Eine Justitia-Statue (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Malstatter Mordprozess hat begonnen

Mit Informationen von Patrick Wiermer   07.06.2022 | 17:17 Uhr

Nachdem im Oktober vergangenen Jahres nahe der Saarbahn-Haltestelle Ludwigstraße in Malstatt ein 36-Jähriger von einem Gleichaltrigen niedergestochen worden war, hat am Dienstag in Saarbrücken der Prozess begonnen. Das Opfer war kurze Zeit nach der Tat im Krankenhaus gestorben.

Mitten am Tag hatte ein 36-Jähriger am 5. Oktober 2021 einen gleichaltrigen syrischen Landsmann mit einem 20 Zentimeter langen Messer erstochen. 18 mal soll er auf das Opfer eingestochen haben, unter anderem in Brust und Bauch. Die Tat ereignete sich auf der Metzdorfstraße in Malstatt, in der Nähe der Saarbahn-Haltestelle Ludwigstraße. Am Dienstag hat nun am Landgericht Saarbrücken der Prozess begonnen.

Angeklagter wollte Familie zu sich holen

Hintergrund der Tat sind offenbar Streitigkeiten um Spielschulden und um seine achtköpfige Familie, die der Täter über Schleuser aus Syrien nach Deutschland bringen lassen wollte. Dafür hatte das spätere Opfer über Mittelsmänner rund 12.000 Euro bekommen, die dann an die Schleuser weitergeleitet werden sollten. Das hat aber, offenbar infolge der Corona-Pandemie, nicht funktioniert.

"Ein Prozess, der noch lange nachhallen wird"
Audio [SR 3, Studiogespräch: Simin Sadeghi / Patrick Wiermer, 07.06.2022, Länge: 04:03 Min.]
"Ein Prozess, der noch lange nachhallen wird"

Der 36-Jährige Angeklagte fühlte sich offenbar hingehalten und wollte seinen Landsmann in der Metzdorfstraße zur Rede stellen. Was dann im Detail passierte, ist noch unklar. Zum Prozessauftakt sagte der Angeklagte, das spätere Opfer habe mit einem Schraubendreher auf ihn eingestochen und dabei in der anderen Hand auch noch ein Messer geführt.

Details der Tat unklar

Dieses will er ihm dann abgenommen und damit auf ihn eingestochen haben – wie oft, wie genau und was nach der Tat geschah, daran habe er keine Erinnerung mehr. Er sei unter Schock gewesen.

Ein Augenzeuge beschrieb allerdings beim Prozess am Dienstag, der Täter habe so zugestochen, als wolle er ein Huhn schlachten. Wie die Tat zu bewerten ist, ob es sich um Mord oder Totschlag handelt, wird sich erst an den kommenden beiden Prozesstagen zeigen müssen.

Ehefrau des Opfers als Zeugin

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. Dann soll auch die Ehefrau des Opfers als Zeugin vernommen werden. Die Tat könnte außerdem auch in Syrien noch ein Nachspiel haben. Denn dort haben die Familien des Opfers und des Täters Kontakt aufgenommen, um über eine Sühne für die Tat zu verhandeln – eine Blutrache.

Über dieses Thema hat auch die SR 3 Region am Nachmittag vom 07.06.2022 berichtet.

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