Haselnussblüte (Foto: dpa/Wolfgang Kumm)

Regen und Gewitter belasten Allergiker

Sandra Schick   24.04.2019 | 09:08 Uhr

Regen wäscht die Luft von Pollen rein, Allergiker können aufatmen - so die gängige Meinung. Doch so einfach ist es nicht. Allergologe Kai-Uwe Reinert erklärt SR.de, warum im Umfeld des Regens die Allergiesymptome sogar noch schlimmer werden können.

Starker Regen wäscht zwar die Pollen aus der Luft, kurzfristig kann er also eine Entlastung für Allergiker bedeuten. Aber: "Im Umfeld des Regens steigt die Belastung, die Pollen sind aggressiver", sagt Allergologe und Pneumologe Kai-Uwe Reinert. Das liege an der hohen Luftfeuchtigkeit: "Bei Regen quellen Pollen auf, das Pollenkorn öffnet sich, die Inhaltsstoffe werden freigesetzt, die Belastung für Allergiker steigt an", erklärt Reinert.

Häufig werde dieses Phänomen auch vor und nach Gewittern beobachtet. Vor Sommergewittern steigt die Luftfeuchtigkeit, Experten sprechen dann vom "Gewitterasthma", so Reinert. Generell könne man sagen: Bei feucht-warmer Luft steigt die Belastung für Allergiker. Bei Trockenheit und großer Hitze hingegen bleiben die Pollen zu, die Belastung sinkt also.

Wechselwirkungen von Pollen und Luftschadstoffen

Wer glaubt, in den Städten weniger Probleme mit einer Pollenallergie zu haben als auf dem Land, der irrt ebenfalls. "In Städten haben wir teilweise erhebliche Belastungen durch die Pollen der Bäume", so Reinert. Verstärkt wird das vermutlich durch Abgase und andere Luftschadstoffe. Sie können Wechselwirkungen mit den Pollen haben, vermuten Wissenschaftler.

Zudem haben Forscher der Technischen Universität München schon vor Jahren herausgefunden, dass in europäischen Städten die Pollenmenge immer weiter ansteigt. Im Durchschnitt liegt der Zuwachs der Pollenmenge bei drei Prozent pro Jahr. Wahrscheinlichste Ursache dafür ist die steigende CO2-Konzentration, so die Wissenschaftler. Eine höhere Kohlendioxid-Konzentration in der Luft kann das Pflanzenwachstum und damit die Pollenproduktion beschleunigen. Fazit der Forscher: Der Klimawandel begünstigt die Entstehung von Allergien.

In Städten ist die Pollenbelastung abends hoch

Einen Unterschied gibt es auch bei der täglichen Belastung im Hinblick auf die Uhrzeit. In Städten ist die Pollenbelastung abends am höchsten. Gebäude und Straßen speichern die Wärme tagsüber und lassen sie erst im Laufe der Nacht langsam entweichen. Bei Wärme können sich die Pollen besser verbreiten. In ländlichen Gegenden ist die Pollenbelastung morgens meist am höchsten.

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