Eine goldfarbene Justitia-Figur steht vor Aktenmappen (Foto: picture alliance/Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa)

Bewährungsstrafe und Geldbuße für Kommissar

Thomas Gerber   28.08.2020 | 13:59 Uhr

Sieben Monate auf Bewährung sowie 3500 Euro Bewährungsauflage – so das Urteil des Amtsgerichts Saarbrücken im Prozess gegen einen 35 Jahre alten Polizeikommissar. Der Beamte hatte im Rahmen einer Verfolgungsfahrt vor eineinhalb Jahren in Saarbrücken Güdingen einen schlimmen Unfall verursacht, bei dem seine Beifahrerin, eine 22 Jahre alte Polizistin, ums Leben gekommen war.

Das Gericht sprach von einem groben Pflichtverstoß, denn bei der Verfolgung eines mutmaßlichen Alkoholsünders in Richtung Frankreich habe der Beamte gleich gegen mehrere Vorschriften verstoßen. 152 Stundenkilometer kurz vor einem Kreisverkehr seien unangemessen, parallel dazu habe der Beamte auch noch den Funkverkehr bedient, das Navi aber, das ihn auf die Gefahrenstelle hätte hinweisen können, habe er nicht aktiviert.  Der Staatsanwalt sprach in seinem Plädoyer von einer völlig überzogenen Aktion, denn eine Nacheile, sprich eine Verfolgung des mutmaßlichen Alkoholsünders in Frankreich, wäre gar nicht erlaubt gewesen.  

Video [aktueller bericht, 28.08.2020, Länge: 2:38 Min.]
Urteil nach tödlicher Verfolgungsfahrt

Polizist wegen fahrlässiger Tötung verurteilt
Audio [SR 3, (c) SR/Thomas Gerber, 28.08.2020, Länge: 04:14 Min.]
Polizist wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

Angesichts der Schwere der Schuld reiche eine Geldstrafe nicht aus – deshalb sieben Monate auf Bewährung wegen fahrlässiger Tötung. Das Urteil, so die Richterin, solle auch Mahnung für alle Polizeibeamten sein, im Einsatz nicht zu überziehen. Für den 35 Jährigen bedeutet es, dass er nicht automatisch aus dem Dienst entfernt werden muss, ihm drohen aber Disziplinarmaßnahmen. Noch im Gerichtssaal verzichteten alle Beteiligten auf Rechtsmittel – die sieben Monate werden also rechtskräftig. Der Unfall hatte über die Landesgrenzen hinaus für Bestürzung gesorgt.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 28.08.2020 berichtet.

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