Ein Mann faesst sich vor Schmerzen an den Bauch. (Foto: picture alliance / dpa Themendienst)

Saarländer leiden häufig unter Reizdarm

Axel Wagner   26.05.2019 | 08:49 Uhr

Völlegefühl, Blähungen und Verstopfungen: Das Reizdarmsyndrom gehört in Deutschland mittlerweile zu den Volksleiden. Im Saarland wird die Diagnose besonders häufig gestellt, zeigt der Arztreport 2019 der Krankenkasse Barmer. Demnach wurde im Jahr 2017 bei rund 15.000 Saarländern ein Reizdarm diagnostiziert.

„Die Anzeichen der Erkrankung sind sehr unspezifisch“, sagt Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der Barmer im Saarland und in Rheinland-Pfalz. Hinzu kommt, dass die Dunkelziffer vermutlich deutlich über der Zahl der diagnostizierten Fälle liegt. „Befragungsstudien legen nahe, dass in Deutschland 17 Prozent der Bevölkerung an einem Reizdarm leiden“, so Kleis. „Viele Betroffene meiden aus Scham den Arztbesuch.“

Video [aktueller bericht, 05.06.2019, Länge: 3:00 Min.]
Reizdarmsyndrom wird immer mehr zum Volksleiden

Professor Daniel Grant, Gastroenterologe am Klinikum Saarbrücken, schränkt die Aussagekraft der Auswertung ein. „Die Zahlen der Barmer zeigen eindeutig, dass die Diagnose im Saarland häufiger gestellt wird als in anderen Regionen. Daraus kann man aber nicht schließen, dass hier das Krankheitsbild häufiger vorkommt.“ Das Reizdarmsyndrom sei eine funktionelle Störung, die sich in unterschiedlichen Ausprägungen zeige.

Häufigste Diagnose im Saarpfalz-Kreis

Die diagnostizierten Reizdarm-Fälle machen etwa 1,5 Prozent der Bevölkerung im Saarland aus. Im Bundesdurchschnitt sind es nur 1,3 Prozent. Am häufigsten wurde der Reizdarm 2017 im Saarland nach Barmer-Angaben im Saarpfalz-Kreis diagnostiziert (1,74 Prozent der Bevölkerung). Danach folgen der Regionalverband Saarbrücken (1,65 Prozent), die Landkreise Merzig-Wadern (1,59 Prozent), St. Wendel (1,4 Prozent) und Saarlouis (1,36 Prozent. Die wenigsten Reizdarm-Fälle gab es mit 1,1 Prozent im Kreis Neunkirchen.

Video [aktueller bericht, 05.06.2019, Länge: 3:52 Min.]
Interview mit Prof. Dr. Winfried Häuser zum Thema Reizdarmsyndrom

Keine einheitlichen Empfehlungen

„Wichtig ist, dass man sich in ärztliche Behandlung begibt“, stellt Barmer-Landespressesprecher Boris Wolff fest. Erste Anlaufstelle solle hierbei der Hausarzt sein. Er kann andere Erkrankungen wie etwa Magengeschwüre oder Darmkrebs ausschließen und die Behandlung koordinieren.

Daten der Barmer

Für ihren Arztreport hat die Krankenkasse nach eigenen Angaben die Daten zur ambulanten Versorgung von mehr als zehn Prozent der Bevölkerung in Deutschland aus den Jahren 2005 bis 2017 ausgewertet.

Für die Linderung von Reizdarm-Beschwerden gebe es wegen der unterschiedlichen Begleiterscheinungen keine einheitlichen Empfehlungen, so Grant.  Ein wichtiger Faktor kann aber die Ernährung sein, denn eine ungünstige Auswahl von Nahrungsmitteln kann die Beschwerden auslösen oder verstärken. Außerdem kann körperliche Bewegung einem Teil der Patienten helfen. Der Schwerpunkt beim Reizdarm liegt Grant zufolge auf einer Behandlung ohne Medikamente.

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