Nachbildung der Justitia neben einem Aktenstapel (Foto: dpa Bildfunk)

Revisionsprozess nach tödlichem Unfall in Güdingen

mit Informationen von Gabor Filipp   24.09.2021 | 15:13 Uhr

Am Freitag ist der Prozess um den Tod eines Motorroller-Fahrers in Saarbrücken-Güdingen wieder aufgerollt worden. Zuvor hatte der Bundesgerichtshof (BGH) das Urteil des Landgerichts Saarbrücken aus 2020 gegen einen Autofahrer aufgehoben. Er hatte 2016 einen Rollerfahrer angefahren und anschließend Fahrerflucht begangen.

Der Unfall passierte, nachdem der Angeklagte auf einer Firmenfeier Whisky und Schnaps getrunken und zudem zuvor Amphetamine und Marihuana konsumiert haben soll. Der mittlerweile 35-Jährige hatte damals den Rollerfahrer in Saarbrücken-Güdingen auf seinem Heimweg von hinten angefahren.

Als Folge dessen war der Mann erst gegen die Windschutzscheibe geprallt und dann auf den Asphalt aufgeschlagen, wo er verletzt liegen blieb. Der Unfallverursacher fuhr, ohne sich um ihn zu kümmern, weiter.

Ursprüngliches Urteil: Fünfeinhalb Jahre Haft

Der Rollerfahrer, ein zweifacher Familienvater, erlag einige Tage später seinen Verletzungen. Die Anklage lautete auf versuchten Mord. Der Angeklagte wurde 2020, vier Jahre nach dem Unfall, zu fünfeinhalb Jahren und Maßregelvollzug verurteilt. Der BGH kassierte jetzt das ursprüngliche Urteil und verwies den Fall an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurück. Dort wird er seit Freitag neu verhandelt.

Angeklagter kann mit milderer Strafe rechnen

Der Vorwurf des versuchten Mordes bleibt weiterhin bestehen. Die Karlsruher Richter haben aber unter anderem beanstandet, dass die Kammer im ersten Prozess bei ihrem Urteil nicht ausreichend den Alkohol- und Amphetaminkonsum des 35-Jährigen kurz vor der Tat berücksichtigt habe. Das sei jedoch für die Steuerungs- und Schuldfähigkeit zum Tatzeitpunkt von Belang.

Zudem sei das Gericht bei der Einweisung des Mannes in eine Entziehungsanstalt fälschlicherweise von einer Suchtproblematik des Mannes ausgegangen und habe die lange Verfahrensdauer nicht zu seinen Gunsten gelten lassen.

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. Der Angeklagte kann jetzt mit einer geringeren Strafe rechnen.

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