Hinweise auf Corona-Regeln an einen Geschäft (Foto: picture alliance/Sven Hoppe/dpa)

Saarland mit stärkstem Corona-Wachstum

  19.11.2021 | 18:56 Uhr

Das Saarland hatte in der vergangenen Woche die bundesweit höchste Wachstumsrate bei neuen Coronafällen. Der Corona-Experte Professor Lehr geht davon aus, dass die 2G-Regelung angesichts der rasanten Entwicklung nicht ausreicht.

Die Corona-Fallzahlen steigen aktuell in ganz Deutschland rasant an. Das stärkste Wachstum verzeichnete in der vergangenen Woche das Saarland. Hier stiegen die Fallzahlen um 71 Prozent auf 1863 neue Fälle, wie aus dem jüngsten Wochenbericht des Robert-Koch-Institutes hervorgeht. Damit lag das Saarland deutlich über dem Bundesschnitt von 50 Prozent.

Video [aktueller bericht, 19.11.2021, Länge: 2:50 Min.]
Reaktionen auf die neue Corona-Verordnung

Höchster R-Wert im Bundesvergleich

Lehr: Neben 2G auch massive Kontaktbeschränkungen notwendig
Audio [SR 1, (c) Peter Sauer, Prof. Thorsten Lehr, 19.11.2021, Länge: 03:48 Min.]
Lehr: Neben 2G auch massive Kontaktbeschränkungen notwendig

"Wir haben den höchsten R-Wert im bundesdeutschen Vergleich", sagte Corona-Experte Thorsten Lehr, Professor für Klinische Pharmazie an der Uni des Saarlandes. Der R-Wert im Saarland liege aktuell bei 1,4, bundesweit bei 1,2. "Das heißt: Hier wachsen wir gerade überproportional schnell und sind auf bestem Weg, uns vom Mittelfeld an die Spitze zu katapultieren", so Lehr.

Derzeit liegt das Saarland mit einer Inzidenz von 286 (Stand: 19.11.2021) noch im bundesweiten Mittelfeld. Die höchste Inzidenz hat Bayern mit 625, die niedrigste Schleswig-Holstein mit 123.

Beispiel Österreich: Von 2G in den Lockdown

Lehr geht davon aus, dass die 2G-Regelungen, die ab Samstag im Saarland gelten, nicht ausreichen werden, um die Entwicklung wieder einzufangen. "Es wird das Infektionsgeschehen nicht einbremsen. Das haben wir in Österreich gesehen. Das sehen wir letztendlich in Sachsen", sagte Lehr.

Österreich hatte am 8. November eine 2G-Regelung eingeführt, dennoch stieg die Inzidenz weiter von 662 auf aktuell 1050. Österreich verschärft nun die Maßnahmen weiter und verhängt ab Montag einen landesweiten Lockdown.

Kontakte um mindestens 30 Prozent reduzieren

Lehr geht davon aus, dass wir auch im Saarland nicht um härtere Maßnahmen herumkommen. "Wir brauchen massive Kontaktbeschränkungen im Privatbereich und im öffentlichen Bereich. Damit das Infektionsgeschehen wieder abbremst, müssen wir mindestens 30 Prozent, eher 50 Prozent unserer Kontakte reduzieren", sagte Lehr. Letztendlich sei das so etwas ähnliches wie ein Lockdown - den man aber sicherlich anders definieren und durchführen müsse, als in der Vergangenheit.

Großveranstaltungen absagen

Es sei wichtig, dass Großveranstaltungen abgesagt werden - selbst wenn sie draußen stattfinden. "Es sendet zum einen das völlig falsche Signal, dass über Triage diskutiert wird, und wir uns am Glühweinstand vergnügen. Auf der anderen Seite muss man ja sagen: Großveranstaltung im Freien bedeutet ja nicht, dass es kein Risiko gibt." So habe es zum Beispiel beim Fußballspiel des FCS gegen den FCK Infektionen gegeben.

Und gerade bei Weihnachtsmärkten spiele vielleicht gar nicht die Aerosolübertragung die große Rolle, sondern eher die Tröpfcheninfektion, die bei lautem Sprechen im womöglich alkoholisierten Zustand vorkommen kann. "Ich bin froh, wenn das abgesagt wird. Wir werden andere Sorgen haben als den Weihnachtsmarkt", sagte Lehr.

Warnung vor Überlastung der Kliniken

Sorgen bereitet zum Beispiel zunehmend die Lage in den Krankenhäusern. Angesichts der aktuellen Entwicklung und des Personalmangels befürchten die Expertengruppe der Landesregierung in den kommenden Wochen eine Überlastung der Intensivstationen.

Die Uniklinik beginnt bereits ab Montag damit, Personal aus anderen Bereichen abzuziehen, um die zentralen Intensiv- und Covid-Bereiche zu verstärken. Dadurch könne es in den betroffenen Bereichen zu Terminverschiebungen oder Absagen geplanter Operationen und Krankenhausaufenthalte kommen, teilte die Uniklinik am Freitag mit.

Die Zahl der Covid-Patienten in den saarländischen Krankenhäusern liegt derzeit zwar noch deutlich unter den Höchstwerten Ende vergangenen Jahres, die Zahlen stiegen zuletzt aber deutlich an. Am Donnerstag gab es landesweit 130 Covid-Patienten, davon 33 auf Intensivstation. Vor einer Woche waren es noch 79, davon 20 intensivpflichtig.

Über dieses Thema berichtete SR 1 am 19.11.2021 in der Sendung "Stand der Dinge".

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