Der Homburger Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind (SPD) sitzt vor Beginn des Prozesses wegen Untreue im Landgericht.  (Foto: dpa/Oliver Dietze)

Schneidewind räumt vor Gericht Fehler ein

Thomas Gerber   30.11.2020 | 16:53 Uhr

Im Revisionsprozess zur sogenannten Detektivaffäre beim Baubetriebshof hat der suspendierte Homburger SPD-Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind erneut Fehler eingeräumt. Zum Auftakt des Prozesses vor dem Saarbrücker Landgericht erklärte der 52-Jährige, dass er sein Vorgehen bedauere und heute so nicht mehr handeln würde. Zugleich bot er an, den Schaden wiedergutzumachen.

Gut eine Stunde lang verlas Schneidewind seine schriftliche Stellungnahme - sie war Geständnis und Plädoyer in einem. Dass er das Düsseldorfer Detektivbüro am Stadtrat vorbei mit der Observation von Mitarbeitern des Baubetriebshofes beauftragt habe, tue ihm leid, ärgere ihn inzwischen maßlos, beschäme und belaste ihn. Noch immer sei er wegen Depressionen in psychologischer Behandlung.

Video [aktueller bericht, 30.11.2020, Länge: 2:09 Min.]
Revisionsprozess Schneidewind gestartet

Schneidewind betonte allerdings zugleich, dass er sich weder persönlich bereichert noch der Stadt habe schaden wollen. Ganz im Gegenteil habe er mit der Aufdeckung einer mutmaßlichen Holzmafia Schaden von der Stadt abwenden wollen. Irgendwie sei das ja auch gelungen. Ein Mitarbeiter des Baubetriebshofs sei gekündigt worden, Gerüchte um Unregelmäßigkeiten und Privatgeschäfte von Bauhofmitarbeitern seien inzwischen verstummt, der Betrieb neu organisiert.

Glimpflicheres Urteil möglich

Revisions-Prozess in der Schneidewind-Affäre - eine Einschätzung
Audio [SR 3, Studiogespräch: Janek Böffel/Thomas Gerber, 30.11.2020, Länge: 03:54 Min.]
Revisions-Prozess in der Schneidewind-Affäre - eine Einschätzung

Den entstandenen Schaden von rund 235.000 Euro will Schneidewind wiedergutmachen. 125.000 Euro zahle die Versicherung und 80.000 Euro wolle er selbst beisteuern. Letztlich blieben so lediglich knapp 30.000 Euro an der Stadt hängen. Ob der Stadtrat da allerdings mitmacht, ist noch völlig offen. Der Prozess wird nächsten Montag fortgesetzt.

"Auf den OB-Sessel dürfte Schneidewind so oder so nicht mehr zurückkehren!"
Audio [SR 3, (c) SR 3 Thomas Gerber, 30.11.2020, Länge: 00:53 Min.]
"Auf den OB-Sessel dürfte Schneidewind so oder so nicht mehr zurückkehren!"

Nach Verlesung der Anklage hatte das Gericht zunächst angedeutet, dass Schneidewind im Revisionsverfahren glimpflicher davonkommen könnte als in erster Instanz. Dass es sich um einen Fall von schwerer Untreue handelt, sei nunmehr fraglich. Zudem sei nicht auszuschließen, dass die wochenlange Observation der Bauhofmitarbeiter durchaus wertvolle Erkenntnisse gebracht haben könnte. Schneidewind war in erster Instanz wegen Untreue zu einer Bewährungsstrafe von 15 Monaten verurteilt worden.

Über dieses Thema berichteten die SR-Hörfunknachrichten am 30.11.2020.

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