Radon im Grubenwasser (Foto: SR)

Radon-Belastung im Saarland ungeklärt

Christian Leistenschneider   17.07.2018 | 12:32 Uhr

Die saarländischen Behörden haben keine aktuellen Zahlen zur Belastung öffentlicher Gebäude mit dem krebserregenden Stoff Radon. Wie das Umweltministerium mitteilte, liegen die letzten Messkampagnen zu dem radioaktiven Gas neun Jahre zurück. Da Ende des Jahres neue Referenzwerte in Kraft treten, sollen ab 2019 neue Messdaten erhoben werden. Die geplanten Grubenflutungen könnten lokal zu einem Anstieg der Radon-Konzentration führen.

Systematische Radon-Kontrollen gibt es hierzulande bislang nicht. Die einzigen saarlandweiten Raumluftmessungen wurden laut Umweltministerium zwischen 2001 und 2003 in 398 Wohngebäuden durchgeführt. Sie ergaben in Wohnräumen einen durchschnittlichen Wert von 55 Becquerel pro Quadratmeter (Bq/m³). Die einzelnen Messergebnisse schwankten allerdings stark, sie lagen zwischen elf und 830 Bq/m³. Wie hoch die Belastung in öffentlichen Gebäuden – etwa in Schulen – ist, sei unklar. Nach Inkrafttreten des Strahlenschutzgesetzes am 31.12.2018 gilt in Aufenthaltsräumen ein Referenzwert von 300 Bq/m³. Orientiert an diesem Wert soll über Maßnahmen zum Radon-Schutz entschieden werden.

Radon-Kataster gefordert

Radon ist ein natürliches Edelgas, das im Erdboden und in Baumaterialien vorkommt. Das Einatmen von Radon zählt laut Bundesamt für Strahlenschutz neben dem Rauchen zu den größten Risiken, an Lungenkrebs zu erkranken. Angesichts der geplanten Flutung der saarländischen Gruben durch den Bergbaukonzern RAG hat der Allgemeinmediziner Karl-Michael Müller aus Quierschied vor der Freisetzung von Radon gewarnt. Außerdem forderte er die Einrichtung eines Radon-Katasters, das Austrittsstellen und Mengen des Gases kartiert. In Rheinland-Pfalz und auch in Lothringen seien solche Radon-Kataster schon seit längerem Standard.