Eine Justitia-Statue (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

„Robin Hood der Kleinanleger“ vor Geständnis

Thomas Gerber / Onlinefassung: Axel Wagner   12.02.2020 | 13:03 Uhr

Im Untreueprozess gegen den Wirtschaftsdetektiv Medard Fuchsgruber aus Ottweiler zeichnet sich ein vorzeitiges Ende ab. Die Vorsitzende Richterin der Großen Wirtschaftskammer teilte am Mittwoch mit, dass ein Deal möglich sei.

Untreueprozess am Landgericht: Deal für „Robin Hood der Kleinanleger“?
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 12.02.2020, Länge: 00:58 Min.]
Untreueprozess am Landgericht: Deal für „Robin Hood der Kleinanleger“?

Dem 55-Jährigen, der jahrelang als „Robin Hood der Kleinanleger“ bundesweit in den Schlagzeilen war, wird unter anderem vorgeworfen, eben jene Kleinanleger in mehr als 100 Fällen über den Tisch gezogen zu haben. Am sechsten Prozesstag zeichnet sich nun ein Deal ab.

Auf Anregung der Verteidigung, so die Vorsitzende Richterin, habe es nach dem Prozesstag vor einer Woche ein sogenanntes Verständigungsgespräch gegeben. Der „Robin Hood der Kleinanleger“ muss demnach mit einer Haftstrafe zwischen vier und viereinhalb Jahren rechnen. Teile der Vorwürfe sollen eingestellt werden, Fuchsgruber im Gegenzug ein Geständnis ablegen.

50 Prozent für sich abgezweigt

Zugleich stellte das Gericht in Aussicht, dass der 55-Jährige aus der Untersuchungshaft entlassen wird und bis auf Weiteres auf freien Fuß kommt. Nachdem er am ersten Prozesstag wegen einer mutmaßlich akuten Nabel-OP nicht erschienen war, hatte das Gericht Haftbefehl erlassen. Der Deal ist noch nicht in trockenen Tüchern, am nächsten Prozesstag will sich Fuchsgruber erklären. Sollte er einwilligen, würde er noch immer wegen mehr als 100-facher Untreue verurteilt werden – und zwar insbesondere im Zusammenhang mit einem Hochrisiko-Fonds, den eine Ausgburger Bank aufgelegt hatte.

Für die gelackmeierten Kleinanleger hatte er zunächst erreicht, dass 75 Prozent der angelegten Gelder zurückgezahlt wurden. Statt der vereinbarten sieben Prozent Provision soll er aber 50 Prozent für sich abgezweigt haben – gut 600.000 Euro. Warum der einstige „Robin Hood der Kleinanleger“ quasi die Seiten gewechselt hat, ist bislang unklar.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Rundschau vom 12.02.2020 berichtet.

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