Passanten mit Schutzmasken gehen in der Fußgaengerzone (Foto: IMAGO / Rupert Oberhäuser)

Experte hält Corona-Maßnahmen für ausreichend - noch

  20.01.2022 | 13:32 Uhr

Das Saarland verzeichnet täglich neue Rekordwerte bei der Corona-Inzidenz. Einen Anlass für strengere Maßnahmen sieht der Homburger Virologe Jürgen Rissland noch nicht, vielmehr müssten die bestehenden Regelungen konsequent umgesetzt werden. Bei weiter steigenden Zahlen könnten allerdings neue Maßnahmen nötig sein - insbesondere etwa an Schulen.

Das Robert-Koch-Institut hat am Donnerstag 1522 neue Corona-Fälle im Saarland gemeldet - so viele wie nie zuvor. Bereits am Vortag war erstmals die Schwelle von 1000 Neuinfektionen innerhalb eines Tages überschritten worden.

Die landesweite Inzidenz stieg auf rund 600 - die Spannbreite in den Landkreisen reicht dabei von 391 im Kreis St. Wendel bis 761 im Regionalverband.

Rissland: Maßnahmenpakete konsequent umsetzen

Aus Sicht des Homburger Virologen Dr. Jürgen Rissland besteht allerdings noch kein Grund, hier mit neuen Maßnahmen gegenzusteuern.

Ähnlich wie schon Ende vergangener Woche Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) betont er aber, dass die bestehenden Regelungen konsequent eingehalten werden müssten. "Da bin ich bei Herrn Lauterbach: Lasst uns das, was wir haben, umsetzen", sagte Rissland.

Masken spielen zentrale Rolle

Eine zentrale Rolle spielten dabei im Moment insbesondere die Masken, die bei der Omikron-Variante besonders effektiv seien. Rissland begründete das mit der höheren Viruslast der Omikron-Variante in den oberen Atemwegen, die laut aktuellen Studien offenbar mit zu der besseren Übertragungsfähigkeit der neuen Virusvariante beitrage. "Wenn ich eine Maske trage, die diese Virenlast reduziert, senke ich auch die Übertragungsrate", so Rissland.

Er betonte zugleich aber, dass Masken alleine nicht reichen würden. Entscheidend sei die Kombination mehrerer Maßnahmen. "Also weiterhin Kontakte reduzieren, testen, Abstand halten, lüften", sagte der Virologe. Und natürlich weiter die Impf- und Boosterquote erhöhen.

In den Kliniken macht sich die Omikron-Welle noch nicht bemerkbar, auch wenn der absinkende Trend nach dem Höhepunkt der Delta-Welle in den letzten Tagen etwas stagnierte. Das liegt zum einen an der fortschreitenden Impfkampagne, aber auch daran, dass sich hohe Fallzahlen bei den Infektionen immer erst mit zwei bis drei Wochen Verzögerung in den Patientenzahlen niederschlagen.

Anteil der jüngeren Infizierten steigt

Zudem sind es derzeit überwiegend jüngere Menschen, die sich mit Corona anstecken. Schon in den vergangenen Wochen lag der Anteil der über 60-Jährigen an allen Fällen bei nur zehn bis zwölf Prozent, in der laufenden Woche ist er nochmal weiter gesunken auf 8,8 Prozent.

Umgekehrt steigt der Anteil der jüngeren Infizierten. Von den gut 3050 Fällen, die das RKI seit Anfang der Woche im Saarland gemeldet hat, waren 35 Prozent unter 19 Jahren.

Mehr als 3200 Schüler in Quarantäne

Das macht sich auch in den Schulen bemerkbar, wo zunehmend Quarantänemaßnahmen angeordnet wurden. Waren Anfang der Woche laut Bildungsministerium 2500 Schüler in Quarantäne, waren es drei Tage später schon 3230 - und damit knapp 2,8 Prozent aller Schülerinnen und Schüler.

Alternativen für Schulbetrieb vorbereiten

Angesichts dieser Entwicklung mahnt Rissland, dass man sich hier auf Alternativen vorbereiten müsse. "Wobei Vorbereitung vielleicht etwas wenig ist. Man muss sich ernsthaft damit auseinandersetzen: Wie geht es weiter?", so Rissland.

Er verweist dabei eine medizinische Leitlinie für Corona-Maßnahmen an Schulen, an deren Erstellung er selbst als Virologe und alle für den Bereich relevanten Fachgesellschaften mitgearbeitet haben.

Schon bei mäßigem Infektionsgeschehen wird in dieser Leitlinie beispielsweise eine Kohortierung von einzelnen Jahrgängen oder Klassen empfohlen, bei hohem oder sehr hohem Infektionsgeschehen auch Wechselunterricht und eine gestaffelte Öffnung nach Jahrgängen, also etwa Präsenzunterricht in den Grundschulen und Distanzunterricht bei älteren Schülern.

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