Kuchen aus dem Saarland in Paris (Foto: Janek Böffel)

Ein Käsekuchen in Paris

Uli Hauck / Onlinefassung: Axel Wagner   16.11.2018 | 16:29 Uhr

Croissants, Eclairs, Tarte Citron – das ist klassisch französisches Backwerk, wie wir es auch im Saarland kennen und schätzen. Käsekuchen ist klassisch deutsche oder saarländische Backtradition. In Paris versucht ein Saarländer, die hippen Hauptstädter seit vier Jahren auf den Geschmack zu bringen. Und es funktioniert.

„Der Lebkuchen ist von meinem Bruder Alexander, der liebt den“, erinnert sich Mirko Schmitt an die Anfänge. „Das ist das alte Rezept von der Tante Leonie. Dann haben wir hier den Katzi, das ist Ulrichs Kuchen. Und meiner war der Käsekuchen. Und so hat sich das Ganze irgendwie konstruiert.“ Aus diesen Lieblingskuchen der drei Brüder aus Altforweiler entstand der Name der Bäckerei: „House of 3 Brothers“ hat Schmitt seinen kleinen, schicken Laden an der Rue de Lancry in Paris genannt.

Käsekuchen, kein Cheesecake

Saarländer verkauft seinen Käsekuchen in Paris
Audio [SR 1, Uli Hauck , 16.11.2018, Länge: 01:43 Min.]
Saarländer verkauft seinen Käsekuchen in Paris

„Ich mache auch sehr viele Blechkuchen, was man hier auch nicht kennt und was immer sehr beeindruckt. Die Quiche zum Beispiel sieht man hier nie so groß und rechteckig“, sagt Schmitt. Klassischer Käsekuchen, Käsekuchen mit Mohn oder jetzt im Herbst mit Äpfeln sind der Renner. Was im Saarland Standard ist, muss in Paris den Kunden aber erst erklärt werden. „Jedes Verkaufsgespräch muss man anfangen: ‚Hallo, bonjour, vous etes déjà venu?‘ Und dann fängt dieses Verkaufsgespräch an, was relativ lang ist, was die Leute vielleicht auch teilweise nervt“, weiß Schmitt. Aber er müsse den Kunden erst einmal erklären, dass es sich hier nicht um einen Cheesecake handelt – also einen mächtigen Käsekuchen amerikanischer Art mit Keksboden und Doppelrahmkäse -, sondern dass der saarländische Käsekuchen vielmehr mit Quark und einem Mürbeteigboden zubereitet ist.

Das Auge isst mit

Schmitt weiß, dass es für die Franzosen auch auf die Präsentation ankommt. Bevor er zum Käsekuchen-Pionier wurde, hat er über 20 Jahre erfolgreich als Designer in der Modebranche gearbeitet. Sein Wechsel vor vier Jahren hat im heimischen Saarland aber erst einmal Schockwellen ausgelöst. „Wenn Du von der Modebranche kommst, in der Welt herumreist, dann plötzlich Bäcker wirst, ist das ganz einfach so. Am Anfang hatten die schon Schwierigkeiten damit, aber heutzutage muss ich jetzt auch die Fotos schön nach Hause schicken.“

Bald wird es für Mirko Schmitt einen neuen Anlass geben, Fotos in die saarländische Heimat zu schicken: In einem Pop Up Store will er speziellen Fleischkäse an die verwöhnten Hauptstädter verkaufen. Anfang nächsten Jahres soll es losgehen, so Schmitt. „Sozusagen eine kleine Rostwurstbude!“

Ein Saarländer backt in Paris

Über dieses Thema wurde auch in SR 1 Hallo Saarland vom 16.11.2018 berichtet.

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