Saarbrücker Hefte, Ausgabe Winter 2019/20 (Foto: SR /  Rick Reitler)

„Saarbrücker Heften“ droht das finanzielle Aus

  18.05.2020 | 13:00 Uhr

Die „Saarbrücker Hefte“, die älteste Kulturzeitschrift des Saarlandes, sehen sich vor dem finanziellen Aus. Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) hat eine finanzielle Unterstützung für 2020 abgelehnt.

Im Dezember ist die 120. Ausgabe der „Saarbrücker Hefte“ erschienen, im Januar feierte die Zeitschrift ihren 65. Geburtstag. Jetzt fehlt das Geld. Oberbürgermeister Uwe Conradt lehnt eine weitere finanzielle Unterstützung durch die Landeshauptstadt ab. Dabei geht es um 10.000 Euro pro Jahr für Gestaltung, Druck und Vertrieb. Die Redaktion arbeitet ehrenamtlich.

Video [aktueller bericht, 19.05.2020, Länge: 2:58 Min.]
Landeshauptstadt will Unterstützung für Saarbrücker Hefte einstellen

Die Stadt begründet ihre Entscheidung mit der Corona-Krise. Man müsse damit rechnen, dass die damit einhergehenden Einschränkungen zahlreiche Notlagen an unterschiedlichen Stellen hervorrufen werden. Deshalb könne man keine Förderzusage für 2020 geben. Ob die Stadt die „Hefte“ ab 2021 wieder unterstützt, sei noch „nicht abzusehen“, heißt es aus dem Büro des Oberbürgermeisters.

Enttäuschung über Absage

Saarbrücker Hefte vor dem Aus
Audio [SR 3, (c) SR, 14.05.2020, Länge: 00:53 Min.]
Saarbrücker Hefte vor dem Aus

Die Macher der Zeitschrift zeigen sich enttäuscht von der Absage. Die Existenz der „Hefte“ sei dadurch „akut gefährdet“. Außerdem sei die Arbeit an Heft 121 bereits weit fortgeschritten.

Die Redaktion hat sich in einem offenen Brief an Conradt gewandt. Man habe schon im Oktober um ein Treffen mit ihm gebeten, um über die „finanzielle Zukunft zu sprechen“, heißt es darin. Dazu sei es aber nicht gekommen.

Kritik von Linke und SPD

Kommentar: "Dunkle Zeiten für die Kreativen im Land"
Audio [SR 2, Tilla Fuchs, 15.05.2020, Länge: 03:22 Min.]
Kommentar: "Dunkle Zeiten für die Kreativen im Land"

Linke und SPD forderten Conradt auf, die Förderung der Kulturzeitschrift beizubehalten. „Dies ist bereits der zweite Anschlag der CDU auf die ‚Saarbrücker Hefte‘“, sagte der Linken-Fraktionsvorsitzende im Saarbrücker Stadtrat, Michael Bleines. Schon 2006 habe der CDU-geführte Stadtrat unter Beteiligung der FDP die bisherige Finanzierung des Blattes aus Haushaltsmitteln gestrichen. Nun scheine auch der neue CDU-Oberbürgermeister Conradt nicht mehr bereit, sich finanziell für die Saarbrücker Kulturszene zu engagieren. Die SPD-Stadtratsfraktion nannte die Entscheidung „kleingeistig und stillos“.

Die älteste Kulturzeitschrift des Saarlandes

Ursprünglich wurden die Hefte aus Mitteln des städtischen Haushaltes finanziert. 2006 wurde das Kulturprojekt allerdings aus dem Etat gestrichen. Danach wurde die Zeitschrift aus dem persönlichen Verfügungsfonds von Conradts Amtsvorgängerin Charlotte Britz (SPD) mit jährlich 10.000 Euro unterstützt.

Nach der Absage durch Oberbürgermeister Conradt wollen sich die Redaktion und der Trägerverein jetzt um alternative Finanzierungsmöglichkeiten kümmern. Geplant ist unter anderem eine Crowdfunding-Kampagne.

Über dieses Thema wurde auch in der Rundschau auf SR 3 Saarlandwelle vom 14.05.2020 berichtet.

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