteilen, ob er in Lothringen ein hohes Risiko hat, sich anzustecken. Aber mit 74 Jahren gehört er ja zur älteren Generation, die auch ein erhöhtes Risiko bei einer Erkrankung hat. Ich würde schon dazu raten, generell in der nächsten Zeit zurückhaltend zu sein.


Den SR haben noch weit mehr Fragen erreicht, als in der Sendung beantwortet werden konnten. Diese Fragen sind aber nicht verloren. Wir werden uns weiter darum kümmern und versuchen, so viele wie möglich in unserem Programm für Sie zu beantworten.

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Saarthema extra" vom 12.03.2020 berichtet.

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