Ein Kind geht alleine auf einer Straße (Foto: IMAGO / Xinhua)

Wenn Kinder von Fremden angesprochen werden

Thomas Braun   01.10.2021 | 09:11 Uhr

Im Saarland hat es dieses Jahr vermehrt Meldungen über fremde Personen gegeben, die Kinder angesprochen hätten. Die Polizei sieht aber nicht mehr Vorfälle, sondern ein geändertes Anzeigeverhalten. Sie gibt Tipps, wie Kinder sich richtig verhalten und für solche Situationen gestärkt werden können.



In Neunkirchen sollen am Mittwoch zwei Männer versucht haben, ein zehnjähriges Mädchen in ihr Auto zu zerren. Ende August hatte eine Frau in Dudweiler offenbar versucht, ein Kind mit der Aussicht auf Süßigkeiten in ihr Fahrzeug zu locken. In Nalbach hatten sechs Wochen zuvor zwei Männer in einem weißen Lieferwagen einen Jungen aufgefordert, in ihr Fahrzeug zu steigen. Ähnliche Fälle wurden der Polizei im Frühjahr unter anderem auch aus Gersheim, Burbach, Kirkel und Mettlach gemeldet.

Dass sich derartige Fälle zuletzt häuften, kann die Polizei im Saarland allerdings nicht feststellen. Sie geht vielmehr davon aus, dass es nach Medienberichten über einzelne Fälle, die dann vor allem in sozialen Netzwerken viel geteilt werden, eine gesteigerte Sensibilisierung in der Bevölkerung gibt. So sei zu beobachten, dass nach solchen Presseberichten vermehrt weitere Verdachtsmeldungen bei der Polizei eingingen.

Seit 2020 acht "Kinderansprecher" identifiziert

In mehr als der Hälfte der untersuchten Vorfälle habe sich der Verdacht nicht bestätigt, teilte die Polizei auf SR-Anfrage mit. Und selbst bei einem Teil der bestätigten Fälle gebe es zwar eine "Verdachtslage", der genaue Nachweis fehle dann aber doch.

"In den Jahren 2020 und 2021 konnten insgesamt acht Personen identifiziert werden, die Kinder angesprochen hatten. Dabei konnte in einem Fall ein strafrechtlich relevanter Sachverhalt belegt werden", teilte die Polizei weiter mit.

Letzter bekannter derartiger Fall 1993

In keinem der in der jüngeren Vergangenheit gemeldeten Fälle sind Kinder tatsächlich mit Fremden mitgegangen. Auch in den vergangenen Jahren ist das im Saarland nach Kenntnis der Polizei nicht vorgekommen.

Der letzte bekannte Fall liegt 28 Jahre zurück. Damals hatte ein männlicher Tatverdächtiger eine 13-Jährige in einen gestohlenen Linienbus gelockt und sie anschließend missbraucht.


Wie Kinder gestärkt und geschützt werden können

Um Kinder zu stärken und vor solchen Situationen zu bewahren, gibt die Polizei diese Tipps:

  • Eltern sollten mit ihrem Kind einen Weg, den es künftig alleine geht - etwa den Schulweg - zuvor abgehen. Dabei können dem Kind auch Orte oder Geschäfte gezeigt werden, zu denen das Kind im Notfall hingehen und sich Hilfe holen kann.
  • Mit den Kindern sollten klare Absprachen getroffen werden, mit welchen Personen es im Auto mitfahren darf, oder wer es von der Schule oder der Kita abholen darf. Außerdem sollte klar gemacht werden, dass es niemals mit Fremden mitgehen darf.
  • Kinder sollten die Telefonnummer auswendig lernen, unter der die Eltern oder andere Vertrauenspersonen erreichbar sind.
  • Gegenstände oder Kleidungsstücke der Kinder sollten immer nur innen beschriftet werden. So gelangen Fremde schwerer an den Namen des Kindes.
  • Kinder müssen nicht mit Erwachsenen sprechen. Sie könnten die Person immer auch bitten, sich an andere Erwachsene zu wenden.
  • Wenn Kinder auf der Straße angesprochen oder in Bedrängnis gebracht werden, sollen sie andere Personen im Umfeld darauf aufmerksam machen. Im Notfall laut schreien und weglaufen.
  • Kinder sollen erzählen, wenn sie von Fremden angesprochen wurden. Eltern sollten dabei offene Fragen zu den Vorfällen stellen, aber keine Details vorgeben.
  • Bei verdächtigen Wahrnehmungen sollte immer die Polizei informiert werden - möglichst mit einer Personenbeschreibung und Angaben zu etwaigen Fahrzeugen (Kennzeichen, Typ, Farbe).

"Ein Geheimnis, bei dem Du Angst hast, ist kein Geheimnis."

Wichtig sei auch, dass Selbstvertrauen der Kinder zu stärken und zu fördern. Kinder müssten lernen, Erwachsenen gegenüber auch Nein sagen zu dürfen. Zudem sollte das Vertrauensverhältnis zu den Kindern aufrecht erhalten werden. "Ihr Kind muss das Gefühl haben, ihnen alles anvertrauen zu können", so die Polizei. Dazu gehöre auch, Kindern im Alltag mit Respekt zu begegnen.

Den Kindern sollte außerdem vermittelt werden: "Trau deinem Gefühl. Ein Geheimnis, das dir komisch vorkommt oder bei dem du Angst hast, ist kein Geheimnis. Sowas darfst und sollst du weitersagen."

Und nicht zuletzt sollten Kinder wissen: "Dein Körper gehört dir. Niemand darf dich anfassen, wenn du das nicht willst."

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