Der Hauptangeklagte kommt in den Verhandlungssaal des Landgerichts Kaiserslautern (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Pool | Uwe Anspach)

Kusel-Prozess: Gericht lehnt Tatortbegehung ab

  21.07.2022 | 15:16 Uhr

Im Prozess um den mutmaßlichen Mord an zwei aus dem Saarland stammenden Polizisten hat das Landgericht Kaiserslautern einen Antrag der Verteidigung auf eine Tatortbegehung abgelehnt. Außerdem soll sich der Hauptangeklagte im Netz über Wilderei und die Strafen dafür informiert haben. Die Obduktion der beiden Polizisten belegt erneut die Brutalität der Tat.

Im Mordprozess um die tödlichen Schüsse auf zwei Polizisten bei Kusel wurden am Donnerstag beim zehnten Prozesstag weitere Zeugen befragt. Zuvor lehnte das Gericht aber einen Antrag der Verteidigung des Hauptangeklagten Andreas S. ab.

Begehung nicht notwendig

Diese hatte eine Tatortbegehung beantragt. Ein solcher Auswärtstermin zur Tatnachstellung bei Ulmet nahe Kusel sei nicht erforderlich, sagte Richter Raphael Mall. Die im Prozess geäußerten Schilderungen des Hauptangeklagten hätten anhand von Fotos und Plänen bereits im Gerichtssaal geprüft werden können. S. habe "sehr bildlich" dargestellt, wo er wann während der Tat gestanden haben will.

Wilderei-Texte auf dem Handy

Anschließend wurden die Zeugen vernommen, darunter ein IT-Spezialist der Polizei, der S.' Smartphone ausgewertet hatte. Darauf habe er unter anderem den Screenshot eines Textes aus der "Saarbrücker Zeitung" gefunden. Der Bericht soll darüber aufgeklärt haben, was Wilderei genau ist.

Ein zweiter Screenshot auf dem Handy habe die Frage behandelt, welche Freiheitsstrafen einem Wilderer drohen. Außerdem sei das Bild einer Pistole mit dem hinzugefügten Spruch "3G Geölt Geladen Griffbereit" gefunden worden, ebenso Videoclips mit getöteten Tieren.

Die Verteidigung warf dem Sachverständigen eine "subjektive Wertung" des Handy-Inhalts vor. "Ich wusste ja, was mir bei Wilderei droht", sagte der Hauptangeklagte dazu. "Geldstrafe oder Bewährungsstrafe. Es macht gar keinen Sinn, jemanden zu erschießen."

Video [aktueller bericht, 21.07.2022, Länge: 2:30 Min.]
Gericht lehnt Tatortbegehung im Kuseler Mordprozess ab

Brutale Tat

Die Obduktion der beiden getöteten Polizisten zeigt erneut die Brutalität der Tat. Nach dem am Donnerstag vorgelegten Obduktionsergebnis wies der Körper der jungen Polizistin schwerste Kopfverletzungen von zwei Gewehrschüssen auf, wie ein Rechtsmediziner vor Gericht aussagte.

Bereits nach dem ersten Schuss sei das Bewusstsein der 24-Jährigen "erloschen oder stark eingeschränkt" gewesen. Der zweite, "todesursächliche" Schuss, sei aus einer Entfernung von maximal einem Meter abgegeben worden.

S. hatte zuvor im Prozess ausgesagt, sein Komplize habe die Polizistin erschossen. Er selbst habe zwar den Polizisten getötet, aber in einer Art Notwehrsituation. Im weiteren Verlauf hatte S. außerdem behauptet der Angeklagte, in der Vergangenheit Streit mit dem Vater des getöteten Polizeioberkommissars gehabt zu haben.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 21.07.2022 berichtet.

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