Prozess gegen mutmaßlichen Islamisten und IS-Kämpfer am Landgericht Saarbrücken, 30.08.2022 (Foto: SR)

Angeklagter bestreitet Absicht, sich IS anzuschließen

Mit Informationen von Barbara Spitzer   30.08.2022 | 20:37 Uhr

Im Prozess gegen einen mutmaßlichen Islamisten vor dem Landgericht Saarbrücken hat sich der angeklagte Saarländer am dritten Verhandlungstag erstmals selbst geäußert. Den Vorwurf der Anklage, er habe sich dem IS anschließen wollen, hat er dabei vehement abgestritten.

Er sei katholisch erzogen worden, sagte der Angeklagte Michael A. aus St. Ingbert am Dienstag vor dem Landgericht Saarbrücken. Am dritten Verhandlungstag des Prozesses hat sich der im Februar festgenommene mutmaßliche Islamist zum ersten Mal selbst zur Anklage geäußert. Den Vorwurf der Anklage, wonach er sich in Mali der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) habe anschließen wollen, wies er vehement zurück.

Flucht aus Angst vor Impfpflicht

Der konvertierte Moslem sagte, seine damals hochschwangere Frau habe ihn aus Angst vor der Corona-Impfpflicht überredet, nach Mali zu ziehen. Sie kenne sich in der Region aus. Gemeinsam hätten sie sich dort mit einem Stück Land neu starten wollen. Von den vermeintlichen Chat-Kontakten seiner Frau zum IS habe er nichts gewusst. „Das hat er heute ganz klar gesagt, mehrmals betont: Er hatte keine Interessen, sich irgendjemandem anzuschließen oder irgendetwas zu machen“, sagte sein Verteidiger Harald Müller dem SR.

Video [aktueller bericht, 30.08.2022, Länge: 2:42 Min.]
Mutmaßlicher IS-Kämpfer sagt vor Landgericht aus

Den späteren Sauerlandbomber Daniel S. aus Neunkirchen kenne er vom Basketballspielen, berichtete der Arztsohn aus Friedrichsthal. S. sei wie er selbst zum Islam konvertiert.

Unklare Haltung zum IS

Nach seiner Haltung zum IS befragt, bleibt der 39-Jährige vage, sagte, wenn es einen islamischen Staat gäbe, würde er dort leben. Wenn Gott es wolle, werde es irgendwann passieren. A. war immer wieder durch mutmaßlich islamistische Posts auf Facebook aufgefallen.

Als nächstes sollen Islamwissenschaftler als Sachverständige gehört werden.  Damit erhofft sich das Gericht, die Haltung des Angeklagten zum IS weiter aufzuhellen, denn das Motiv seiner Reise nach Mali ist zentral für die Schuldfrage. Ein Urteil wird für Mitte Oktober erwartet.

Über dieses Thema hat auch der „aktuelle bericht“ vom 30.08.2022 berichtet.

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