Schnapsgläser auf einem Tablett (Foto: SR)

Jury prämiert Obstbrände

Lisa Betzholz / Onlinefassung: Axel Wagner   04.04.2019 | 20:08 Uhr

Der Obst- und Gartenbauverein und die Landwirtschaftskammer haben am Donnerstag die Obstbrände für das Jahr 2019 prämiert. Eine zehnköpfige Jury hat aus rund 160 Sorten die besten Brände ausgesucht.

Im Gemeindehaus Diefflen gab es Schnaps in Hülle und Fülle, rund 160 Sorten von 32 Brennereien. Die Schnäpse – oder Brände, wie es im Fachjargon heißt – werden blind verkostet. In kleinen Gläsern kommen sie bei den Juroren an. Und dann sind die Sinne gefragt: Riecht man die Frucht? Schmeckt man sie auch raus? Und wie fühlt sich der Schnaps im Mund an? Danach wird bewertet.

Video [aktueller bericht, 04.04.2019, Länge: 2:57 Min.]
22. Saarländische Obstbrandprämierung

Wer hier sitzt hat Ahnung, ist Chemiker, Sommelier oder brennt selbst – so wie Franz Penth. Er weiß worauf es ankommt. „Ein guter Schnaps riecht erstmal schön rein, sauber nach der Frucht aus der er destilliert wurde. Dann ist er im Mund sehr weich, und anschließend bleibt er nicht im Hals hängen und kratzt auch nicht.“

Nur probieren

Pro Tisch gibt es 58 Schnapssorten. Ganz wichtig: Nach dem probieren wird ausgespuckt – zumindest bei der Prämierung, sonst würde die Jury nicht lange durchhalten. In drei Kategorien werden Punkte vergeben – je höher die Punktzahl, desto besser.

Direkt zu Anfang schneidet ein sortenreiner Apfelbrand schon gut ab. „Das Produkt hat keinen Fehler, weder Nachlauf noch Vorlauf noch sonst irgendwas“, so Harry Lavall, Fachberater für Obst- und Gartenbau. „Das ist ein richtiges Spitzenprodukt, und es bekommt bei uns mit Sicherheit eine Goldmedaille.“ Das bedeutet, der Brand riecht vor dem Trinken nicht stechend und schmeckt auch im Abgang nicht ölig oder dumpf.

Prämierung als Leistungsvergleich

Bei der Probe werden zuerst die milderen Sorten probiert, wie Apfel, Birne, Kirsche oder Mirabelle. Erst zum Ende kommen die geschmacksintensiveren und auch ausgefallenen Sorten, wie Papaya oder Kiwi. Die regelmäßige Prämierung der Brände ist wichtig, damit auch die Qualität gesichert ist, denn ein guter Obstbrand soll vor allem schmecken. „Eine Prämierung ist ein Leistungsvergleich, damit die Brenner einfach auch wissen, wo sie mit ihren Produkten stehen, was sie besser machen können und wo die Fehler liegen“, sagt Monika Lambert-Debong. „Oder sie werden bestätigt, dass sie natürlich Top-Produkte machen.“

Was hier an Gütesiegeln vergeben wird, ist nicht nur eine Orientierung für den Verbraucher, sondern auch für die Brennereien ein willkommenes Feedback. „Wenn man da nicht mitmacht, wird man betriebsblind,“ so Franz Penth. „Da schätzt man seine eigenen Produkte falsch ein.“

Insgesamt gab es für 48 Obstbrände Gold, für 52 Silber und für 32 Bronze.

Über dieses Thema hat auch der „aktuelle bericht“ im SR Fernsehen vom 04.04.2019 berichtet.

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