Justitia mit Waage und Schwert  (Foto: IMAGO / Jan Huebner)

Prozess gegen Schleuserbande gestartet

Thomas Gerber   29.04.2022 | 15:30 Uhr

Vor dem Landgericht in Saarbrücken hat der Prozess gegen eine fünfköpfige Schleuserbande begonnen. Sie wohnen zum Großteil im Saarland und sollen zwischen 2015 und 2016 mindestens 120 meist syrische Flüchtlinge illegal nach Deutschland gebracht und dafür insgesamt rund 120.000 Euro kassiert haben.

Vier Männer im Alter von 26 bis 41 Jahre sowie eine 36 Jahre alte Frau müssen sich vor dem Landgericht verantworten. In Autos sollen sie zwischen 2015 und 2016 mindestens 120 zumeist syrische Flüchtlinge nach Deutschland gebracht haben. Pro Erwachsenem verlangten die Beschuldigten laut Anklage bis zu 1500 Euro.

2016 aufgeflogen

Von Budapest und später von Italien aus ging es über Österreich nach Süddeutschland. In der Regel wurden zwei Autos genutzt - ein Scoutfahrzeug fuhr voraus und erkundete die Lage an der Grenze.

Im Oktober 2016 aber stoppte eine Zivilstreife bei Rosenheim den Hauptangeklagten mit mehreren Syrern im Wagen. Sein Handy wurde sichergestellt, Chat-Protokolle ausgewertet. Die Bande war aufgeflogen.

Geständnisse abgelegt

Vor Gericht legten am Freitag alle fünf Beschuldigten Geständnisse ab, verwiesen aber auch darauf, dass es ihnen nicht nur ums Geld, sondern auch ums Helfen gegangen sei. Im Vergleich zu den katastrophalen und teilweise tödlichen Schleusungen auf der Balkanroute waren die vor dem Landgericht angeklagten Fahrten deutlich humaner.

Außer dem mutmaßlichen Kopf der Bande, ein 34 Jahre alter Bauingenieur mit kurdischen Wurzeln, können alle mit Bewährungsstrafen rechnen. Der 34-Jährige jedoch wies die Hauptschuld seinem mitangeklagten Cousin zu. Wer in der Bande das Sagen hatte, muss nun vor Gericht geklärt werden.

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