Der 39-jährige Hauptangeklagte sitzt im Verhandlungssaal des Landgerichts Kaiserslautern. (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Pool | Uwe Anspach)

Kusel-Prozess: Mithäftling belastet Hauptangeklagten

  02.09.2022 | 12:43 Uhr

Im Mordprozess vor dem Landgericht Kaiserslautern um die tödlichen Schüsse auf zwei Polizisten aus dem Saarland Ende Januar bei Kusel haben die Verteidiger des Hauptangeklagten am Freitag weitere Beweisanträge gestellt. Der Richter konfrontierte Andreas S. mit Aussagen von Mithäftlingen.

Mit weiteren Beweisanträgen ist am Freitag der Kusel-Prozess mit dem 13. Verhandlungstag fortgesetzt worden. Die Verteidiger des 39-jährigen Hauptangeklagten Andreas S. wollen durch Einsicht in alle Untersuchungen der Ermittlungsgruppe Eiche (GEG Eiche) beweisen, dass der Nebenangeklagte Florian V. bei seinen Vernehmungen die Unwahrheit gesagt habe.

Video [aktueller bericht, 02.09.2022, Länge: 2:23 Min.]
Mithäftlinge belasten Hauptangeklagten im Kusler-Polizistenmordprozess

So solle ein Gutachten beweisen, dass S. von den räumlichen Gegebenheiten her gar nicht erst den Schuss auf die Polizisten habe abgeben können. Andreas S. wird vorgeworfen, bei einer nächtlichen Fahrzeugkontrolle Ende Januar bei Kusel eine 24 Jahre alte Polizeianwärterin und einen 29-jährigen Polizeikommissar getötet zu haben, um Jagdwilderei zu verdecken.

Positionen unklar

Der 33-jährige Florian V. ist wegen versuchter Strafvereitelung angeklagt, weil er geholfen haben soll, Spuren zu verwischen. Im Prozess schweigt er, hatte aber zuvor bei der Polizei in umfangreichen Aussagen S. schwer belastet. S. selbst will den Polizisten nur aus Notwehr getötet haben. Für den Tod der Polizistin macht er seinen Komplizen V. verantwortlich.

Der Vorsitzende Richter Raphael Mall kündigte an, die Anträge von S.‘ Verteidigung zu prüfen. Bei der Frage, wer wo bei der Tat gestanden habe, gebe es „viele Unwägbarkeiten“, die schwer zu klären seien. „Es gibt keine Anknüpfungstatsachen.“

Mögliche Aussage von Mithäftling

Am Freitag konfrontierte der Richter Andreas S. mit Aussagen seiner Mithäftlinge. So soll er einem anderen Gefängnisinsassen berichtet haben, wie die Tatnacht abgelaufen sei. Dieser Mann habe sich dann über einen Anwalt bei Gericht gemeldet und sich als Zeuge angeboten, offenbar, um selbst Straferleichterung zu erreichen. Kammer und Staatsanwaltschaft überlegen einem Bericht des SWR zufolge, den Mithäftling als Zeugen im Prozess anzuhören.

Im Prozess wurden am Freitag auch noch einmal Funksprüche abgespielt. Andreas S. hatte gesagt, sie seien falsch protokolliert worden. Staatsanwaltschaft und Gericht widersprachen dem. Außerdem wurde ein Polizeibeamter vernommen, der bei den Zeugenvernehmungen nach der Tat anwesend war.

Nebenklage kritisiert Prozessführung

Fortgesetzt werden soll der Prozess nun am 9. September. Dann soll möglicherweise das Video der beiden Vernehmungen von Florian V. vorgespielt werden. Oberstaatsanwalt Stefan Orthen sagte, die Vorführung könnte „erhellend“ sein.

Kritik kam von der Nebenklage. „Wir können noch zehn Gutachten hören, aber am Ende sind wir auch nicht schlauer“, sagte Anwalt Olaf Möller, der die Familie der getöteten Polizistin vertritt, der Deutschen Presse-Agentur. Die Familie leide darunter, dass sich der Prozess ziehe „wie Kaugummi“ und dem Hauptangeklagten immer wieder eine Bühne für seine Ausführungen geboten werde. „In jeder anderen Kammer wären wir schon längst fertig.“

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 02.09.2022 berichtet.

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