Grafik Coronavirus (Foto: Pixabay/Visuals3D)

Saar-Forscher suchen erstmals nach Corona-Mutation

Sandra Schick   08.01.2021 | 15:08 Uhr

Seit Wochen wird in Großbritannien eine Mutation des Coronavirus beobachtet. Wie verbreitet diese neue Variante in Deutschland ist, ist noch völlig unklar. Auch im Saarland wurde bislang nicht gezielt danach gesucht. Doch nun befassen sich Forscher der Universität des Saarlandes und des Uni-Klinikums Homburg damit.

Dr. Jürgen Rissland hält Testverfahren auch bei Mutation für verlässlich
Audio [SR 3, Michael Friemel, 09.01.2021, Länge: 03:44 Min.]
Dr. Jürgen Rissland hält Testverfahren auch bei Mutation für verlässlich

Die zuerst in Großbritannien entdeckte und nachgewiesene neue Coronavirus-Variante SARS-CoV-2 VOC 202012/01 ist inzwischen auch in vielen anderen Ländern aufgetreten. Auch in Bayern wurde sie Anfang der Woche nachgewiesen. Völlig unklar ist aber derzeit, wie stark und schnell sich die Variante in Deutschland bereits ausgebreitet hat. Das sagte Jörg Timm, der Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Düsseldorf dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland".

Sequenzierung findet nur wenig statt

Denn während in Großbritannien die Veränderungen des Coronavirus umfangreich überwacht werden, geschieht dies in Deutschland nur lückenhaft. Das kritisieren Experten schon länger. So wird etwa in Großbritannien jeder 15. positive Corona-Test einer so genannten Genom-Sequenzierung unterzogen. Das ist eine Analysemethode, die es ermöglicht, Veränderungen im Bauplan des Virus zu entdecken. In Deutschland wurde bisher hingegen nur knapp jeder 900. positive Corona-Test entsprechend analysiert.

Drosten: Andere Strukturen in England

Der Berliner Virologe Christian Drosten sagte in seinem NDR-Podcast, Großbritannien und Dänemark seien die einzigen Länder Europas, die in größerem Umfang sequenzieren könnten. Dort seien die Strukturen dafür schon lange vor der Pandemie geschaffen worden. Zudem sei in England das neue Virus auch mittels eines speziellen PCR-Tests eines Herstellers aufgefallen und nicht nur durch Sequenzierung. Es sei prinzipiell auch möglich, bestimmte Merkmale der Virusmutation mittels angepasster PCR-Tests nachzuweisen.

Bisher keine Sequenzierungen im Saarland

Im Saarland ist derzeit völlig unklar, ob sich die neue Virus-Mutation hier schon verbreitet hat. Gezielt getestet wurde danach bisher nicht. Der Sprecher von Bioscientia, dem größten Testlabor im Saarland, Hendrik Borucki, sagte dem SR, mit den im Saarland eingesetzten Routine-PCR-Tests sei eine Differenzierung nach Mutanten nicht möglich.

In dem Bioscientia-Labor in Ingelheim könne man technisch und personell eine Sequenzierung der Virus-RNA machen. Bisher gebe es dafür aber keinen Auftrag seitens des Bundesgesundheitsministeriums. "Wir würden das aber gerne anbieten und könnten das auch." Derzeit befinde man sich in Vorbereitung, diesen Bereich auszubauen.

Erstmals werden 100 Proben im Saarland untersucht

Jürgen Rissland, Virologe der Uni-Klinik in Homburg, sagte dem SR, man habe nun erstmals eine Testung von Proben im Hinblick auf die Mutation angestoßen. Dazu kooperiere das Uni-Klinikum Homburg mit der Universität des Saarlandes. Dort sollen jetzt rund 100 Proben auf die neue Virusmutation untersucht werden. Für die Untersuchung der Proben würden beide Verfahren angewandt: Ein speziell angepasster PCR-Test und die Genom-Sequenzierung. Da dies recht zeitaufwendig sei, rechne er nicht mit schnellen Ergebnissen.

Seuchenbehörde rät zu mehr Sequenzierung

Die europäische Seuchenbehörde ECDC rät dringend dazu, jetzt mehr zu sequenzieren, um die Ausbreitung der neuen Mutation zu kontrollieren und damit verlangsamen zu können. Am Dienstag dieser Woche beschlossen Bund und Länder, dass künftig auch in Deutschland neue Varianten durch verstärkte Sequenzierung schneller entdeckt werden sollten. Das Bundesgesundheitsministerium soll dafür eine Verordnung erlassen.

Über dieses Thema berichten auch die SR-Hörfunknachrichten vom 08.01.2021.

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