Ein Traktor auf dem Feld (Foto: imago/Eibner)

Saarland hat niedrigste Preise für Landwirtschaftsflächen

Sandra Schick   18.09.2021 | 11:20 Uhr

Wer im Saarland eine landwirtschaftliche Fläche verkaufen möchte, kann damit - anders als in vielen anderen Bundesländern - meist kein großes Geld verdienen. Denn: Inzwischen sind die Bodenpreise hier die niedrigsten in ganz Deutschland. Das hängt auch mit der Qualität der Böden zusammen.

Wer vor zehn Jahren eine landwirtschaftliche Fläche in Deutschland gekauft hat, hat dafür im Durchschnitt weniger als die Hälfte dessen bezahlt, was heute üblich ist. Seitdem sind die Preise in vielen Bundesländern förmlich explodiert: Von 2011 bis 2019 haben sich die Kaufwerte für Landwirtschaftsflächen im Bundesdurchschnitt um 96 Prozent verteuert.

In Ostdeutschland gab es sogar Steigerungsraten von bis zu 140 Prozent. Mitverursacht haben das auch branchenfremde Investoren und Spekulanten, die in großem Umfang Flächen aufkauften.

Keine großen Investoren oder Spekulanten

Anders die Entwicklung im Saarland: Wie aus der Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht, seien hierzulande keine großen Investoren oder Spekulanten tätig gewesen. Das zeigt sich auch an den Preisen: Vor zehn Jahren lag das Saarland noch im Bundesvergleich im unteren Drittel. Nun ist es das Bundesland mit den niedrigsten Flächenpreisen.

Pro Hektar liegt der Kaufwert hier im Durchschnitt bei 9799 Euro - der Bundesdurchschnitt liegt bei 26.439 Euro. Mit Abstand am teuersten sind Flächen in Bayern und Nordrhein-Westfalen. Hier liegt der Wert eines Hektar Landes im Durchschnitt bei rund 63.500 Euro (Bayern) bzw. 54.000 (NRW).

Steinige Böden im Saarland

Nach Angaben des saarländischen Bauernverbandes spiegelt die aktuelle Preissituation im Saarland gut die Situation vor Ort wider. Weil auf den Flächen hier keine großen Erträge möglich seien, könnten die Bauern gar keine höheren Kaufpreise bezahlen.

"Rund 96 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen im Saarland gelten nach EU-Recht als 'landwirtschaftlich benachteiligtes Gebiet'", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Alexander Welsch. Der Boden sei hier besonders steinig, das Pflanzenwachstum werde dadurch erschwert, die Erträge seien niedrig.

Ausgleichszahlungen für Bauern

Die Bauern erhalten für die Bewirtschaftung dieser Flächen Ausgleichszulagen. Sie sollen dazu beitragen, dass die Landwirtschaft trotz der schwierigen Bedingungen erhalten bleibt.

Außerdem, so Welsch, gebe es hierzulande keine so großen zusammenhängenden Flächen, die Landschaft sei stärker zersiedelt. Viele Flächen seien zudem als Schutzgebiete ausgewiesen.

Verkäufer oft verwundert über Preise

"Beim Bauernverband haben wir sehr viele Anrufe von Menschen aus ganz Deutschland, die Flächen an Landwirte im Saarland verkaufen wollen. Wenn sie dann von den Preisen erfahren, ist die Verwunderung und Enttäuschung meist sehr groß", berichtet Welsch.

Häufig sei es auch nicht einfach, selbst für günstige Flächen einen Käufer zu finden. Denn: Im Saarland rechne man auch in Zukunft damit, dass die Zahl der Landwirte weiter zurückgeht - trotz günstiger Bodenpreise.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 18.09.2021 berichtet.


18.09.2021, 11:20 Uhr
Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels wurde die Antwort auf die Anfrage der Linken dem Landtag zugeordnet, sie kam aber von der Landesregierung.

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