Eine goldfarbene Justitia-Figur steht vor Aktenmappen (Foto: picture alliance/Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa)

Prozessbeginn nach Bombenanschlag auf Shisha-Bar

Thomas Gerber / Onlinefassung: Leonie Rottmann   31.08.2020 | 18:34 Uhr

Nach dem Sprengstoffanschlag auf eine Saarbrücker Shisha-Bar vom August 2016 hat am Montag vor dem Landgericht der Prozess gegen den mutmaßlichen Drahtzieher begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 31-Jährigen neben Anstiftung zu versuchtem Mord illegalen Waffenbesitz und Drogenhandel vor.

Prozessbeginn nach Bombenanschlag auf Shisha-Bar
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 31.08.2020, Länge: 01:05 Min.]
Prozessbeginn nach Bombenanschlag auf Shisha-Bar

Der Anschlag auf die überwiegend von Kurden besuchte Shisha-Bar in der Saarbrücker Eisenbahnstraße hatte 2016 für Schlagzeilen gesorgt. Er war Höhepunkt einer bundesweiten Auseinandersetzung zwischen meist türkischstämmigen Osmanen und kurdischen Bahoz. Bei der Detonation war Sachschaden entstanden, verletzt wurde niemand.

Zwei Tage vor dem Anschlag auf die Bar war ein Mitglied der Osmanen offenbar von Bahoz in Dudweiler zusammengeschlagen worden. Bei diesem Angriff sollen auch Schüsse gefallen sein. Die Polizei geht davon aus, dass es bei den Auseinandersetzungen in erster Linie um Revierkämpfe im Dorgenmilieu geht. Politische Hintergründe werden allerdings nicht ausgeschlossen. Nach dem Verbot der Osmanen durch Bundesinnenminister Seehofer Mitte 2018 hatte sich die Lage beruhigt.

Spur durch verdeckte Maßnahmen

Der angeklagte gebürtige Kongolese war Präsident der inzwischen verbotenen rockerähnlichen türkischen Gruppierung „BC Osmanen Germany“ im Saarland und soll den Anschlag auf die Saarbrücker Shisha-Bar 2016 als „Vergeltungsaktion“ für eine Attacke auf ein Osmanenmitglied durch die kurdischen „Bahoz“ geplant haben. Die Tat selbst soll von Mitgliedern der Osmanen aus Hessen durchgeführt worden sein. In diesem Zusammenhang hat die Staatsanwaltschaft die Auslieferung eines Beschuldigten in Russland beantragt, der derzeit dort in anderer Sache in Haft sitzt.

Vereinsheim verwanzt

Die Ermittler kamen Angeklagten insbesondere aufgrund verdeckter Maßnahmen auf die Spur. Dabei wurden nicht nur Telefone abgehört. Im Zuge der bundesweiten Ermittlungen war vielmehr nach SR-Informationen auch das Vereinsheim des sogenannten „World Chapters“ der Osmanen in Hessen verwanzt worden. Aus dort geführten Gesprächen ließ sich der Verdacht gegen den 31-jährigen Kongolesen und einen weiteren Beschuldigten erhärten.

Der Tatverdächtige hat sich bislang zu den Vorwürfen nicht geäußert. Er war im November 2016 festgenommen worden, befindet sich zwischenzeitlich aber wieder auf freiem Fuß.

Vor Gericht wurde am ersten Prozesstag ausführlich über polizeilich abgehörte Handygespräche und WhatsApp-Nachrichten berichtet. Diese legen nahe, dass der damalige Chef der Osmanen im Saarland Hilfe aus anderen Bundesländern angefordert hatte. Dass er den Handgranatenanschlag in Auftrag gegeben hatte, wurde von einem Zeugen allerdings verneint.

Über dieses Thema hat auch der aktuelle bericht vom 31.08.2020 berichtet.

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