Flughafen Ensheim (Foto: picture alliance / Oliver Dietze/dpa)

Saarbrücker Flughafen wird ferngesteuert

  04.12.2018 | 11:25 Uhr

Der Flughafen Saarbrücken wird als erster internationaler Flughafen in Deutschland nicht mehr vom örtlichen Tower aus überwacht. Fluglotsen in Leipzig geben seit Dienstag die Anweisungen für Starts und Landungen.

In den kommenden Jahren sollen auch die Flughäfen Erfurt und Dresden von Leipzig aus kontrolliert werden. Die Flugsicherung nahm in Leipzig ein sogenanntes Remote-Tower-Control-Center in Betrieb, das nun die Flugbewegungen im rund 450 Kilometer entfernten Saarbrücken kontrolliert. Video- und Infrarotkameras liefern den Fluglotsen in der sächsischen Stadt permanent ein 360-Grad-Bild des Flughafens Saarbrücken. Mit den Kameras können sich auch Details heranzoomen lassen.

Video [aktueller bericht, 04.12.2018, Länge: 2:33 Min.]
Flugsicherung für das Saarland aus Leipzig

Flugzeuge lassen sich über bewegliche Kameras verfolgen

Durch die Infrarottechnik haben die Fluglotsen demnach eine deutlich verbesserte Sicht, vor allem bei schlechtem Wetter oder Dunkelheit. Zusätzlich erkennt das Remote-Tower-Control-System Bewegungen automatisch und hebt Flugzeuge in der Luft wie am Boden, aber auch Fahrzeuge auf den Monitoren hervor. Die startenden und landenden Flugzeuge lassen sich mit den beweglichen Kameras manuell oder automatisch verfolgen. Die Kameras werden beheizt und verfügen über eine automatische Reinigungsfunktion.

Zehn Fluglotsen wechseln nach Leipzig

Das von der DFS entwickelte System ist den Angaben zufolge weltweit einzigartig. Dass Fluglotsen keinen direkten Sichtkontakt zu den Flugzeugen haben, die sie kontrollieren, ist außerhalb des Towers längst üblich. Die DFS überwacht den Flugverkehr im deutschen Luftraum in vier großen Kontrollzentralen in Langen, Bremen, München und Karlsruhe. "Dass wir nun auch die Starts und Landungen an den Flughäfen aus der Ferne kontrollieren, ist der logische nächste Schritt", erklärte Klaus-Dieter Scheurle, Vorsitzender der DFS-Geschäftsführung.

Im Tower in Saarbrücken bleibt nach DFS-Angaben noch vier Wochen ein Lotse, um bei Problemen mit dem neuen System einzugreifen. Dann bleibe die Kanzel leer. Zehn Saarbrücker Lotsen seien nach Leipzig gewechselt, zwei in die Altersteilzeit.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 04.12.2018 berichtet.

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