Christian Bär (Foto: Rainer Keuenhof / Grimme-Institut)

Saarländer für Grimme Online Award nominiert

Sandra Schick   16.06.2019 | 09:17 Uhr

Am kommenden Mittwoch werden die diesjährigen Grimme Online Awards verliehen. Nominiert ist dieses Mal auch ein Saarländer. Der an ALS erkrankte Christian Bär gewährt in seinem Weblog "#ALS und andere Ansichtssachen" berührende Einblicke in den Alltag und das Leben mit der Krankheit.

Weblog von Christian Bär
https://www.madebyeyes.de/

Christian Bär aus Köllerbach bekam im Jahr 2016 die Diagnose Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS. Seine Krankheit ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass er nicht mehr sprechen oder seine Hände benutzen kann. Er kommuniziert über einen Computer mit Augensteuerung.

Damit schreibt er auch die Blogbeiträge auf seiner Internetseite, deren Adresse passenderweise "Made by Eyes" (zu deutsch: "mit den Augen hergestellt") lautet. Auch mit uns hat er auf diesem Weg per Email kommuniziert. Sein Blog ist seit Juli 2018 online und zählt bis dato rund 75.000 Besucher. Um einen Beitrag zu schreiben, braucht Bär nach eigenen Angaben von der Idee bis zur Veröffentlichung rund eine Woche.

Die Jury des Grimme Online Awards hat sein Weblog in diesem Jahr in der Kategorie "Wissen und Bildung" nominiert. Zur Begründung heißt es:

Christian Bär schreibt kenntnisreich und mit Humor über die Muskelerkrankung Amyotrophe Lateralsklerose – ALS. [...] So informiert er in „#ALS und andere Ansichtssachen“ nicht nur über den Stand der Forschung, die Pflege sowie den Umgang der Familie mit der Situation, sondern bringt auch die LeserInnen dazu, über Prioritäten im Leben nachzudenken.
(www.grimme-online-award.de)

Am Mittwoch, 19. Juni ist die Preisverleihung in Köln. Insgesamt können bis zu acht Auszeichnungen vergeben werden. Außerdem wird ein eigener Publikumspreis verliehen.

ALS in die Öffentlichkeit rücken

Amyotrophe Lateralsklerose

Amyotrophe Lateralsklerose ist eine sehr ernste Erkrankung des zentralen und peripheren Nervensystems. Sie ist seit mehr als 100 Jahren bekannt und kommt weltweit vor. Ihre Ursache ist mit Ausnahme der seltenen erblichen Formen bisher unbekannt. Nach der Diagnosestellung hat ein Großteil der ALS-Patienten eine durchschnittliche Überlebenszeit von drei bis fünf Jahren. 

Christian Bär fühlt sich geehrt von der Nominierung. Per Email schreibt er uns: "Es ist für mich eine große Ehre, für diesen renommierten Preis nominiert zu sein. Besonders glücklich stimmt mich aber der dadurch aufkommende Rückenwind für die rund 8000 Betroffenen und deren Familien im Kampf gegen die bis jetzt unheilbare Krankheit ALS."

Auf die Krankheit ALS aufmerksam zu machen, ist ein zentrales Anliegen von Christian Bär. "Ich will meine Geschichte stellvertretend für jährlich mehr als 2000 Tote allein in Deutschland erzählen", schreibt er. "In der Hoffnung in irgendeiner Weise Positives zu bewirken." Er will Bewusstsein schaffen und "in die Komfortzone der Unwissenheit bei Entscheidern vordringen". Und weiter: "Die an ALS erkrankten Menschen haben keine Lobby."  

Über dieses Thema hat auch SR 1 am 24.05.2019 in "Hallo Saarland" berichtet.

Im SR-Programm

Saarländer bloggt über sein Leben mit ALS
Audio [SR 1, Julia Lehmann, 24.05.2019, Länge: 01:51 Min.]
Saarländer bloggt über sein Leben mit ALS

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