Polizist in Uniform mit Handschellen (Foto: pixabay / cocoparisienne)

Festnahme in Saarbrücker Gesundheitsamt

Thomas Gerber   14.11.2019 | 16:57 Uhr

Ein Mitarbeiter des Gesundheitsamts ist am Donnerstag in seinem Büro beim Regionalverband Saarbrücken festgenommen worden. Er steht im Verdacht der Bestechlichkeit. Dabei geht es um die Genehmigung von Bordellbetrieben überwiegend im Saarpfalz-Kreis.

Es klingt wie eine Geschichte aus einem mittelmäßigen Vorabend-Krimi. Am Vormittag klickten im Gesundheitsamt des Regionalverbands Saarbrücken die Handschellen - an der zentralen Stelle fürs Rotlichtmilieu im Saarland. Sachbearbeiter Christian S. war nämlich gemäß neuem Prostitutionsgesetz zuständig für die Genehmigung sämtlicher Bordelle im Land. Dem gelernten Juristen und Ex-Rechtsanwalt aus Blieskastel wird Bestechlichkeit in elf Fällen vorgeworfen. Seinem zehn Jahre älteren Komplizen Michael K. – ebenfalls Blieskasteler – Bestechung. Sie sollen gemeinsame Sache gemacht und Rotlichtbetriebe abgezockt haben.

Soko "Zauberhäuschen" ermittelt

Demnach steckte Christian S. seinem Komplizen die Namen von Antragsstellern. K. stattete den zukünftigen Bordellbetreibern einen Besuch ab und empfahl sich als Berater. Gegen ein Honorar helfe er beim Ausfüllen der Antragsformulare, die würden dann im Gesundheitsamt Saarbrücken „wohlwollend“ geprüft. Insgesamt sollen so seit Januar 2018 mehrere Tausend Euro Honorar an das Duo geflossen sein.

Kollegengespräch: "Geld für wohlwollende Prüfungen"
Audio [SR 3, Kollegengespräch: Gerd Heger/Thomas Gerber, 14.11.2019, Länge: 02:58 Min.]
Kollegengespräch: "Geld für wohlwollende Prüfungen"

Nicht nur Christian S. sondern auch sein Komplize sitzen nunmehr in Untersuchungshaft. Bei den Rotlichtbetrieben geht es etwa um Thai-Massagen im Saarpfalz-Kreis, aber auch Bordelle und Sweingerclubs in Neunkirchen und Saarbrücken mit teils einschlägigen Namen wie „Erdbeerkuss“ oder „Zauberhäuschen“ – nach letzterem war auch die SoKo der Polizei benannt. Und einige von ihnen waren - wie etwa der "Erdbeerkuss" - auf das Angebot nicht eingegangen.

Schusswaffen und Sprengstoff sichergestellt

Bei den Hausdurchsuchungen am Donnerstag wurde umfangreiches Beweismaterial sichergestellt. Allein 100 Fallakten im Büro von Christian S. Dazu ein komplettes handschriftliches Betriebskonzept für ein Bordell bei ihm zuhause, wo die Beamten auch noch Haschisch fanden.

Termine von Razzien durchgesteckt?

Bei Michael K. wurden die Ermittler ebenfalls fündig – größere Mengen Rauschgift, Schusswaffen und Sprengstoff hatte der Blieskasteler bei sich zuhause gehortet. Auf die Spur des Duos kamen die Rotlichtermittler durch einen Hinweis aus dem Milieu. Eine Bordellbetreiberin wollte das Spielchen nicht mitmachen, wandte sich an die Polizei. Ob die beiden auch Termine von Razzien im Rotlichtmilieu durchgesteckt haben, ist unklar. Nach SR-Informationen gehen die Ermittler dem Verdacht nach.

Bei der Durchsuchung waren die Bediensteten des Regionalverbands laut Staatsanwaltschaft sehr kooperativ, stellten Akten zur Verfügung. Christian S. war früher mal Rechtsanwalt mit eigener Kanzlei in Blieskastel. Seit 2014 arbeitete er beim Stadtverband – zunächst als Sachbearbeiter im Sozialamt. 2017 wechselte er ins Gesundheitsamt und war zuständig für die Genehmigungen der Bordelle im Land.

Gillo setzt Sonderprüfung ein

Regionalverbandschef Peter Gillo (SPD) hat inzwischen reagiert. Eine Arbeitsgruppe „Sonderprüfung Prostitutionsbetriebe“ wurde eingesetzt, um die Genehmigungspraxis des Noch-Sachbearbeiters zu überprüfen. 72 Anträge seien bei ihm seit 2018 eingegangen, 21 Mal gab es eine Erlaubnis, 14 Mal wurde diese verweigert. Die restlichen Fälle, so Gillo, seien noch in Bearbeitung.

Im Saarpfalz-Kreis ist Christian S. durchaus bekannt – für die SPD saß er lange im Blieskasteler Stadtrat. Kommunalpolitisch ist er nach wie vor aktiv – als Mitglied im Ortsrat von Bierbach. An dessen Sitzungen kann er nun bis auf Weiteres nicht mehr teilnehmen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 14.11.2019 berichtet.

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