Eine Friseurin schneidet einem Kunden die Haare (Foto: picture alliance / Carsten Rehder/dp)

Haarschneidetourismus in Luxemburg

  28.01.2021 | 08:34 Uhr

Weil die Friseure in Deutschland während des Lockdowns geschlossen bleiben müssen, zieht es auch Saarländerinnen und Saarländer zum Haareschneiden nach Luxemburg. Deutsche Friseure sehen das kritisch.

Der Friseurtourismus-Boom
Audio [SR 1, (c) SR 1 Jessica Ziegler, Christian Balser, Mike Ulrich, 28.01.2021, Länge: 03:59 Min.]
Der Friseurtourismus-Boom

Bei Friseurin Christina Helmling klingelt das Telefon derzeit ständig. Sie hat ihren Salon im luxemburgischen Wasserbillig. Wegen des Lockdowns in Deutschland, der auch den Friseuren eine Zwangspause verordnet hat, gehen derzeit viele Deutsche zum Haareschneiden nach Luxemburg. "Es ist total verrückt momentan. Wir waren letzte Woche eigentlich schon für diese Woche ausgebucht", sagt die gebürtige St. Ingberterin der Nachrichtenagentur dpa.

In Luxemburg dürfen Friseure seit dem 11. Januar unter strengen Auflagen wieder Kunden bedienen. Helmling hat auch viele Kunden aus Luxemburg. Aber die Terminanfragen aus Deutschland seien derzeit extrem – auch über ihr Online-Buchungssystem.

Keine Massen

Die Friseurin sagt, viele Kunden würden den Friseurbesuch in Luxemburg mit Tanken oder Einkäufen verbinden. Im Großherzogtum ist auch der Einzelhandel unter Einschränkungen wieder offen. Große Kundenströme nach Luxemburg zum Shoppen werden aber nicht festgestellt, wie es aus dem Außenministerium hieß.

Ein paar hundert Meter weiter betreibt Anja Meyer ihren Coiffeur Anja. Auch sie hat derzeit mehr deutsche Kunden als sonst: "Es sind aber jetzt keine Massen, die von Deutschland hierher strömen", sagt sie. Meyer schätzt das Plus auf 20 bis 30 Prozent. "Wir sind von Luxemburger und von deutscher Seite froh, wenn die Grenzen offen bleiben, damit das aufgebaute Miteinander in der Grenzregion erhalten bleibt."

Zu viel Grenz-Wirrwarr

Auch im Salon Intercoiffure La Coiffe in Wasserbillig lassen sich derzeit viel mehr Deutsche als sonst die Haare schneiden. "Man kann nicht alles annehmen", sagt die Salonleiterin. Und Friseurin Dorothée Thiel erzählt, sie habe jüngst Kunden aus Köln und aus Düsseldorf gehabt. "Vor allem Männer können sich nicht mit langen Haaren sehen."

Im Salon Beim Figaro im luxemburgischen Schengen hat man auch mehr Kundschaft aus dem Saarland. "Für uns ist das gut. Wir haben mehr Arbeit", sagt eine Friseurin dort. "Wir organisieren uns, dass alles gut klappt." Ihr Chef Sanna Michel sagt, er wünsche sich grenzüberschreitend mehr Abstimmung bei Regeln und bei der Teststrategie. "Es gibt da ja jetzt ein Wirrwarr, da weiß keiner mehr Bescheid."

Student Alexander aus Merzig hat sich die Haare in Luxemburg-Stadt auf dem Kirchberg schneiden lassen. Zurzeit würden das viele Deutsche tun. Sowohl der Kunde als auch das Personal trage Mund-Nasen-Maske. Preislich sei ein Friseurbesuch in Luxemburg oft teurer. "Im Saarland zahle ich 23 Euro, auf dem Kirchberg kostet es etwa 39 Euro", sagt der 20-Jährige.

Schwarzarbeit nimmt zu

Dass die Friseure in Luxemburg offen und in Deutschland geschlossen sind, findet der Vorsitzende Landesinnungsmeister beim Landesverband Friseure und Kosmetik Rheinland, Guido Wirtz "suboptimal".

Er habe Verständnis für Kunden, die sich bei dortigen Friseuren die Haare schneiden ließen: "Aber ich bitte alle, daran zu denken, dass sie uns als Kunden dann fehlen, wenn wir wieder aufmachen." Kritisch sieht er auch einen "Haarschneidetourismus", der zurzeit seiner Kenntnis nach in Luxemburg stattfinde.

Es gebe Friseure, die ihre Kunden nach Luxemburg führen, um sie dort zu bedienen. "Das geht ja komplett gegen den Sinn der Corona-Verordnungen." Der Friseurbranche in Deutschland gehe es derzeit "beschissen", sagt Wirtz. Viele hätten ihre Reserven aufgebraucht - er gehe davon aus, dass rund 30 Prozent aufgeben würden.

Zudem merke er, dass "die Schwarzarbeit von Mitarbeitern und Unternehmern zunimmt", sagt er. Heißt: Man gehe zu den Kunden privat in die Häuser. "Wir werden Hotspots kriegen, wenn wir nicht schnellstmöglich wieder öffnen." In den Läden könnten Hygienemaßnahmen besser eingehalten werden.

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