Das Atomkraftwerk in Cattenom. (Foto: picture alliance / dpa | Christophe Karaba)

Risse in Cattenoms Reaktor beunruhigen Luxemburgs Politiker

Lisa Huth / Onlinefassung: Sandra Schick   14.04.2022 | 21:00 Uhr

In einem der Kühlkreisläufe des Reaktors 3 des Atomkraftwerks Cattenom wurden offenbar Risse festgestellt. Der betreffende Reaktor ist momentan zwar nicht in Betrieb, doch die luxemburgische Regierung ist besorgt und fordert Antworten von der französischen Atomaufsicht.

Im dritten Block des Atomkraftwerks Cattenom wurden offenbar Risse im Rohrleitungssystem einer Sicherheitsanlage festgestellt. Diese Informationen hatte der Energienachrichtendienst montelnews.com zuvor veröffentlicht. Die Angaben stammen demnach aus "Gewerkschaftskreisen" in der Atomanlage.

Die Sicherheitsanlage, in der Risse festgestellt wurden, befindet sich unterhalb des Reaktorkessels - dem eigentlichen Herz eines Reaktors, in dem die atomaren Reaktionen stattfinden.

Risse bei Wartungsarbeiten nicht entdeckt?

Der betroffene Block 3 ist derzeit abgeschaltet. Er war 2021 ein halbes Jahr lang Wartungsarbeiten unterzogen worden und hatte anschließend von der französischen Atomaufsicht grünes Licht für eine Laufzeitverlängerung um weitere zehn Jahre bekommen. Bei diesen Wartungsarbeiten waren die Risse offenbar unentdeckt geblieben.

Im Oktober 2021 waren dann in einem anderen Atomkraftwerk, in Civaux bei Poitiers, Hinweise auf Spannungskorrosion festgestellt worden. Ultraschallkontrollen hatten dort Hinweise auf Rost in den Schweißnähten und Rohrbögen gezeigt.

In der Folge wurden mehrere Blöcke in anderen Atomkraftwerken aufs Neue untersucht. Anfang Februar hatte die EDF mitgeteilt, dass auch der Block 3 von Cattenom deswegen erneut untersucht wird. Die Abschaltung erfolgte dann Ende März.

Luxemburgische Regierung fordert Antworten

Die luxemburgische Regierung verlangt nun Antworten zu den möglichen Rissen am Rohrleitungssystem. Auf der Internetseite der Regierung heißt es, Energieminister Claude Turmes und Umweltministerin Carole Dieschburg hätten sich in einem Schreiben an die französische Atomaufsicht gewandt und Aufklärung gefordert.

Unterdessen fordert Greenpeace Luxemburg die Regierungen in Deutschland und Luxemburg auf, bei den französischen Behörden zu intervenieren. Außerdem müsse die lokale Umweltkommission (CLI) darüber informiert werden, wie der Betreiber EDF weiter verfahren wolle.

Klage von Umweltvereinen

Das Atomkraftwerk Cattenom sieht sich zudem mit einer Klage von Umweltvereinen konfrontiert. Im Februar war im Zuge einer Brandschutzübung in der Atomanlage Öl ausgetreten und in die Mosel gelangt. In der Folge mussten die Moselschleusen bei Apach geschlossen und der Schiffsverkehr gestoppt werden.

Vier Umweltvereine haben deswegen nun Klage beim Gericht in Thionville eingereicht. Sie werfen dem AKW-Betreiber vor, den Austritt eines Öl-Wassergemischs nicht selbst festgestellt zu haben. Er sei erst von den Behörden darüber informiert worden.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 14.04.2022 berichtet.

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