Jodtabletten (Foto: dpa/ Malte Christians)

Saarland wird flächendeckend mit Jodtabletten versorgt

Sandra Schick   23.08.2019 | 10:20 Uhr

Bis 2020 wird das Saarland flächendeckend mit Jodtabletten ausgestattet. Grund sind die Risiken durch das grenznahe Atomkraftwerk Cattenom. Die Strahlenschutzkommission des Bundes hat ihre Empfehlungen ausgeweitet, so dass Deutschland nun große Mengen der Tabletten beschafft, um vor Unfällen in grenznahen AKW geschützt zu sein.

Risiko durch grenznahe AKW
Deutschland stockt Jodtabletten-Vorrat auf
Das Bundesamt für Strahlenschutz hat rund 190 Millionen Jodtabletten bestellt. Die Begründung: Vor allem von grenznahen AKW gehen Risiken aus - und darauf müsse man vorbereitet sein.

Das Bundesamt für Strahlenschutz hat bei einer österreichischen Firma rund 190 Millionen Jodtabletten für die deutsche Bevölkerung bestellt. Das bestätigte das Amt dem WDR. Grundlage für die Großbestellung von Jodtabletten ist eine veränderte Empfehlung der Strahlenschutzkommission. Danach wurde der Kreis möglicher Empfänger von Jodtabletten nach Freisetzung von Radioaktivität erheblich ausgeweitet.

Auch die jeweiligen Notfallzonen rund um die Atomkraftwerke wurden erheblich vergrößert. Als "Fernzone", in der nach einem Reaktorunfall zum Beispiel alle Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie Schwangere mit Jodtabletten versorgt werden müssen, gilt seitdem das gesamte Gebiet der Bundesrepublik. Grund sind die Risiken durch grenznahe AKW wie etwa Cattenom aber auch Tihange in Belgien, Kraftwerke in der Schweiz, Tschechien und Schweden.

Künftig mehr Jodtabletten fürs Saarland

Im Saarland galt bisher, dass Jodtabletten nur für den Teil der Bevölkerung bevorratet wurden, der in einem 25-Kilometer-Radius um das Kernkraftkraftwerk Cattenom lebt und unter 45 Jahre alt ist.

Jodtabletten zum Strahlenschutz

Bei einem nuklearen Unfall kann radioaktives Jod freigesetzt werden. Damit sich dieses nicht in der Schilddrüse anreichert, sollte zum richtigen Zeitpunkt nicht-radioaktives Jod in Form einer hochdosierten Kaliumiodid-Tablette aufgenommen werden. Dies schützt jedoch ausschließlich vor der Aufnahme von radioaktivem Jod in die Schilddrüse, nicht vor der Wirkung anderer radioaktiver Stoffe.

In den betroffenen Gemeinden wurden die Tabletten nach Angaben des Innenministeriums in Einrichtungen wie Dorfgemeinschaftshäusern oder Sporthallen aufbewahrt, um sie im Ernstfall schnell verteilen zu können.

Künftig soll auf diese Weise die komplette saarländische Bevölkerung unter 45 Jahre versorgt werden können. Personen über 45 Jahre empfiehlt die Strahlenschutzkommission keine Einnahme von Jod. Begründet wird das mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit, durch Strahlung an Schilddrüsenkrebs zu erkranken.

Wann das Saarland mit der Großlieferung von Jodtabletten versorgt wird, steht nach Angaben des Innenminsteriums noch nicht fest. Man rechnet aber damit, dass sich die Auslieferung bis in das Jahr 2020 hinziehen wird.

Saarland wird flächendeckend mit Jodtabletten versorgt
Audio [SR 3, Dorothee Scharner, 23.08.2019, Länge: 00:50 Min.]
Saarland wird flächendeckend mit Jodtabletten versorgt

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 23.08.2019 berichtet.

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