Marc-Philipp Szathmari, Hofländle (Foto: Sarah Sassou/SR)

Kunden setzen mehr auf Regionales

Sarah Sassou / Onlinefassung: Axel Wagner   27.06.2020 | 11:49 Uhr

Der Fall Tönnies im Kreis Gütersloh bringt viele Kunden ins Grübeln, und das nicht nur wegen Corona, sondern auch wegen der Produktion von Lebensmitteln allgemein. Regionale Produzenten spüren das, und das nicht nur im negativen Sinne.

Marc-Philipp Szathmari sitzt in seinem Büro, ganz lässig in T- Shirt und kurzer Hose. Mit gerade mal 23 Jahren hat er einen besonderen Supermarkt in St. Ingbert aufgebaut, das „Hofländle“. Hier gibt es nur Produkte von regionalen Erzeugern.

Lockdown brachte mehr Kunden

Kunden setzen mehr auf Regionales
Audio [SR 3, Sarah Sassou, 27.06.2020, Länge: 02:37 Min.]
Kunden setzen mehr auf Regionales

Käse und andere Milchprodukte stehen im Kühlschrank, Marmelade, Feinkostsaucen, Apfelsaft, Obst und Gemüse. Hier kann jeder, der in der Region Lebensmittel produziert, verkaufen. Auch eine Eistruhe steht im Verkaufsraum. Als der Lockdown wegen Corona fast alles lahm legte, ging es im „Hofländle“ in der St. Ingberter Stadtmitte so richtig rund. „Es war echt krass“, sagt Szathmari. „An manchen Tagen waren wir zu sechst und sind durchgebrannt, haben nur nachgefüllt.“

Während des Lockdowns nahmen sie täglich zwei- bis dreimal so viel ein wie sonst, erzählt Szathmari. Mit den Lockerungen ging der Absatz dann wieder etwas zurück. „Klar, wir haben Kunden die dann geblieben sind“, sagt er. „Aber wenn man groß darauf schaut, ist es wirklich wieder runter gegangen, wo die Leute dann nochmal in ihren Alltag rein gegangen sind. Und das habe ich auch viel von meinen Landwirten und Partnern gehört, dass das wieder runter gegangen ist.“

Petra Fries, Hirztaler Käserei  (Foto: Sarah Sassou/SR)
Petra Fries, Hirztaler Käserei

Umsatz bei Käserei brach ein

Ein wenig anders hat man den Lockdown in der Hirztaler Käserei in Illingen-Hirzweiler erlebt, erzählt Geschäftsführerin Petra Fries. Ein Grund: Nur einer kleiner Teil der Käseprodukte wird auf Wochenmärkten verkauft, der Löwenanteil geht an Supermärkte. Und dort muss das Bewusstsein für regionale Produkte bei den Kunden erst geweckt werden, zum Beispiel durch Verkostungen, erzählt Petra Fries. „Aber das war jetzt halt in der letzten Zeit nicht möglich, diese Verkostungen durchzuführen. Und dann liegt halt der Käse in der Theke und wird vielleicht dann auch nicht so als regionales Produkt wahrgenommen.“

Hinzu kommt: Auch viele Gastronomen verarbeiten normalerweise den Hirzweiler Käse. Die Gastronomie lag aber seit Mitte März fast komplett still. „Vereinzelt wird jetzt in der letzten Zeit bestellt, aber doch relativ selten“, so Fries.

Von der Relevanz überzeugt

Jetzt sind die zehn Mitarbeiter der Käserei erst mal in Kurzarbeit. Anstatt 10.000 Liter Milch werden nur noch 4000 Liter pro Woche zu Käse verarbeitet. Aber es kommen auch wieder bessere Zeiten, ist sich Petra Fries sicher. Und auch Hofländle-Chef Marc Philipp Szathmari aus St. Ingbert ist überzeugt von der Relevanz regionaler Produkte „Regional einkaufen, das ist nicht nur ein Unterschied in der Qualität, sondern das bedeutet auch, dass ein Mensch dahinter steckt, der das mit sehr viel Herzblut und Handarbeit geleistet hat, und dass man in diesen Menschen auch investiert, wenn man seine Produkte kauft.“

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Über dieses Thema hat auch SR3 Guten Morgen vom 27.06.2020 berichtet.

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