Nachbildung der Justitia neben einem Aktenstapel (Foto: picture alliance / dpa | Volker Hartmann)

Hauptangeklagter im Schleuserprozess belastet seinen Cousin

mit Informationen von Thomas Gerber   03.05.2022 | 15:38 Uhr

Im Prozess gegen eine fünfköpfige Schleuserbande hat der mutmaßliche Bandenchef am Dienstag seinen mitangeklagten Cousin schwer belastet. Die Bande soll 2015/16 mehr als 120 meist syrische Flüchtlinge von Budapest und Italien illegal nach Deutschland gebracht und dafür rund 120.000 Euro kassiert haben.

Sein acht Jahre jüngerer Cousin habe über die Kontakte zu den Flüchtlingen verfügt und die Fahrten vereinbart: Das ließ der Hauptangeklagte in dem Schleuserprozess vor dem Saarbrücker Landgericht, ein 34-jährige Bauingenieur aus dem Saarland, am Dienstag über seinen Anwalt erklären.

Außerdem wirft er seinem Cousin vor, hinter seinem Rücken höhere Preise mit den Flüchtlingen ausgemacht zu haben: bis zu 2.500 Euro pro Person.

Wer war der Kopf der Schleuserbande?

Die Strategie dahinter ist offensichtlich: Der Hauptangeklagte versucht, die Rolle des Bandenchefs loszuwerden. Denn ansonsten droht ihm - anders als den anderen Angeklagten - eine Haftstrafe deutlich über der Bewährungsgrenze von zwei Jahren. In Vorgesprächen mit der Verteidigung hatte das Gericht bei einem vollumfänglichen Geständnis zwischen drei und dreieinhalb Jahren in den Raum gestellt.

Darüber hinaus versuchte der Anwalt am Dienstag auch den von der Staatsanwaltschaft ermittelten Gewinn zu minimieren. In einigen Fällen, für die teure Leihwagen angemietet werden mussten, habe man sogar Verlust gemacht.

Flüchtlinge wurden gut behandelt

Mehrere syrische Flüchtlinge berichteten im Anschluss von den Schleuserfahrten. 500 Euro pro Person habe etwa die Route Mailand-München gekostet. Die Fahrer hätten sie gut behandelt, ihnen bei Pausen Wasser und Zigaretten angeboten.

Am ersten Prozesstag vergangene Woche hatten alle fünf Angeklagten - vier Männer im Alter von 26 bis 41 Jahre sowie eine 36 Jahre alte Frau - Geständnisse abgelegt. Dabei verwiesen sie auch darauf, dass es ihnen nicht nur um das Geld, sondern auch ums Helfen gegangen sei.

Der Prozess wird in zwei Wochen fortgesetzt.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Sendung "Region am Nachmittag" am 03.05.2022 berichtet.

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