Geldscheine mit einem Haus, das durch das Unwetter beschädigt wurde. (Foto: SR/dpa)

Saarland stellt Unwetterhilfe auf den Prüfstand

Sandra Schick   15.07.2019 | 12:01 Uhr

Künftig könnten deutlich weniger Hausbesitzer im Saarland finanzielle Unterstützung nach Naturkatastrophen erhalten. Denn das Land überarbeitet derzeit seine Richtlinie für die Unwetterhilfen. Immobilienbesitzer sollen stärker in die Eigenverantwortung genommen werden. Wer keine Versicherung gegen Elementarschäden hat, könnte künftig auf Schäden sitzen bleiben.

Nach den verheerenden Unwettern im vergangenen Jahr hatten Land, Landkreise und Kommunen über eine Million Euro an Soforthilfen geleistet. Viel Geld für die klammen Kassen im Land. Und diese Kosten könnten in Zukunft weiter steigen, wenn extreme Wetterereignisse zunehmen.

Video [aktueller bericht, 15.07.2019, Länge: ab Min. 17:20]
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Das befürchtet man auch im Saarland: Nach Angaben der Landesregierung sind Unwetterschäden ein wachsendes Problem. Deshalb müssten alle Betroffenen Vorsorgemaßnahmen treffen. Derzeit wird die Richtlinie zu den Unwetterhilfen überarbeitet. Ein Regierungssprecher teilte auf Anfrage mit, künftig sollten Immobilienbesitzer stärker in die Eigenverantwortung genommen werden.

Nur knapp ein Drittel hat Elementarschadensversicherung

Unwetterhilfe auf dem Prüfstand
Audio [SR 3, Simin Sadeghi, 15.07.2019, Länge: 01:00 Min.]
Unwetterhilfe auf dem Prüfstand

Die öffentliche Hand könne "nur wirklich existenzgefährdende Schäden, die von den Betroffenen nicht mehr aus eigener Kraft zu bewältigen sind", durch staatliche Finanzhilfen "teilweise ausgleichen". Voraussetzung dafür sei aber, dass alle möglichen Vorsorgemaßnahmen ergriffen worden seien.

Zu diesen Vorsorgemaßnahmen zählt vor allem die Elementarschadensversicherung. Aktuell haben im Saarland nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nur 32 Prozent der Hauseigentümer eine solche Versicherung abgeschlossen. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 43 Prozent, allerdings gibt es starke regionale Unterschiede.

Ministerpräsidentenkonferenz beschließt Wegfall der Hilfen

Bereits vor zwei Jahren hatte sich die Ministerpräsidentenkonferenz der Länder darauf verständigt, staatliche Hilfen für Betroffene von Naturkatastrophen deutlich einzuschränken. Finanzielle Hilfe sollten nur noch an Menschen ausgezahlt werden, die sich erfolglos um eine Versicherung bemüht haben oder denen ein Versicherungsangebot nur zu wirtschaftlich unzumutbaren Bedingungen angeboten wurde.

Rheinland-Pfalz und Bayern haben Finanzhilfen abgeschafft

In der Folge haben mehrere andere Bundesländer bereits ihre Regelungen überarbeitet. In Rheinland-Pfalz wurden vor kurzem die Unwetter-Finanzhilfen abgeschafft. Dieser Zuschuss hatte bislang - je nach Schadenshöhe - bis zu 25.000 Euro betragen. Die einzigen Hilfen, die es jetzt noch gibt, sind die sogenannten Soforthilfen. Sie betragen maximal 2500 Euro.

Auch in Bayern wurde die Unwetterhilfe abgeschafft. Seit dem 1. Juli zahlt die Staatsregierung keine Hilfen mehr. Es soll aber eine Härtefallregelung geben, deren genaue Ausgestaltung jedoch noch unklar ist.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 15.07.2019 berichtet.

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