Ein Warnschild weist auf Radioaktivität hin (Foto: dpa/Jens Büttner)

Radon: Gefährliches Gas soll gemessen werden

Kai Forst   11.12.2019 | 14:09 Uhr

Das radioaktive Gas Radon ist nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Um herauszufinden, wo die Radonbelastung im Saarland besonders hoch ist, können 1200 Haushalte kostenlos an einer Messung durch das Umweltministerium teilnehmen.

Was ist eigentlich Radon? Viele Deutsche werden diese Frage nicht gänzlich korrekt beantworten können. Und: Laut einer aktuellen Umfrage des Bundesamtes für Strahlenschutz machen sich verhältnismäßig wenige Menschen Sorgen um Radon in der Umwelt. Dabei ist klar: Gelangt das geruchlose Edelgas aus dem Baugrund etwa durch Spalten und Risse in Gebäude und wird dort über einen längeren Zeitraum in erhöhtem Maße eingeatmet, erhöht es das Lungenkrebsrisiko der Bewohner.

Video [aktueller bericht, 11.12.2019, Länge: 3:33 Min.]
Ministerium stellt Vorsorgekonzept zur Radonbelastung vor

Radon erhöht das Lungenkrebsrisiko

Mehr Messstationen für Radion im Saarland
Audio [SR 3, Mirko Tomic, 11.12.2019, Länge: 00:58 Min.]
Mehr Messstationen für Radion im Saarland

Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz ist Radon die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Etwa fünf Prozent der Todesfälle durch Lungenkrebs in der Bevölkerung gehen auf Radon in Gebäuden zurück. Das Problem: Noch ist nicht ausreichend belegt, wo im Saarland die Radonbelastung besonders hoch ist und damit eine Gesundheitsgefahr für die Bürger darstellen kann.

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen und festzustellen, wo sogenannte Radonvorsorgegebiete liegen, soll das Saarland künftig zusätzliche Messstationen bekommen. Hintergrund ist, dass die EU alle Mitgliedstaaten verpflichtet hat, solche Gebiete auszuweisen, in denen es eine besonders hohe Radon-Belastung gibt.

Boden und Wohnhäuser sollen gemessen werden

Laut Umweltministerium liegen bereits über 113 Messwerte für die verschiedenen Regionen im Saarland vor. So wurden etwa im Nohfeldener Becken und in Gegenden mit Muschelkalk (Bliesgau, Perl) erhöhte Werte festgestellt. Diese älteren Werte seien aber nicht ausreichend, um sicher sagen zu können, dass es sich um ein Risikogebiet handele. Daher sollen bis zu 70 weitere, noch festzulegende Messorte durch das Landesamt für Umwelt und Arbeitsschutz (LUA) getestet werden. Gemessen werden soll im Boden und in Häusern.

1200 Teilnehmer gesucht

Die Teilnahme am Raumluft-Messprogramm des Umweltministeriums ist freiwillig und kostenlos. Interessierte Bürgerinnen und Bürger können sich über die Radonseite des Ministeriums anmelden oder das Anmeldeformular per E-Mail (radon@umwelt.saarland.de) oder auf postalischem Weg anfordern.

„Wir werden jetzt zunächst Messdaten zur Radonaktivität im Boden und in der Raumluft von Wohngebäuden sammeln. Anschließend werden wir zielgenau Handlungsempfehlungen entwickeln“, sagte Umweltminister Reinhold Jost (PSD) am Mittwoch. Hausbesitzer können sich ab sofort für das kostenlose Messprogramm beim Umweltministerium bewerben. Insgesamt 1200 Teilnehmer werden gesucht. Die Messungen erfolgen laut Ministerium „ohne großen technischen Aufwand oder sonstige Einschränkungen“, indem eine Messdose über einen Zeitraum von mehreren Monaten im Haus aufgestellt wird.

Systematische Radon-Kontrollen in Wohngebäuden gab es bislang nicht. Die einzigen saarlandweiten Raumluftmessungen wurden laut Umweltministerium zwischen 2001 und 2003 in 398 Wohngebäuden durchgeführt. Sie ergaben in Wohnräumen einen durchschnittlichen Wert von 55 Becquerel pro Quadratmeter (Bq/m³). Die einzelnen Messergebnisse schwankten allerdings stark, sie lagen zwischen elf und 830 Bq/m³. Nach Inkrafttreten des Strahlenschutzgesetzes am 31.12.2018 gilt in Aufenthaltsräumen ein Referenzwert von 300 Bq/m³.

Mehr zum Thema

Weitere Informationen finden Sie auch auf der Homepage des Bundesamtes für Strahlenschutz.

Wie hoch die Belastung in öffentlichen Gebäuden – etwa in Schulen – ist, ist derzeit unklar. Ein eigenes Messprogramm in Schulen und Kitas soll die Datenerhebung im Laufe des kommenden Jahres ergänzen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 11.12.2019 berichtet.

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