Angeklagter im Mordprozess vor dem Landgericht in Saarbrücken. (Foto: BeckerBredel)

Krankenpfleger wegen versuchten Mordes angeklagt

Thomas Gerber / Axel Wagner   18.06.2021 | 17:16 Uhr

Vor dem Landgericht Saarbrücken hat am Freitag der Prozess gegen den Krankenpfleger Daniel B. begonnen. Ihm wird vorgeworfen, in Völklingen und Homburg sechs schwerstkranken Patienten nicht verordnete Medikamente verabreicht zu haben. Ob er für den Tod weiterer Patienten verantwortlich war, ist unklar.

Der Angeklagte, Daniel B. steht im Verdacht des versuchten Mordes. Der 29-jährige Riegelsberger soll 2016 im SHG-Klinikum Völklingen und an der Uniklinik Homburg sechs schwerstkranken Patienten ärztlich nicht verordnete Medikamente verabreicht haben, um sich bei der danach erforderlichen Reanimation gegenüber Kollegen und Ärzten in Szene setzen zu können.

Rechtsanwalt kritisiert Ermittlungen

Rechtsanwalt Olaf Möller ging in seiner Erklärung vor dem Landgericht Saarbrücken mit Polizei und Staatsanwaltschaft hart ins Gericht. Es sei einseitig ermittelt worden, Entlastendes für seinen Mandanten habe man komplett ausgeblendet.

Stattdessen lese sich die Anklage fast schon wie eine Blaupause des Falls Niels Högel – also jenes Krankenpflegers aus Niedersachsen, der wegen 85-fachen Mordes um die Zeit der Ermittlungen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe nebst Sicherungsverwahrung verurteilt worden war.

Video [aktueller bericht, 18.06.2021, Länge: 2:59 Min.]
Prozess gegen Krankenpfleger wegen versuchten Mordes

Angeklagter bestreitet Taten

Daniel B., der seit gut drei Jahren in Straf- und inzwischen in U-Haft sitzt, wirkte selbstbewusst und keineswegs wie ein gebrochener Häftling. Er bestritt die Taten. Krankenpfleger sei er geworden, um Menschen zu helfen, nicht um sich bei deren Reanimation wie die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage sagt, zur Schau zu stellen. Er sei keineswegs ein Todesengel – dazu sei er auch von der Presse gemacht worden.

Die Staatsanwaltschaft aber ist überzeugt, Daniel B. habe seine Patienten nicht als eigenständige Persönlichkeiten gesehen. Für ihn seien sie lediglich Gelegenheiten gewesen, um Nervenkitzel und Anerkennung zu erleben. Der Prozess wird am 2. Juli fortgesetzt. Das Verfahren dürfte sich über Monate hinziehen.

Sechs Fälle

Daniel B. war zunächst nur wegen fünf Fällen angeklagt gewesen, es kam jedoch noch ein weiterer Fall hinzu. Die Angehörigen nehmen im Prozess als Nebenkläger teil.

Obgleich einige der Opfer verstorben waren, geht die Staatsanwaltschaft auch in diesen Fällen lediglich von einem versuchten, nicht einem vollendeten Mord aus. Zwar wurden nach der Exhumierung der Leichen Spuren der Blutdrucksenker und hochwirksamen Schlafmittel nachgewiesen – ob das aber kausal zum Tod geführt hat oder nicht doch die jeweilige Grunderkrankung, konnten Gutachter offenbar nicht abschließend klären.

Krankenpfleger wegen versuchtem Mord angeklagt: der Prozessauftakt
Audio [SR 3, Studiogespräch: Renate Wanninger/Thomas Gerber, 18.06.2021, Länge: 05:12 Min.]
Krankenpfleger wegen versuchtem Mord angeklagt: der Prozessauftakt

Ob B. für den Tod weiterer Patienten zumindest mitverantwortlich sein könnte, bleibt unklar, da sie meist feuerbestattet wurden. Ermittelt wurde in 21 weiteren Fällen.

Pfleger gab sich schon als Arzt aus

Der Intensivpfleger ist inzwischen in Untersuchungshaft, zuvor hatte er eine dreijährige Freiheitsstrafe wegen Betruges verbüßt. Er hatte im Internet Waren bestellt – unter anderem Luxusuhren im Wert von 100.000 Euro – und nicht bezahlt.

Zudem war er auch schon mal als falscher Arzt in Erscheinung getreten. Im Urteil des Amtsgerichts Saarbrücken hieß es 2018, dass sich Daniel B. seit seinem Jugendalter gegenüber anderen erfolgreicher dargestellt hat, als er es tatsächlich war. Die psychiatrische Gutachterin bescheinigte ihm eine „narzisstische Persönlichkeitsstörung“ – Auswirkungen auf seine Schuldfähigkeit hatte das damals nicht.

Über dieses Thema hat auch die SR3 Rundschau vom 18.06.2021 berichtet.

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