Sebastian Biewer und Yannik Schnitzer haben eine App entwickelt, die den Schadstoffausstoff eines Dieselfahrzeugs anzeigen kann.  (Foto: Universität des Saarlandes/Oliver Dietze)

Saar-Informatiker entwickeln Abgas-App

  10.10.2021 | 15:10 Uhr

Informatiker der Universität des Saarlandes haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sich unkompliziert und in Echtzeit ermitteln lässt, wie viele Abgase der eigene Diesel-PKW ausstößt. Dazu benötigt man die kostenlose App „LolaDrives“ und einen günstigen Bluetooth-Adapter.

Der Abgasskandal hat die gesamte Autoindustrie erschüttert. Mehrere Hersteller manipulierten durch sogenannte Abschalteinrichtungen die Abgaswerte ihrer Fahrzeuge, um die gesetzlich vorgegebenen Grenzwerte zu umgehen.

Inzwischen muss ein Auto einen sogenannten „Real Driving Emissions (RDE)“-Test bestehen, um in der Europäischen Union zugelassen zu werden. Dabei werden die Abgasemissionen im Fahrbetrieb unter realistischen, alltäglichen Bedingungen gemessen.

Damit diese Werte von jedem Dieselbesitzer auf einfache Art und Weise überprüft werden können, haben Sebastian Biewer und Yannik Schnitzer von der Universität des Saarlandes eine entsprechende App entwickelt: „LolaDrives“. Die App funktioniert nach Angaben der beiden Informatiker bei fast allen Diesel-Fahrzeugen ab Baujahr 2005.

Bluetooth-Adapter notwendig

„Wichtig ist, dass der Wagen über eine Schnittstelle zur On-Board-Diagnose (OBD) verfügt“, sagt Biewer. Die OBD ist ein Fahrzeugdiagnosesystem, das während der Fahrt abgasbeeinflussende Systeme und andere Steuergeräte, wie beispielsweise den Drehzahlmesser, überwacht. Mithilfe eines Bluetooth-Adapters werde auf die On-Board-Diagnose zugegriffen. Wenn der Wagen läuft, muss man das Handy per Bluetooth mit dem OBD-Adapter verbinden und die „LolaDrives“-App starten.

"Einzige App, die RDE-Test ermöglicht"

Das Programm erlaubt es dem Nutzer dann entweder, die Daten des Diagnosesystems auszulesen, oder es führt ihn Schritt für Schritt durch einen RDE-Test. „LolaDrives ist nach unserer Kenntnis die einzige App, die einen RDE-Test ermöglicht“, ergänzt Biewer.

Damit die App die Emissionswerte errechnen kann, muss die OBD-Schnittstelle des Wagens jedoch die passenden Daten zur Verfügung stellen – insbesondere die Werte des Stickoxid-Sensors des Abgassystems, der nur in Diesel-Fahrzeugen verbaut ist. Ob die passenden Daten abgerufen werden können und damit ein RDE-Test machbar ist, teilt „LolaDrives“ direkt nach dem Start eines Tests mit.

Genaue Fahrtdauer, genaue Geschwindigkeit

Den App-Entwicklern war es wichtig, die Benutzung so einfach wie möglich zu gestalten. Denn für einen gültigen RDE-Test müssen zahlreiche Bedingungen erfüllt sein: So muss die Fahrtdauer mindestens 90 bis 120 Minuten betragen – und zwar in festgelegten Distanzen in verschiedenen Abschnitten (Innerorts, Landstraße und Autobahn). Außerdem dürfen bestimmte Geschwindigkeitsvorgaben nicht verletzt werden und auch das Beschleunigungs- und Bremsverhalten spielt eine Rolle.

„Unsere App zeigt all diese Elemente in einer leicht verständlichen Nutzeroberfläche an und führt strukturiert durch die verschiedenen Stufen des Tests, indem sie genau ansagt, was wann zu tun ist“, erklärte Yannik Schnitzer. Schließlich teile das Programm mit, ob der Test erfolgreich war oder durch den Verstoß gegen eine der Vorgaben gescheitert ist, sagt Yannik Schnitzer.

Hintergrund: Abgasskandal

Der Hintergrund für die Entwicklung von „Loladrives“ liegt im Diesel- bzw. Abgasskandal, bei dem verschiedene Autohersteller die Abgaswerte ihrer Fahrzeuge manipulierten. Die App soll für mehr Transparenz sorgen. Nutzer können ihre Fahrdaten dafür auf freiwilliger Basis datenschutzkonform an die Forscher spenden.

„Anhand der Daten möchten wir eine Plattform aufbauen, mit der wir mehr Transparenz und Verständlichkeit in den KFZ-Bereich bringen wollen“, sagt Informatik-Professor Holger Herrmanns. Die vergangenen Skandale hätten gezeigt, wozu es führe, wenn Hersteller verantwortungsloses Handeln durch Intransparenz verschleiern können.

Ergebnisse sind Annäherungen

Die Abgas-Tests mit der App sind dabei rechtlich nicht bindend. „Uns geht es darum, das Informationsbedürfnis der Nutzer zu stillen“, so Herrmanns. Dabei seien die Ergebnisse letztendlich Annäherungen an die echten Tests, die mithilfe kostspieliger mobiler Mini-Labors durchgeführt werden müssten.

„LolaDrives“ ist zurzeit für Android über den Google Playstore erhältlich. Eine Version für Apple-Geräte ist bereits in Entwicklung.

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