Ein Schild mit der Aufschrift "Keine Impfpflicht" (Foto: IMAGO / U. J. Alexander)

Saar-Virologin hält Entscheidung gegen Impfpflicht für nachvollziehbar

  07.04.2022 | 17:15 Uhr

Es wird vorläufig keine allgemeine Impfpflicht in Deutschland geben: Die Homburger Virologin Barbara Gärtner hält diese Entscheidung des Bundestags für nachvollziehbar. Für einen entsprechenden Antrag der Ampel-Koalition war keine Mehrheit zustande gekommen.

Die lang diskutierte Impfpflicht gegen das Coronavirus ist gescheitert. Das ist das Ergebnis einer Debatte im Bundestag. Aus virologischer Sicht mache eine Impfpflicht gerade aber auch nicht viel Sinn, sagt Prof. Barbara Gärtner, Virologin am Uniklinikum in Homburg. Aktuell sei das Gesundheitswesen durch die Omikron-Variante nicht sehr stark belastet.

Professorin und Fachärztin Barbara Gärtner zur aktuellen Debatte einer Impfplicht ab 60 Jahren
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 07.04.2022, Länge: 03:29 Min.]
Professorin und Fachärztin Barbara Gärtner zur aktuellen Debatte einer Impfplicht ab 60 Jahren

Die Impfung habe zudem auch schon mal besser geschützt als in der Omikron-Welle, so Gärtner: „Die Inzidenzen der Geimpften und Ungeimpften sind annähernd gleich, wenn man rein auf die Infektionen schaut“. Bei schweren Infektionen gebe es aber noch große Unterschiede, daher sei Impfen grundsätzlich nach wie vor wichtig.

Virologin Gärtner: "Man kann jetzt keine vernüftigen Vorhersagen machen, was im Herbst passiert"
Audio [SR 3, Interview: Nadine Thielen, 07.04.2022, Länge: 04:04 Min.]
Virologin Gärtner: "Man kann jetzt keine vernüftigen Vorhersagen machen, was im Herbst passiert"

„Keine Impfpflicht nur auf Verdacht“

Man könne keine solch einschneidende Maßnahme wie eine Impfpflicht nicht auf Verdacht durchsetzen. Dafür brauche es einen echten Ausnahmefall, zum Beispiel eine drohende Überlastung des Gesundheitssystems.

Eine Prognose für den Herbst will Gärtner nicht wagen: „Wir wissen nicht, wie es dann aussieht.“ Das sei auch einer der Gründe, warum sie das Scheitern der Impfpflicht nachvollziehen kann.

Jetzt impfen lassen oder auf Omikron-Impfstoff warten?

Wer überlegt, sich jetzt impfen oder nochmal boostern zu lassen oder auf einen möglichen Omikron-Impfstoff zu warten, für den hat Gärtner eine eindeutige Antwort: Es sei besser, sich so schnell wie möglich impfen zu lassen, statt zu warten.

Das Entscheidende sei, dass die Impfung einem schwereren Verlauf vorbeugen und die Menschen damit vorm Krankenhausaufenthalt bewahren könne. Bisher gebe es auch noch keinen zugelassenen Omikron-Impfstoff, und es sei auch nicht sicher, ob der tatsächlich komme.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Sendung "Region am Nachmittag" vom 07.04.2022 berichtet.

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