Der Hauptangeklagte im Verhandlungssaal des Landgerichts Kaiserslautern. (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Pool | Uwe Anspach)

Neue Details zum Hauptangeklagten Andreas S. bekanntgeworden

  13.08.2022 | 18:13 Uhr

Der Hauptangeklagte im Prozess um die tödlichen Schüsse auf zwei junge Polizisten aus dem Saarland, Andreas S., soll hochverschuldet sein. Derweil hat sich der 39-jährige über Anfeindungen und Provokationen beklagt, denen er im Gefängnis ausgesetzt sei.

Im Prozess um die mutmaßlichen Polizistenmorde nahe Kusel sind zur Situation des Hauptangeklagten beim zwölften Prozesstag vor dem Landgericht Kaiserslautern neue Einzelheiten bekanntgeworden.

Wie ein Sachverständiger am Freitag vor Gerichte aussagte, belaufen sich die Schulden des 39-jährigen Andreas S. auf insgesamt 2,4 Millionen Euro. Diese habe er bei über 100 Gläubigern gehabt.

Der Sachverständige zitierte zudem aus Chatverläufen, in denen der Angeklagte Händlern erlegtes Wild anbot: "Wie immer mit Kopfschuss." Bei einem anderen Händler hieß es: "Alles Kopfschuss natürlich." Der Experte sagte daraufhin zum Hauptangeklagten: "Kopfschuss war Ihre Visitenkarte."

S. beschwert sich über Anfeindungen in Haft

Der Hauptangeklagte hörte am Freitag aufmerksam zu und besprach sich mehrfach mit seinen Anwälten. Im Prozessverlauf beklagte er, er werde in der Untersuchungshaft "angefeindet und provoziert".

Er bitte demnach um mehr Schutz. "Irgendwann ist meine Geduld zu Ende und es eskaliert. Der Letzte, der mich herausgefordert hat, hat es nicht überlebt", sagte der 39-Jährige. Richter Raphael Mall erwähnte eine mögliche Verlegung. "Das Problem ist: Sie kennt ganz Deutschland", erklärte er.

Videoaufzeichnung soll mehr Klarheit schaffen

Gleichzeutig deutet sich im Streit über die Glaubwürdigkeit des Mitangeklagten Florian V. eine Lösung an. So hat das Gericht in Aussicht gestellt, die Videoaufzeichnungen seiner polizeilichen Vernehmung nun doch als Beweismittel zuzulassen.

Der 33-Jährige hatte den Hauptangeklagten Andreas S. für die Schüsse auf die beiden Polizisten allein verantwortlich gemacht. Doch in seinen Aussagen gibt es Widersprüche zur Spurenlage vor Ort. Vor Gericht schweigt V. weiter zur Tatnacht. Die Videoaufzeichnung sei hier eine Chance für mehr Klarheit, so auch die Einschätzung der Nebenklage.

Der Prozess wird am 2. September fortgesetzt, Termine sind bis Ende November angesetzt.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 13.08.2022 berichtet.

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