Vertrocknete Blätter hängen an einem Baum.  (Foto: picture alliance/dpa | Martin Gerten)

Saar-Wald leidet unter Hitze und Trockenheit

Rebecca Wehrmann   07.08.2022 | 08:39 Uhr

Schadpilze und Schädlingsbefall – dagegen kämpfen Bäume in den saarländischen Wäldern jedes Jahr. Für gesunde Bäume kein Problem, aber aufgrund der anhaltenden Trockenheit und Hitze sind die Bäume geschwächt und können sich kaum zur Wehr setzen. Wassermangel verschärft das Problem.

Nicht nur die Menschen ächzen unter der Hitze der vergangenen Tage und Wochen – auch der Wald kämpft mit den hohen Temperaturen und der anhaltenden Trockenheit. Besonders problematisch: Nicht nur dieses Jahr, auch die Jahre zuvor waren viel zu regenarm.

Wasserreserven zu Sommerbeginn aufgebraucht

Deswegen gab es bereits erhebliche Schäden in den saarländischen Wäldern. Die Situation wird sich noch verschärfen, befürchtet der Saarforst.

Die derzeitige Trockenperiode gekoppelt mit dem bereits vorhandenen Regendefizit hat die Waldböden dieses Jahr besonders schnell austrocknen lassen. Schon zu Beginn des Hochsommers waren die Wasserreserven aufgebraucht. So war vielerorts der Boden im Juni schon bis in 25 Zentimeter Tiefe ausgetrocknet.

Beste Voraussetzungen für Borkenkäfer

Durch die Trockenheit haben es Schädlinge – wie zum Beispiel der Borkenkäfer – besonders leicht. Wenn Bäume kein Harz produzieren können, können sich die Käfer quasi ungestört vermehren. Das zeigt sich auch an den aktuellen Zahlen.

Die Forstliche Versuchsanstalt (FVA) führt beobachtet regelmäßig, wie viele Buchdrucker vorkommen - das ist die häufigste Borkenkäferart an Fichten. Die Fangzahlen in der Eifel waren vergangene Woche auf einem "besorgniserregenden Niveau" von 2000 bis 4000 Käfern pro Woche. Das sind im Vergleich zu 2021 dreimal so viele und deutet laut FVA auf eine Verschärfung der Situation auch im Saarland hin.

Anteil der stark geschädigten Bäume nimmt zu

Aber auch Schadpilze und andere Erkrankungen setzen den gestressten und unterversorgten Bäumen zu. Laut Saarforst leiden in diesem Jahr Birken und Kirschen besonders unter dem Wassermangel. Schäden gibt es aber mittlerweile über alle Baumarten hinweg.

Besonders gravierend: Der Anteil der stark geschädigten oder auch abgestorbenen Bäume hat in den vergangenen fünf Jahren deutlich zugenommen. Das geht aus dem Waldzustandsbericht des Saarforsts hervor.

Der Landesbetrieb befürchtet auch bleibende Schäden. So rechnet er damit, dass vermehrt die Kronen ältere Bäume (Buchen und Eichen) absterben. Zudem könnte die mangelnde Widerstandskraft zusammen mit dem Schädlingsbefall dafür sorgen, dass noch mehr Bäume komplett absterben.

Regen in Herbst und Winter nicht ausreichend

Dass es dem Wald nicht gut geht, können Spaziergänger auch selbst beobachten. Bäume, die besonders unter Trockenstress leiden, versuchen sich selbst zu helfen. So versuchen sie, die Oberfläche zu verringern, in dem sie Blätter einrollen und auch grüne Blätter abwerfen. Auch gelbe und braune Blätter sind ein Zeichen des Wassermangels.

Aber wie geht es jetzt weiter? Könnte ein nasser Herbst und Winter dem Wald zur Erholung dienen und die Trockenheit ausgleichen? Laut Saarforst ist das definitiv nicht ausreichend. Selbst der diesjährige relativ nasse Jahresbeginn hatte nur zu einer Durchfeuchtung der Oberböden geführt.

Hoffnungsschimmer für den Saar-Wald

Die Entwicklung sei besorgniserregend, so der Saarforst. Das zeigten die jährlichen Waldzustandserfassungen. Auch seien die Folgen der starken Schwefelsäureemissionen durch den sogenannten sauren Regen, die in den 80ern und 90ern besonders gravierend waren, noch nicht überwunden. Im Klimawandel gebe es zudem auch bei einheimischen Laubbäumen Schadorganismen, die ganze Wälder bedrohen. Die Lage ist also durchaus ernst.

Es gibt aber auch Grund zur Hoffnung. Denn gerade im Saarland gibt es überwiegend Mischwälder – und rund drei Viertel des Saar-Waldes sind Laubbäume. Damit können Wälder besser auf Veränderungen des Klimas reagieren als in vielen anderen Regionen Deutschlands.

Der Saarforst hofft, dass der Wald sich bei nachwachsenden Bäumen ein Stück weit selbst anpasst. Darüber hinaus werden weniger klimaempfindliche Baumarten gepflanzt, wie zum Beispiel die Winterlinde, Elsbeere, Zerreiche oder auch die Schwarzkiefer. Damit soll der Wald auch bei längerer Trockenheit überleben - wenn auch in anderer Form als heute.

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