Illustration - Eine Frau nimmt aufgrund der Ausbreitung des Coronaviruses aus ihrem Wohnzimmer an einer Telefonkonferenz teil. (Foto: picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)

Das Homeoffice und die Bürokratie

Christian Leistenschneider   18.07.2020 | 16:51 Uhr

Die erste Corona-Welle hat zahlreiche Arbeitnehmer ins Homeoffice gespült. Auch nach ihrem Abebben wollen oder sollen viele dort bleiben. Dann müssen aber die rechtlichen Bedingungen geklärt sein, sagt die Arbeitskammer des Saarlandes.

Ein Recht auf Homeoffice gibt es nicht. Viele Angestellte wünschen sich, regelmäßig von zu Hause aus zu arbeiten, sie haben darauf aber keinen gesetzlichen Anspruch. Während Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) das ändern will und eine Gesetzesinitiative angekündigt hat, warnt Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) vor einem Übermaß an Bürokratie.

Dabei gibt es im deutschen Recht streng genommen noch nicht einmal den Begriff Homeoffice. In den einschlägigen Gesetzen und Verordnungen kommt er nicht vor. „Das Wort wird oft umgangssprachlich verwendet und kann eine Form der Telearbeit oder des mobilen Arbeitens meinen“, erklärt Beatrice Zeiger, Geschäftsführerin der Arbeitskammer des Saarlandes. Für die beiden Arbeitsformen gelten unterschiedliche Bedingungen.

Rechtliche Vorgaben der Telearbeit

Wer nur gelegentlich von zu Hause aus arbeitet oder nach Feierabend noch Mails checkt, der verrichtet „Mobile Arbeit“. Das besagt jedenfalls die deutsche Arbeitsstättenverordnung, die die Sicherheit und den Schutz der Gesundheit der Beschäftigten regelt. Dieses Arbeitsmodell soll „neben der Tätigkeit im Büro noch Arbeiten außerhalb der regulären Arbeitszeit zuhause oder unterwegs ermöglichen“.

Wird der Arbeitsplatz hingegen vom Betrieb in die Privatwohnung verlegt, gilt das als Telearbeit, und die ist recht streng reglementiert. Zum einen muss genau festgelegt sein, wie viel der wöchentlichen Arbeitszeit von zu Hause aus geleistet wird, und für wie lange die Vereinbarung gilt.

Zum anderen muss der Arbeitgeber den Telearbeitsplatz mit geeignetem Mobiliar ausstatten sowie notwendige technische Geräte und Arbeitsmittel zur Verfügung stellen. Dabei sind bestimmte Vorgaben zum Gesundheitsschutz des Arbeitnehmers zu beachten, es müssen etwa ein ergonomischer Stuhl und ein geeigneter Schreibtisch gestellt werden, ein Fenster muss vorhanden sein, der Computer-Bildschirm darf aber nicht spiegeln.

Krisensituation und rechtliche Standards

Diese Bedingungen waren wohl in den wenigsten Heimbüros erfüllt, die während der Corona-Zeit eingerichtet wurden. Da mussten eher Küchentisch, Couch und Privatlaptop als Arbeitsumgebung herhalten. „Das war der Not geschuldet, eine absolute Ausnahmesituation – und unter den Umständen sicher gerechtfertigt“, sagt Beatrice Zeiger. „Eine dauerhafte Lösung kann das aber nicht sein.“

Wenn die akute Krisensituation jetzt ausläuft, müssten wieder andere Standards gelten, sagt die Arbeitskammer-Vertreterin. „Sobald der Großteil der Arbeitszeit, sei es hinsichtlich der Tages- oder der Wochenarbeitszeit, in Privaträumen stattfindet, ist es Telearbeit, und dann gelten auch die entsprechenden Vorgaben.“

Sei geplant, dass Arbeitnehmer künftig weiter im Homeoffice arbeiten, sollte mit dem Arbeitgeber eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen werden, rät Zeiger. Gibt es in der Firma keinen Betriebs- oder Personalrat, sollte der Arbeitnehmer die Bedingungen mit dem Arbeitgeber schriftlich festlegen.

Unfälle nicht automatisch abgesichert

Arbeitnehmer, die im Homeoffice arbeiten, ohne dass es im Sinne der Arbeitsstättenverordnung abgesichert ist, riskieren grundsätzlich rechtlich nichts, sagt Zeiger. Sie betont aber, dass auch hier die arbeitsrechtlichen Anforderungen gelten. Für den Arbeitgeber könnte das irgendwann ein Problem werden. „Wenn ein Arbeitnehmer Rückenschmerzen entwickelt, weil er zu Hause an einem ungeeigneten Arbeitsplatz gesessen hat, könnte er gegenüber dem Arbeitgeber schon Haftung geltend machen.“

Schwieriger sieht es für Arbeitnehmer beim Thema Arbeitsunfällen aus – und zwar unabhängig von der Arbeitsstättenverordnung. Denn da sind die Absicherungen durchaus eingeschränkt. Ein Sturz beim Wasserholen während der Arbeit zu Hause gelte nämlich anders als beim Gang in die Betriebsküche nicht als Arbeitsunfall, sagt Beatrice Zeiger. Gleiches gelte auch für den Weg zur Toilette. Die Geschäftsführerin der Arbeitskammer rät Arbeitnehmern im Homeoffice darum, sich unfallrechtlich extra abzusichern.

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