Ein Mann mit einer Kippa nimmt an der Solidaritätskundgebung "Berlin trägt Kippa" der Jüdischen Gemeinde zu Berlin teil. (Foto: dpa / Michael Kappeler)

"Hass ist keine Meinung"

epd   07.11.2019 | 09:50 Uhr

Der saarländische Antisemitismusbeauftragte Roland Rixecker dringt auf mehr Widerspruch gegen Hetze. Es gehe darum, aktiv Meinungen zu widersprechen und diese nicht nur zu sanktionieren, sagte er am Mittwochabend beim Treffen des Arbeitskreises "Kirche und Judentum" der pfälzischen Landeskirche in Saarbrücken.

Menschen müssten wieder zu dem zurückfinden, was sagbar sei. Dabei machte Rixecker deutlich: "Hass ist keine Meinung." Dazu gehöre auch, manche Debatten auszuhalten, um zu erreichen, dass sie nicht mehr stattfinden. "Aushalten heißt nicht über sich ergehen lassen", betonte er. Das Holocaustgedenken ist nach den Worten des Beauftragten des saarländischen Landtags für jüdisches Leben im Saarland und gegen Antisemitismus eine zentrale Aufgabe. "Nicht, um irgendwie Vergangenheitsbewältigung zu betreiben, sondern um uns zukunftsfähig zu machen", sagte er. "Wenn das weitergeht, was wir jetzt zurzeit in Deutschland erleben, dann stehen uns schwierige Zeiten bevor." Das gelte für alle Menschen und nicht nur für jüdische, muslimische oder homosexuelle.

Unterstützung im Kampf gegen Antisemitismus

Prof. Roland Rixecker zu Gast beim SR (Foto: SR / Rick Reitler)
Prof. Roland Rixecker

Rixecker, der seit Januar im Amt ist, erläuterte, seine Arbeit bestehe darin, Menschen bei der Bekämpfung von antisemitischen Vorfällen und ihrer Folgen zu unterstützen. So habe er sich beispielsweise mit einer Kabarettsendung auseinandersetzen müssen und einen saarländischen Verlag dazu bewegt, ein Wort aus dem saarländischen Dialekt mit klar antisemitischer Konnotation aus einem Wörterbuch zu streichen.

Auch habe er sich einer Strafanzeige der Synagogengemeinde gegen einen 17-Jährigen angeschlossen, der auf dem Anrufbeantworter gesprochen habe, dass Synagogen wieder brennen müssten. Bisher wendeten sich jüdische Bürgerinnen und Bürger noch selten an ihn. "Vermutlich, weil sie entweder die Information nicht besitzen oder weil sie Sorge haben, sich an eine letztlich doch staatliche Organisation in Deutschland zu wenden", erklärte der Jurist.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 07.11.2019 berichtet.

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